Gesammelte Berichte zum 22.03.2010
rf-news dokumentiert hier alle Berichte dieser Woche in alphabetischer Reihenfolge der Orte. Den KorrespondentInnen vielen Dank.
Bochum
Bei schönem und endlich frühlingshaftem Wetter versammelten sich zunächst nur wenige Montagsdemonstranten, im Laufe der Debatte am offenem Mikrofon kamen über 40 Menschen. Das Hauptthema war die geplante Kopfpauschale in der gesetzlichen Krankenversicherung. Daneben gab es viel Diskussionsbedarf zu der Großdemo am 20.3.10 in Essen "Wir zahlen nicht für eure Krise".
Eine Rednerin kommentierte das heutige Flugblatt der Montagsdemo: "Hier wird erwähnt, dass die Krankenkassen in einer Finanzmisere stecken. Es gibt jedoch mehrere Krankenkassen, die einen Gewinn erwirtschaftet haben. Durch die geplante Kopfpauschale provitieren daher in erster Linie die Pharmakonzerne, aber auch die Hersteller von medizinischen Hilfsmitteln, wie z.B. Krücken." Ein Moderator erwiderte: "Es ist im Prinzip tatsächlich so, dass die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung explodieren und sie rote Zahlen schreiben. Die Kopfpauschale verbessert jedoch nicht die finanzielle Lage der Krankenkassen, sondern dient nur dazu, dass die Pharmakonzerne noch mehr Provit machen können." Der andere Moderator ergänzte. "Zwar fordert Rösler, dass die Pharmaindustrie die Preise mit den Krankenkassen aushandeln sollen. Der Haken bei der Sache ist, jede Krankenkasse solle einzeln verhandeln. Dadurch ist es viel leichter für die Pharmaindustrie, ihre Preis bzw. Profitvorstellungen durchzusetzen". "In 20 Jahren wird es wohl keine medizinische Behandlung mehr für Arme geben", lautete eine Wortmeldung.
Eine Rednerin, die aus den USA (Florida) stammt, erläuterte das Gesundheitswesen in Amerika. "Es gibt keine gesetzliche Krankenversicherung. Allenfalls sind Beschäftigte über ihren Arbeitgeber versichert. Da die privaten Krankenversicherungskonzerne immer höhere Beiträge oder drastische Leistungseinschränkungen fordern, sind die Arbeitgeber nicht mehr bereit, ihre Beschäftigten zu versichern. Dadurch bleiben viele ohne ärztliche Versorgung. Viele siechen dahin und die Todesrate unter den Armen steigt rapide! Ganz schlimm sieht es für Erwerbslose aus, die buchstäblich verrecken können!"
"Solche Zustände drohen auch in Deutschland, wenn wir nicht die Politik des Verteilens von unten nach oben energisch bekämpfen", meinte ein Redner.
Alle Montagsdemonstranten waren sehr empört über die geplante Kopfpauschale und forderten eine Krankenversicherung zu Lasten der Unternehmer.
Am 20.3.2010 gingen in Essen über 5000 Menschen auf die Straße, um gegen die Finanzkrise und Hartz IV zu demonstrieren. Zu dieser Großdemo hatten zahlreiche Organisationen, wie z.B. Erwerbsloseninitiativen, Attac, einige Parteien, einige Gewerkschaften und viele Einzelpersonen aufgerufen. Entsprechend bunt war der Demonstrationzug. Bei der Auftaktkundgebung sprachen Vertreter von Jugendorganisationen, einer Erwerbslosengruppe, von Gewerkschaften und Parteien. Es gab jedoch auch Übergriffe der Polizei.
Eine Montagsdemonstrantin, die am Samstag in Essen war, berichtete: "Der Demozug geriet ins Stocken, als die Essener Polizei willkürlich einen Jugendlichen herausgriffen und abführten. Weitere Übergriffe gab es auch bei der Abschlusskundgebung, als die Polizei auf Demonstranten losging, die eine kleine Gruppe von Provokatueren, wahrscheinlich Nazis, zurückdrängen wollten." - "Selbst die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Sevim Dagdelen, wurde von einer Polizistin beleidigt und an der Hand verletzt. Frau Dagdelen erstattete vor Ort Anzeige, die schuldige Polizistin konnte angeblich nicht ermittelt werden", sagte ein anderer Teilnehmer der Demo in Essen.
