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20.12.05 - Saarbrücken: Eine Weihnachtsgeschichte, die gut ankam


Saarbrücken (Presserklärung): Am Montagabend um 18 Uhr fand die 68. Montagsdemonstration in Saarbrücken statt. Zum letztenmal haben wir am Kundgebungsplatz in der Bahnhofstraße unsere Weihnachtsgeschichte 2005 aufgeführt. Dabei erzählte eine ehemalige Schauspielerin am Mikro die satirische Weihnachtsgeschichte 2005 mit Personen wie Kaiserin Angeliana, Wolfgang Clementius und Petrus Hartzius. Andere Montagsdemonstranten spielten dabei die verschiedenen biblischen Personen, wobei ihre Textbeiträge auf wenige Sätze beschränkt waren.

Diese Form kam beim Publikum prima an, da doch so die Zuhörer auf unterhaltsame Weise auf die versteckt brutalen Aspekte von Hartz IV, sowie auf den Irrweg, der in die soziale Kälte führt, hingewiesen wurde. Zusammenfassend kann man bewerten, dem Publikum und auch uns hat diese Form der kritischen Darstellung von Hartz IV anhand der biblischen Weihnachtsgeschichte viel Freude gemacht und wir werden auch in Zukunft bei Gelegenheit auf diese kurzweilige aber einprägsame Form der satirischen Kritik wieder zurückkommen. Für Interessierte ist der Volltext des Stückes nach der Pressemitteilung angehängt.

Am ersten Montag des neuen Jahres, am 2. Januar 2006 findet die nächste Montagsdemo statt. Treffpunkt wieder 18 Uhr vor dem Arbeitsamt. Die Abschlusskundgebung mit Diskussionen am offenen Mikro ist dann vor der Thalia-Buchhandlung in der Bahnhofstraße um ca. 18.20 Uhr.

Vom Bündnis gegen Sozialkahlschlag Saarbrücken / Weg mit Hartz IV.

 

Die Weihnachtsgeschichte 2005

Nach dem Evangelium des Apostels Theo Dorand,
Übersetzung by Jutta von Jolande

Es geschah in jenen Tagen, als das reiche und mächtige Rom über Iberien, Gallien, Britannien und Germanien, bis hin zu den Ufern des schwarzen Meeres und weit darüber hinaus, bis nach Ägypten, Syrien und Palästina herrschte.

Kaiserin Angeliana  von der großen Regierungskoalition der  Sozial- und Christdemokratur, die jüngst von ihrem  weisen und durchtriebenen Berater Wolfgang Clementius erfahren hatte, das es den Reichen in seinem Reich schlechter denn je erginge, und sich überall Parasiten breit machten, die den Wohlstand auffraßen, erließ ein Gebot, wonach alle Welt gezählt und ihr Wert für die Ökonomie geschätzt werden sollte.

Ein Jeder der keine Arbeit hatte, musste sich auf die Socken machen um sich in der Stadt seiner Väter bei der ARGE registrieren zu lassen. Auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, war mit seiner jungen Frau Maria, die ein Kind erwartete, unterwegs nach Bethlehem, um dem Willen des Kaisers zu gehorchen.

Josef und Maria waren, wie die meisten Bürger Galiläas arbeitslos, denn die Sänften und Wagenfabrikation, die ihnen einstmals die Existenz sicherte, war schon seit geraumer Zeit nach Babylon und Nubien ausgelagert worden. Dort war eben die Arbeit viel billiger und die Rendite für die Aktionäre fiel wesentlich höher aus.

Nach den Gesetzen von Petronius Hartzus, aus dem Vorstand der Volkskutschen AG, der mit Seinesgleichen auch die vornehmen Bordelle der Welt bereist hatte, waren ihnen nur wenige Sesterzen verblieben. Haus und Hof hatten die beiden verkaufen müssen. Ihr Erspartes für das Alter mussten sie ebenso aufessen, wie den Esel, der ihnen zuvor die Mobilität gesichert hatte.

Unterwegs begegneten ihnen viele arbeitslose Handwerker und Künstler, ja sogar Gelehrte und einstmals Selbständige waren in großer Zahl dabei. Maria und Josef hörten sie murren: "Die Regierung muss uns Arme sehr lieben. Wie sonst hätte sie so viele von uns geschaffen?"

