Veranstaltung: 90 Jahre Arbeiteraufstand gegen den faschistischen Kapp-Putsch
Frankfurt (Korrespondenz), 21.06.10: Gleich zu Beginn versetzte der Referent, ein versierter Kenner der Geschichte der Arbeiterbewegung in Frankfurt, möglichen Erwartungen einen Stoß, man könnte die bewaffneten Märzkämpfe der Arbeiter 1920 in Deutschland aus dem regionalen Bezug erklären. In Frankfurt sind die revolutionären Spuren der Novemberrevolution und der Zeit danach aus dem Stadtbild und dem historischen Gedächtnis weitgehend getilgt. Auf dem damaligen Hauptkundgebungsplatz der KPD prangt heute ein meterhohes Euro-Zeichen der Europäischen Zentralbank. Nur in Hanau konnten Arbeiter den Durchmarsch der Kappisten verhindern. Die Eisenbahner organisierten einen Generalstreik. Aber – und das ist eine wichtige Lehre, mit einem Generalstreik wird nicht die Machtfrage gestellt. Das war aber das Anliegen der Arbeiter und breiten Massen nach dem 1. Weltkrieg, die die verhasste Generalität und Monarchie in der Novemberrevolution verjagt hatten und sich einen demokratischen Arbeiterstaat wünschten. In linken Gewerkschaftskreisen steht der Generalstreik als höchstes Kampfmittel hoch im Kurs. Damit bleiben aber die Staatsorgane, der Verwaltungsapparat, Polizei, stehendes Heer unangetastet. Die Märzkämpfe 1920 in Deutschland waren spontane bewaffnete Arbeiteraufstände. Der revolutionäre Instinkt, das unvergleichliche Heldentum und die militärischen Erfahrungen der Arbeiter aus dem 1. Weltkrieg konnten die Führung durch eine revolutionäre Massenpartei nicht ersetzen. Die KPD war erst 15 Monate alt und hatte noch nicht die Reife und das breite Vertrauen der kämpfenden Arbeiter. So fehlte der „Generalstab“, die Arbeiter- und Soldatenräte waren z.T. gespalten durch Richtungskämpfe von Unabhängige- (USPD) und Mehrheitssozialisten (SPD). Vertreter der KPD waren in der Minderheit. (...)
Ein Gast aus dem Ruhrgebiet machte Werbung für die Aktionswoche im August zu den Ruhrkämpfen. Am vielseitigen Büchertisch deckten sich die Besucher rege ein und spendeten auch für die MLPD.