Diese Provokationen haben System und können vom Verfassungsschutz ausgehen. Insbesondere, wenn es um die Abwehr von Nazis geht. Anstatt endlich alle rechtsradikalen Parteien und Organisationen zu verbieten, bekämpft unser Staat zunehmend die Antifaschisten.
Mit lautstarken Parolen und Liedern ging es anschließend durch die Kotumstraße bis zur Abschlusskundgebung an der Drehscheibe.
Ein Augenzeuge, der als Ordner bei der Demo in Essen war, schilderte das Vorgehen der Polizei: "Sie griffen einfach drei Personen heraus, obwohl sie überhaupt nichts taten".
Die Bochumer Montagsdemo beschloss einstimmig, eine Solidaritätserklärung für die Opfer der brutalen Polizeiübergriffe an die Organisatoren der Demo in Essen als auch an Frau Dagdelen zu schicken. Kurz vor der Abschlusshyme kam noch eine Unterstützung einer Passantin für die Montagsdemo: "Ich bin nicht in Hartz IV, habe ich finde die Montagsdemo richtig".
Um Energie zu sparen, fordern einige CDU-Politiker, die Spritpreise zu erhöhen. "Wenn wir einen ausreichenden öffentlichen Personenverkehr hätten, brauchten wir kein Auto", meinte ein Redner. Die Montagsdemo befasst sich daher am kommenden Montag mit der Frage. Welches Verkehrssystem wollen wir?
Dortmund
Wie auf der 8. Bundesweiten Delegiertenkonferenz der Montagsdemos in Kassel vereinbart, wurde das Thema der griechischen Volksbewegung gegen die politischen Sanktionen der Regierung in allen Städten der Montagsdemos aufgenommen. Die Dortmunder Montagsdemo nahm am 22.03.2010 den Widerstand der griechischen Bevölkerung gegen das volksfeindliche Krisenprogramm der Regierung zum Schwerpunkt der Montagsdemo.
Mit Flugblättern, griechischen Fahnen und Rahmenprogramm wurden 60 bis 80 Teilnehmer der Montagsdemo angesprochen. Das führte zu Auseinandersetzungen und Diskussionen am offenen Mikrofon mit vielen Teilnehmern, auch um die Montagsdemo herum blieben viele Menschen stehen und hörten zu.
Sie waren alle sehr angetan von der Solidarität der Montagsdemo gegenüber dem griechischen Volk . Gerade auch das aggressive Vorgehen der griechischen Polizei gegenüber den Demonstranten, die aus allen Schichten der Bevölkerung und Berufsgruppen besteht, auch aus der Polizei selbst, wurde von den Montagsdemonstranten verurteilt. Diese Situation wie in Griechenland sind für uns auch Hinweise , dass wir uns auch zukünftig auf solche Situationen einstellen müssen.
Kämpfe gegen Armut, die Agenda 2010, Lohndumping, Leiharbeit, Niedriglöhne und gegen die menschenunwürdigen Hartz IV Gesetzte, Ausbeutung und gegen die Umverteilungsprogramme von unten nach Oben , dafür gehen wir jeden Montag auf die Straße.
Dieser massenwirksame Protest wird sich verstärken im Zusammenhang mit den menschenfeindlichen Umverteilungsprogrammen in unserem Land, in Europa und weltweit.
Die Solidaritätserklärung der 8. Bundesweiten Delegiertenkonferenz der bundesweiten Montagsdemos Bewegung wurde vorgelesen und einstimmig von den Teilnehmern verabschiedet und wir werden damit unsere Solidarität der griechischen Volksbewegung zukommen lassen.
Esslingen
Die 258. Kundgebung versammelte etwa fünfundzwanzig Teilnehmer.
Die heutige Kundgebung hatte eine lebhafte Diskussion. Ausgehend vom Aufreger des Wochenendes, dem Hirtenbrief des Papstes, wurde dargelegt, dass schon in der Ministerriege des Bundeskabinetts die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ zur Farce verkommt. Das will uns Montagsdemonstranten Ansporn sein, weiterhin die unsoziale Gesetzgebung zu bekämpfen.