Als eine römische Kohorte mit blank geputzten Waffen an ihnen vorbeizog, meinte Josef sarkastisch: "Schau mal Maria, dort schleppt die Soldatesca unsere Rente an den Hindukusch."

An der Straße nach Bethlehem gab es mehr Bettler, die um ein Almosen bettelten, als Bäume die Schatten spendeten. Gehüllt in Seidengewänder wurde die Kaiserin Angeliana in ihrer Sänfte vorbei getragen. Maria und Josef hörten sie fortwährend rufen: "Gebt uns vier Jahre Zeit und ihr werdet das Land nicht wiedererkennen."

Vor dem Stadttor von Bethlehem hatte der damals für die Verfolgung der "Faulenzer" zuständige Prokurator Wolfgang Clementius große Tafeln mit der Inschrift "Vorrang für die Anständigen" aufstellen lassen. Zu den Anständigen zählte er sich selbst, seinen Kaiser, seinen Geldbeutel und natürlich Petronius Hartzus, der mit seinen Gesetzen die
"Überflüssigen" und "Parasiten" in Fesseln gelegt hatte. Ein Sprayer hatte in großen Lettern darunter geschrieben: "Hau ab, Verdammter dieser Erde."

Streng bewacht von römischen Soldaten und Hilfswilligen des Königs Herodes, war das Tor Bethlehems. Josef und Maria mussten ihren Lebensberechtigungsschein abstempeln lassen, sowie den Hartzus IV Bewilligungsbescheid vorlegen, bevor sie die Stadt, in der König David das Licht der Welt erblickte, betreten durften.

Die beschwerliche Reise von Nazareth nach Bethlehem hatte die letzten Ersparnisse von Maria und Josef aufgefressen. Maria, die spürte daß ihre Zeit zu gebären gekommen war wollte einen Medicus aufsuchen, doch ohne zehn Sesterzen Praxisgebühr wurde sie erst gar nicht vorgelassen. Auch die Suche nach einer Herberge für die Nacht blieb erfolglos. "Schert euch weg, ihr elendes Gesindel", riefen die Türsteher und drohten mit
der Peitsche.

Aus den Tavernen drang Gesang und Gelächter, Maria war am Ende ihrer Kräfte, sollte ihr Kind in der Gosse geboren werden? Ein Vagabund, der selbst ohne Obdach und Zukunft war, wies ihnen den Weg zu dem Stall einer Karavanserei, die sie mit letzter Kraft erreichten. Dort lagerten viele Hirten mit ihren Tieren, aber auch Andere, die weder Geld für eine Herberge noch sonst ein Dach über dem Kopf hatten.

Maria und Josef fanden Aufnahme in einer Ecke des Stalls. Viele hilfreiche Hände streckten sich ihnen entgegen Maria gebar ihren Sohn, sie wickelte ihn in Tücher und legte ihn in eine Krippe.

Die Tage vergingen und Maria konnte sich von den Strapazen der Geburt erholen. Eine Karavane mit prächtig geschmückten Pferden und Kamelen näherte sich dem Stall in dem das Kind in seiner Krippe lag. "Wo ist das neugeborene Kind? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, das Kind und euch unter die Lupe zu nehmen", fragte eine tiefe Stimme. Sie gehörte einem Kontrolleur der ARGE Bethlehem der sich mit zwei seiner Kollegen auf den Weg gemacht hatte die seltsame Wohngemeinschaft in der Stallecke zu überprüfen. Maria und Josef und ihr kleiner Sohn waren in den Augen der ARGE Bethlehem nichts weiter als eine lästige und vorallem verdächtige Bedarfsgemeinschaft die den "Anständigen" auf der Tasche lag. "Wem gehören die Schafe und Ziegen, wem Ochs und Esel - Ihr habt euch Hartz IV erschlichen. Ihr seid Betrüger, Ihr seid Parasiten", musste sich das Paar anhören.

Als von draußen der Gesang einiger Hirten: "Wacht auf, Verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Darben zwingt! - Das Recht wie Glut im Kraterherde nun mit Macht zum Durchbruch dringt", kraftvoll erklang fügte Josef dem Lied der Hirten eine weitere Strophe an: "Es rettet uns kein hö´hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun. - Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun! -  Leeres Wort: des Armen Rechte! Leeres Wort: des Reichen Pflicht! - Unmündig nennt man uns und Knechte, duldet die Schmach nun länger nicht!" Da nahmen die Kontrolleure der ARGE rasch Reißaus.

 

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