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Über 220.000 Teilnehmer bei DGB-Demonstrationen in fünf Städten


Abschlusskundgebung in Dortmund
21.10.06 - Wesentlich mehr Teilnehmer als vom DGB-Vorstand zunächst erwartet kamen zu den heutigen fünf Demonstrationen. In Berlin waren es nach DGB-Angaben 80.000, in Dortmund 40.000, in Stuttgart 45.000, in München 35.000 und in Frankfurt am Main 20.000, insgesamt also 220.000. Die Stimmung war davon geprägt, der volksfeindlichen Politik der Merkel/Müntefering-Regierung den Kampf anzusagen. So sagte in Dortmund ein Kollege von Ford in Köln, der zum ersten Mal überhaupt auf einer Demonstration war: "Was die Regierung macht, kann man nicht mehr länger hinnehmen. Die Rente mit 67 und die ganze Rentenpolitik treibt uns im Alter in die Armut, obwohl wir das ganze Leben lang gearbeitet haben. Ich hoffe sehr, dass die heutige Demo etwas bewegt. Aber warum wird nicht mal ein Generalstreik organisiert?" Die MLPD trat auf allen Demonstrationen unter anderem mit dem neuen Flugblatt "Diese Regierung muss weg!" auf, das auf breite Zustimmung stieß, aber auch lebhafte Diskussionen hervorrief.

In einem Bericht aus Berlin heißt es: "Ein Meer roter Gewerkschaftsfahnen. Ganz vorne im Demozug waren Kollegen von Bosch-Siemens Hausgeräte (BSH). 'Nein zu 216 Entlassungen. Wir kämpfen weiter. Wo steht die IG Metall?', stand auf dem eilig gesprayten Transparent. 'Wir sind noch lange nicht fertig! Wir waren mit unserem Streik dicht davor, landesweit etwas zu bewegen', sagte einer der Arbeiter selbstbewusst. Gleich hinter ihnen folgte das Transparent ihres Solidaritätskreises, das den Kampf um jeden Arbeitsplatz forderte. Die Montagsdemonstranten aus vielen ost- und norddeutschen Städten machten zusammen mit der Musikgruppe Nümmes Stimmung im Herzen des Zuges.

Die Forderung der MLPD 'Diese Regierung muss weg!' stieß in vielen Gesprächen auf Zustimmung. Auffällig waren die vielen selbst gemachten Schilder und Spruchbänder, in denen über eine Alternative zum herrschenden Profitsystem nachgedacht wurde. 'Solange es Geld gibt, wird es nicht genug für alle geben', stand dort mit Blick auf den Kommunismus zu lesen. 'Wacht auf Verdammte dieser Erde", schrieb ein anderer Demonstrant auf sein Plakat. 'Wirtschaft für den Menschen, statt für die Kasse der Bosse', hatte ein Arbeiter von der Berliner Stadtreinigung auf sein Schild gemalt."

Von der Demonstration in Dortmund wird berichtet: "Neben Fahnen aller DGB-Gewerkschaften waren in den bunten Zügen zahlreiche weitere Organisationen wie Linkspartei, WASG, MLPD, DKP, attac, Migrantenverbände, Montagsdemonstrationen und der Sozialverband Deutschland vertreten. Zu sehen waren Delegationen aus zahlreichen Betrieben wie Ford Köln, Opel Bochum, Siemens Uerdingen, Siemens VDO Dortmund, BenQ Kamp-Lintfort, vom Uniklinikum Aachen, der Bergarbeiter-Initiative 'Kumpel für AUF' sowie von den streikenden Kollegen der Verkehrsbetriebe Rheinland. Von Ford Köln waren allein über 1.000 Kolleginnen und Kollegen mit Bussen angereist.

Vielfältig auch der Protest gegen die Regierungspolitik. Da waren Transparente und Schilder gegen die Gesundheitsreform und Hartz IV, gegen die Rentenpolitik der Regierung, aber auch gegen Studiengebühren, gegen den Verkauf der LEG-Wohnungen, aber auch für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht zu sehen. Im Kontrast zu der Stimmung, dass die gesamte Regierungspolitik angegriffen wurde, standen manche Aussagen der offiziellen Gewerkschaftsredner, die vor allem auf die Illusion einer 'sozialeren Politik' innerhalb des herrschenden Systems orientierten. Beifall erhielten sie immer dann, wenn sie selbst die Regierungspolitik mit klaren Worten geißelten. Ein Kollege von Küppersbusch in Gelsenkirchen sah in der guten Beteiligung vor allem einen 'Erfolg der Arbeit an der Basis'. Eine Teilnehmerin aus Oer-Erkenschwick: 'Ich bin das erste Mal auf einer so großen Demonstration. Es ist toll und mobilisierend, dass so viele auf die Straße gegangen sind.'"

Von Aschaffenburg bis Traunstein, von Furth im Wald bis Lindau, aus Nürnberg, Schwei Ingolstadt, Augsburg und München - aus ganz Bayern kamen die Teilnehmer zur heutigen Demonstration in München. Die Veranstalter sprechen von 30.000 Teilnehmern, Anwesende schätzen aber, dass es wesentlich mehr waren. Die Korrespondentin aus München berichtet: "Zahlreiche Initiativen 'von unten' prägten die Auftaktkundgebung und einen langen kämpferischen Demonstrationszug, der vom Münchner Westend zum Marienplatz marschierte. Besonders im Visier der Demonstranten: die massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen, die fehlenden Ausbildungsplätze und die Jugendarbeitslosigkeit. Umlagert und lebhaft von vielen Teilnehmern genutzt: die offenen Mikrofone, die die Montagsdemos aus Nürnberg und aus München zur Verfügung stellten und moderierten. 'Es wird allerhöchste Zeit, dass wir uns wehren', sagte ein IG-Metaller aus der Oberpfalz. ‚Das kann auch auf jeden Fall erst der Anfang sein.' Außer in den offiziellen Reden war von einer 'konstruktiven Begleitung der Reformpolitik der Großen Koalition' wenig zu spüren: diese ganzen sogenannten Reformen richten sich doch gegen uns, die kleinen Leute, war viel mehr der Tenor."

Aus Stuttgart heißt es: "Vertreten waren zahlreiche Delegationen aus Betrieben wie DaimlerChrysler, Bosch und Siemens, zum Teil auch Gruppen von Auszubildenden, ebenso die Montagsdemos aus ganz Baden-Württemberg. Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen protestierten gegen die Folgen der 'Gesundheitsreform'. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer erhielt vor allem dann Beifall, wenn er die Regierungsbeschlüsse angriff."

In Frankfurt am Main war der Kundgebungsplatz "Römerberg" zu Beginn der Abschlusskundgebung schon so überfüllt, dass Teilnehmer von weiteren Demo-Zügen auf den Paulsplatz und das Mainufergelände ausweichen mussten. Ein Korrespondent schreibt dazu: "Ein DGB-Redner sprach von ca. 20 000 Teilnehmern. Dies wurde von Demonstranten eher als untere Grenze angesehen, denn allein der Demo-Zug vom Messegelände hatte schon ca. 20.000 Teilnehmer. Es waren Delegationen von Opel aus Rüsselsheim sowie Eisenach und Kollegen von Bosch zu sehen. Die Stimmung war kämpferisch und lautstark."

Für die meisten Teilnehmer der heutigen Demonstrationen war klar, dass dies nur der Auftakt dazu gewesen sein kann, mit weiteren Aktionen tatsächlich gegen die Regierung in die Offensive zu gehen.


  Bildreport: DGB-Demonstrationen am 21.10.2006

 

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