Der Vorstoß des Bundespräsidenten, die Spritpreise zu erhöhen, wurde als weitere Maßnahme der Umverteilung von unten nach oben entlarvt und verurteilt. Werden doch seit Jahren die öffentlichen Verkehrsverbindungen immer schlechter, so dass die Arbeiter und Angestellten auf ihre eigenen vier Räder angewiesen sind.
Die Streiks der Klinikärzte wurden von uns begrüßt. Sie stehen in wohltuendem Kontrast zu den im Metallbereich geführten Tarifgesprächen. Mehrere Gesichtspunkte der Kundgebung „Nicht auf unserem Rücken“ in Stuttgart wurden von Teilnehmern berichtet. So schrieben die Arbeitslosen, dass sie sich nicht als Druckmittel gegen die Arbeitenden missbrauchen lassen wollen. Es ging um Arbeitsplätze für die Jugend und Löhne, von denen man auch leben kann. Nicht zuletzt wurde aufgezeigt, dass man mit den Hartz-IV-Bezügen noch nicht mal in der Lage ist, seine physische Arbeitskraft zu erhalten, denn selbst zu Discounterpreisen kann man keine vollwertige Ernährung mehr zusammenstellen, von anderen Lebensnotwendigkeiten abgesehen. Im Zusammenhang auch mit den kommunalen Finanzen ging es auch um das Milliardengrab „Stuttgart 21“. Schließlich werden auch die Gemeinden im Umland über den Regionalverband Stuttgart zur Kasse gebeten. In Stuttgart selbst wurden z. B. in der Werastraße Warnschilder aufgestellt, da kein Geld zum Flicken der Schlaglöcher da ist: Das wird mit Stuttgart 21 verbuddelt. Esslingen wird da noch ganz anders gebeutelt werden: Ein Teilnehmer fand im Kleingedruckten der Eßlinger Zeitung, dass im vergangenen Jahr die Arbeitslosenzahl hier um 34 Prozent gestiegen ist (!) (Man denke an die Steuereinnahmen).
Auch ohne die Aufreger Gesundheits-Kopfpauschale und Hirtenbrief war eine lebendige und vorwärtsgerichtete Diskussion zu einem breiten Themenkreis zustande gekommen.
Früher konstatierte ich, dass jede Woche mindestens eine „neue Sau durch’s Dorf getrieben wird“. Die Themen gehen uns Montagsdemonstranten nicht aus, im Gegenteil. Selbst habe ich dabei gemerkt, dass es gar nicht nötig ist, jeder „Sau“ nachzujagen. Der heutige Tag hat es wieder gezeigt. Die Teilnehmer sagen schon am Mikrofon, was sie am stärksten bewegt. Davon lebt unsere Bewegung, und nicht von den Manövern von Wirtschaft und Regierung.
Görlitz
Am Mo, den 22.3.2010 fand unsere 273. Görlitzer Montagsdemo "Die Originale!", mit am Ende 32 Demonstranten, unter dem Motto: "Sozialleistungen runter- Probleme rauf!" statt. Die steigenden Probleme sind nicht nur heute zu spüren, nein sie werden sich in Zukunft, wenn unsere Jugend und Kinder erwachsen sind, noch vermehren! Denn man kann keinen Menschen ohne Folgen als Kostenfaktor oder gar als überflüssig abstempeln, wie es mit Millionen Arbeitslosen tagtäglich gemacht wird!
Es traf sich auch das "Sozialbündnis des Landkreises Görlitz" und im Anschluss gab es eine Beratung, die 2. im Jahr 2010. Es besteht aus Teilnehmern aus Zittau von ZAK und aus Niesky von der Bürgerinitiative "Gegen Hartz IV und Sozialabbau" aus Niesky/Weißwasser, sowie der "Görlitzer Montagsdemo Die Originale!".
Die Görlitzer Montagsdemo "Die Originale!" ist eine Bürgerbewegung und dies bleiben wir auch! Wir sind Bürger in Bewegung für ein sozialeres Deutschland. Alle unsere Aktivitäten sind öffentlich und angemeldet. Uns verwunderte schon eine Polizeianfrage, gestern, obwohl wir jeden Mo, seit 16.08.2004, auf Görlitzer Straßen sind!
Nächsten Mo, den 29.3.2010 lautet unser Motto: "Gerechtigkeit für Arbeitslose!" Wir hoffen wir sehen Dich, weil Du noch lebst und Dich wehrst! Dies haben wir und unsere Familien und Kinder verdient! Bei Dir gibt es bestimmt eine Montagsdemo! Schau doch mal nach!
