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07.09.04 - 09.55 Uhr: Mannheim - Rebellische Jugend sorgt für Parolen und die Auseinandersetzung um die Ausbildungssituation


Mannheim (Korrespondenz): Rund 450 Teilnehmer/innen verfolgten aufmerksam die Redebeiträge des Gesamtpersonalratsvorsitzenden der Stadt Mannheim sowie des Betriebsratsvorsitzenden von Alstom. Letzterer hielt eine sehr kämpferische Rede, die gut ankam. Er zeigte, dass die Bundesregierung das ausführt, was das Kapital will. Gleichzeitig forderte er, wir müssten den "Sozialstaat retten". Leider ging später darauf niemand mehr ein, dass gerade das Kapital, nämlich BDA und BDI, die soziale Versorgung auf ein absolutes Minimum reduzieren (wollen) und sich den Staat als ihren Dienstleister vollkommen untergeordnet haben.

Während der Demo durch die Mannheimer Innenstadt übernahm erstmals der REBELL, der Jugendverband der MLPD, die Parolen, wie z. B. "Weg mit Hartz IV, das Volk sind wir!" und auch "Re, Re, Rebellion für den echten Sozialismus". Nach anfänglichem Erstauen fielen immer mehr Leute in der Nähe des Lautsprechers in diese Parole ein. Überhaupt war die Demo von einem fröhlichen und kämpferischen Geist erfüllt.

Das offene Mikrofon wurde wieder rege genutzt, gerade auch von vielen Jugendlichen. Eine junge Rebellin (Mitglied im REBELL) hielt eine Rede zur Ausbildungssituation für junge Menschen. Ihre Rede kam so gut an, dass sie anschließend vom alternativen Radiosender "Bermudafunk" zur Live-Sendung "Alles ist möglich" eingeladen wurde. Ein Vertreter von der Organisation RSB warnte davor, dass die Losung - "Weg mit Hartz IV - das Volk sind wir!" Nazis anlocken würde und dass auch das Kapital zum Volk gehört. Er plädierte dafür, diese Losung wegzulassen. Eine Frau vom Frauenverband Courage erwiderte, dass diese Losung "Wir sind das Volk" bald 200 Jahre alt ist und von dem fortschrittlichen Schriftsteller Georg Büchner stammt, dessen Zitat "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" auch sehr bekannt ist. Che Guevera steht für die Aussage "Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker". Wir lassen Begriffe nicht von Nazis einfach besetzen, sondern stehen in der Tradition der Volksbewegung in der ehemaligen DDR im Kampf gegen Unterdrückung und Bespitzelung.

Eine junge Vertrauensfrau der IG Metall bei DaimlerChrysler legte dar, wo das Geld, das angeblich fehlt, abgeblieben ist - nämlich in den Konzernen - und dass trotz großer Gewinne keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen wurden, sondern welche vernichtet. Ihr Schlusssatz "Weg mit Hartz IV, das Volk sind wir - auf zum 3. Oktober nach Berlin!" wurde mit großem Beifall quittiert. Eine Stellungnahme zur Demonstration am 2. Oktober gab es nicht. Es fand keine öffentliche Auseinandersetzung über die Frage statt, welchen Weg die Montagsdemonstrationen weiter nehmen.

Obwohl diesmal deutlich weniger Menschen an der Montagsdemonstration teilnahmen, kamen mehr Spenden als beim letzten Mal zusammen, nämlich rund 230 Euro. Die Stimmung war gut und es bestand Einheit, dass wir montags weiter demonstrieren (größer werden müssen), bis Hartz IV vom Tisch ist.

 

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