Neue Fusionswelle der internationalen Monopole Ausdruck einer Vernichtungsschlacht im Kampf um den Weltmarkt
20.12.05 - Mit einer Welle an Fusionen und Übernahmen ordnen die Übermonopole die internationale Produktion neu. Das jüngste Beispiel ist, dass der Essener RAG-Konzern die Degussa komplett übernehmen will. Für insgesamt 2,8 Milliarden Euro will die RAG in den nächsten Monaten die 42,8 Prozent Anteile der E.ON an dem größten Spezialchemiekonzern der Welt, der Degussa AG, aufkaufen. Das haben E.ON und die RAG am Montag nach ihren Aufsichtsratssitzungen bekannt gegeben. Die im Streubesitz befindlichen restlichen 7 Prozent Degussa-Anteile, über die die RAG noch nicht verfügt, soll mit weiteren 608 Millionen Euro erworben werden.
Dem liegt zugrunde, dass bereits im Jahr 2003 der E.ON-Konzern den vollständigen Rückzug aus der Chemie beschlossen hatte. Dabei hatte E.ON der RAG bereits ein Vorkaufsrecht eingeräumt, während im Gegenzug die E.ON eine große Beteiligung an Ruhrgas abkaufen konnte.
Im unerbittlichen Konkurrenzkampf der internationalen Monopole um regionale oder weltmarktführende Positionen streben sie nach einer starken Konzentration auf die "Kernkompetenzen" der jeweiligen Konzerne. Nur so können sie Höchstprofite erzielen und die Weltmarktpreise auf den schnell wachsenden Märkten diktieren. Deshalb werden inzwischen ganze Firmenteile und -sparten abgestoßen. Der Kauf der Degussa soll bis zum 1. Juli nächsten Jahres abgeschlossen sein.
Damit stärkt die RAG ihr Chemiegeschäft, dass neben der Energie, den Immobilien und dem Bergbau zu den Kernbereichen des Konzerns gehört. Im Zuge dieser Welle an Konzentrationen hatte die RAG innerhalb von 18 Monaten rund 280 Unternehmen mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro und 22.000 Beschäftigten verkauft. Bereits der ganze Aufbau des RAG-Konzerns wurde durch milliardenschwere Subventionen aus Steuermitteln gefördert. Damit haftete der RAG das Image eines notleidenden Konzerns an. In dem Buch die "Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'" von Stefan Engel heißt es auf Seite 346: "In Wirklichkeit sorgten diese Milliarden (staatliche Subventionen und Abschreibungen) dafür, dass der RAG-Konzern zu einem internationalen Übermonopol im Rohstoff-, Maschinenbau- und Chemiebereich wurde, das seinen Sitz in Deutschland hat und rücksichtslos in der ganzen Welt seinen Anspruch auf Vorherrschaft anmeldet."
E.ON wird aus dem Verkauf voraussichtlich einen Buchgewinn von 500 Millionen Euro erzielen. E.ON-Chef Bernotat hatte seinen Aktionären zudem versprochen, den Erlös vom Verkauf der Degussa-Aktien im Frühjahr 2007 auszuschütten. So können die E.ON-Aktionäre mit einer Sonderdividende von 4,25 Euro pro Aktie rechnen.
Diese Entwicklung ist ein weltweiter Prozess. DaimlerChrysler hat MTU verkauft. General Motors hat seine Zuliefertochter Delphi in die Insolvenz getrieben. Die Deutsche Post wurde durch die Übernahme des britischen Kontraktlogistikers Exel mit seinen 110.000 Beschäftigten zum größten Logistikkonzern der Welt. Die spanische Telefonica zahlte für den Erwerb des Telekommunikationsriesen O2 allein 26 Milliarden Euro. Diese gigantischen Summen sind Ergebnis einer Ausbeutungsoffensive in den Betrieben. Sie wurden aus der Masse der Arbeiter und Angestellten durch Senkung der Löhne und Gehälter, Arbeitszeitverlängerung und Flexibilisierung sowie durch die Steigerung der Kapazitätsauslastung herausgepresst.
Die neue Welle der Fusionen und Übernahmen ist vom Wesen her eine gegenseitige Vernichtungsschlacht der internationalen Monopole im Kampf um den Weltmarkt. Sie führt zu tiefgreifenden Erschütterungen, von denen nicht nur Riesenkonzerne, sondern ganze Volkswirtschaften getroffen werden. Sie kennzeichnen jedoch vor allem einen Grad der internationalen Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die die bisher weitestgehende materielle Vorbereitung für die Vereinigten Sozialistischen Staaten der Welt bedeuten. Sie machen deutlich, dass der Kapitalismus nicht am Mangel krankt, sondern an dem ungeheuren Reichtum erstickt, der tagtäglich von den werktätigen Massen geschaffen wird.