Hamburg
Wie immer trafen wir uns von der Montagsdemo in Hamburg um 18:15 Uhr vor Saturn, um gemeinsam gegen Hartz IV, Sozialabbau, Billiglöhne und gegen Faschismus zu demonstrieren. Unser Thema lautete: „Eiseskälte der Gesellschaft und Frühlingsgefühle auf der Montagsdemo“. An dieser Demo nahmen ca. 60 Teilnehmer teil.
Es wurde am offenen Mikrofon über die ungerechte Umverteilung von Geldern diskutiert. Den Arbeitnehmern wird immer mehr Geld genommen, was den Unternehmen in den Rachen geschmissen wird. Z.B. wird die Elbphilharmonie doppelt so teuer wie geplant – was für die Unternehmen einen riesen Gewinn bedeutet. Dabei kam eine Junge Frau, deutete auf unser Transparent mit „Weg mit Hartz IV!“ und fragte offen: „Wie? Bedeutet das etwa, dass Arbeitslose statt Hartz IV gar kein Geld mehr bekommen sollen?“ Es fand eine Diskussion statt, bei der wir unsere Forderungen nach mehr Arbeitslosengeld, unbefristete Fortzahlung des Arbeitslosengeldes, einen Mindestlohn von 10 € bei 30 Stundenwoche, klar stellten. Eine langjährige Demonstrantin sagte dazu: „Man darf sich nicht an Hartz VI gewöhnen. Wir wollen kein Leben, mit dem wir gerade nicht verhungern.“
Viele neue Demonstranten nahmen an dieser lebendigen Diskussion teil. Einem Demonstranten (ein Staplerfahrer) gingen viele Fragen durch den Kopf. Z.B. äußerte er, dass er auf der einen Seite für Ausländer und auf der anderen Seite gegen Ausländer sei. Alle neuen Demonstranten nahmen unsere neuen Flyer dankbar entgegen und beteuerten bei der nächsten Montagsdemo wieder mit dabei zu sein. Somit entstand ein Frühlingsgefühl auf der Montagsdemo. Wir schauen lebendigen Zeiten entgegen. Die Koordinierungsgruppe der Montagsdemo Hamburg schlägt für die nächste Montagsdemo (29.03.10) das Thema: „Militarisierung und Aufruf zum Ostermarsch“ vor.
Recklinghausen
Die Teilnehmer diskutierten folgende Themen am offenen Mikrophon:
Die kommunalen Haushalte bieten zur Zeit ein Bild des Jammers: Im Kreis Recklinghausen stehen alle 10 Städte sowie der Kreis unter Aufsicht der Bezirksregierung, in einigen Städten muss vor jeder noch so kleinen Anschaffung die Aufsichtsbehörde gefragt werden. Das hat -- wie man sich vorstellen kann -- direkte Auswirkungen auf die Bewohner der Städte, weil viele Leistungen, auf die sich der Bürger verlässt, von den Städten finanziert werden, beispielsweise die Kindertagesstätten, Schwimmbäder, Büchereien usw. Bei den kommunalen Abgaben ist für den Bürger schon die Grenze des erträglichen erreicht. Nun kommen die Kommunalpolitiker auf die absurdesten Ideen, mit denen sie die Haushalte keinesfalls sanieren, denn der Umfang der Verschuldung ist mittlerweile so hoch, dass mit den Zinszahlungen schon Dimensionen erreicht werden, die jede Vorstellungskraft sprengen. Da sollen die Bürger Vorschläge für Einsparungen machen, externe Büros werden mit Konzepten beauftragt, die beim Sparen helfen sollen. All dies ist Ergebnis einer Politik, die sich nur am Maximalprofit der Unternehmen orientiert hat und diesem alles unterordnete. Unternehmen wurden so entlastet, dass die meisten keine Gewerbesteuer mehr zahlen müssen, was die größte Einnahmequelle der Kommunen abrasiert.
Welche Maßnahmen sind sinnvoll, um dieser Misere abzuhelfen? Da wäre zuerst einmal die Forderung nach einer sofortigen Einstellung aller Zinszahlungen an die Banken. Dieses Geld gehört uns allen und nicht denen, die die Krise mit ihren aberwitzigen Spekulationen zum Zwecke des Maximalprofites verursacht haben! Eine sofortige Einführung einer wirklichen Gewerbesteuer vor allem für die Monopole würde den Kommunen direkt helfen. Wir selber sollten gegen die ständigen Sparvorschlägen der Politiker protestieren und diesen Kampf gemeinsam führen. Die Städte gehören uns und nicht den Politikern!
Die nächste Montagsdemo findet am kommenden Montag, 29.03.2010 auf dem Altstadtmarkt in Recklinghausen statt. Unser Schwerpunktthema lautet dann: "Rettet die Umwelt vor der Profitgier!"
Saarbrücken
Heute waren wir knapp über 10 Leute bei der Montagsdemo, doch ungewöhnlich viele Passanten sind stehengeblieben und haben den Reden der Demonstranten zugehört. Einige haben sich auch selbst zu Wort gemeldet. Außerdem konnten wir heute einen neuen jungen Mitstreiter in unserer Mitte begrüßen, ein Gewinn ganz sicher. Noch vor kurzem haben wir darüber gesprochen, uns stärker an die Jugend zu wenden, um ihrer Problematik besser gerecht zu werden.
Letzte Woche hat uns eine E-Mail aus Athen erreicht, die uns alle sehr gefreut hat. Es war ein Dankesschreiben, dafür, das wir uns mit der griechischen Bevölkerung für ihren Kampf solidarisch erklärt haben. Die Schreiberin bemerkte noch, dass sie sehr erstaunt sei, das gerade im Saarland, das doch so stark unter der Arbeitslosigkeit leide, so wenig Leute Interesse für Demos haben. Das war uns aus der Seele gesprochen. Und wir bedanken uns noch einmal dafür. Auch wir hier könnten mehr erreichen, wenn das öffentliche Interesse größer wäre.
In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass das insolvente Unternehmen Halberg Guss durch einen Investor aus Brasilien bei einer Übernahme die Schließung des Standortes Saarbrücken plant. Davon wären etwa 1000 Mitarbeiter betroffen. Daraufhin hat die Belegschaft am 17.3. einen selbständigen Streik ausgerufen, man ist zu diesen Bedingungen nicht bereit, das Angebot zu akzeptieren. Trotz Insolvenz wurde gestreikt, man war nicht bereit abzuwarten. Die Landesregierung ist nun in Zugzwang, so wird schon über eine Auffanggesellschaft gesprochen. Ein Redner warf die Frage auf, wie die Regierung gehandelt hätte, wären die Mitarbeiter nicht in Streik getreten. Ein ehemaliger und langjähriger Halberg-Mitarbeiter, ein Mitstreiter unserer Truppe, sagte, dass ihn die Geschehnisse sehr bewegt hätten. Er kritisierte dabei auch den Kapitalismus selbst, der den Beschäftigten und deren Familien keine sichere Existenz biete. Er wünschte den Arbeitern bei Halberg Mut in ihrem Kampf. Die gesamte Montagsdemo hat geschlossen den Beschäftigten ihre Solidarität für ihren Streik bekundet.
Heute wurde den Ärzten in Krankenhäusern gedacht, die sich wegen ihrer schlechten Gehälter und ungenügenden Arbeitsbedingungen im Streik befinden. Warum werden diese nicht richtig bezahlt, viele gehen ins Ausland, doch wir brauchen gute Ärzte.
Ein Passant aus Bayern erzählte, er sei Werkstoffprüfer und suche schon seit 1,5 Jahren einen neuen Arbeitsplatz. Trotz zahlreichen Bewerbungen hat er noch immer keine Arbeit gefunden. Er habe sogar schon Praktikumstellen angenommen. Am Anfang wird einem Mut gemacht und am Ende wird man doch nicht übernommen. Man wird einfach nur ausgenutzt, das ist Ausbeutung. Ein anderer Redner erzählte von Praktika, die den Staat pro Stelle 3500 Euro kosten, wo am Ende auch nichts herauskommt. Er sagte noch, obwohl Zwangsarbeit verboten ist, muss er für 8,50 Euro am Tag arbeiten. Schließlich wird er noch genötigt, zu seinen Eltern zurück zu ziehen.
Das war noch längst nicht alles, was am heutigen Montag am offenen Mikrofon zur Sprache kam. Allerorten regt sich neuer Widerstand gegen die Politik, die sich nicht an den Bedürfnissen der Bürger orientiert. Man darf schon auf den nächsten Montag gespannt sein. Also am 29.3.2010 stehen wir wieder bereit zur Montagsdemo, um 18h an der ARGE geht's los.
Zwickau
Bei angenehmen Frühjahrstemperaturen nutzten Teilnehmer das offene Mikrophon, an dem jeder Demokrat und jeder, der mit der Regierung wegen der Agenda 2010 eine Rechnung offen hat, seine Erfahrungen und Anklagen vorbringen kann.
Mit dem zentralen Satz: “Wir wollen Arbeit, von der man leben kann”, unserer Grundforderung der Montagsdemo, begann der erste Redebeitrag. Er sehe es als den Erfolg unserer Aktivität seit fünf Jahren, dass sich zurzeit die meisten politischen Gesprächsrunden in den Medien sich mit der Frage, wie Arbeitsplätze geschaffen werden können und ob man damit sein Leben selbstbestimmt führen könne, auseinandersetzen. Er lobte, selbst der bayerische Ministerpräsident Seehofer teile in Worten unsere Einschätzung. Dagegen stehe, dass laut Europäischem Statistikamt (Eurostat), in 2009 4 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen sind, aufgrund der Weltwirtschaftskrise. Dabei stünden Monopole wie Siemens an der Spitze. Dieses Monopol wolle in Deutschland in diesem Jahr nochmals 4200 Arbeitsplätze vernichten. In unserer Region, Südwestsachsen, sind im Jahr 2010 10.000 Arbeitsplätze bedroht oder sollen vernichtet werden. Einen weiteren Kern der Angriffe sehe er in den befristeten Arbeitsverträgen und der Zeitarbeit, die selbst bei 7,50-€-Stundenlohn, für den Erhalt einer Familie nicht ausreichten. Wie solle man da verstehen, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Jahr 2009 186 Millionen € an privatwirtschaftlich organisierte Jobagenturen ausgezahlt habe. Diese Jobagenturen betreuen inzwischen 273.000 Erwerbslose. Ist das nicht eigentlich Aufgabe der Bundesagentur? Eines ist dabei überdeutlich: Wer zu einem privaten Vermittler geschickt wird, der verschwindet aus der Statistik. Krass im Gegensatz zu solchen Methoden, steht die Einschätzung des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit, dass eine Vollbeschäftigung in Deutschland weiterhin möglich sei. Dazu müssten allerdings eine Reihe von wirklichen Reformen, so die Abschaffung der Leiharbeit beziehungsweise deren radikale Verkürzung erfolgen. Es müsse ein gewisses neues sozialstaatliches Denken entstehen. Der Beitrag schloss mit der Forderung: “Wir wollen keine Almosen, sondern Arbeit von der wir leben können!”
Die weiteren Beiträge bezogen sich auf die Veränderungen bei den Bestimmungen zu den angemessenen Unterkunftskosten, den Wohnraumnutzungsbestimmungen. Nachdem auch von den Kommunen in NRW ein flexibleres System angedacht war, dass Wohnraum zwischen 45 und 50 m² für Alleinstehende erlaubt hätte, rudern nun in NRW die Kommunen wieder zurück, weil das ihnen zu teuer werde. Dies wird in Teilen der Montagsdemo-Bewegung für rechtswidrig gehalten, weil solch ein Verfahren eindeutig gegen die gefestigte Rechtsprechung verstößt. Also muss man sich dagegen wehren! In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass es Pläne von der schwarz-gelben Regierung gibt, den Zugang zur juristischen Vertretung zu erschweren. Geplant sei, zu einer Verschärfung bei der Bewilligung der Prozesskostenhilfe zu kommen. Hier ist höchste Wachsamkeit geboten!
Am Schluss stand eine Solidaritätsadresse an die Menschen in Griechenland, die sich berechtigt dagegen wehren, dass sie ihr Leben völlig unter die Bewältigung der von Staat und Monopolen zu verantwortenden Finanzkrise stellen sollen. Erinnern wir uns an die Aussagen des ehemaligen Berliner Finanzsenators und heutigen Bundesbankvorstandes Tilo Sarrazin (SPD). Er empfahl uns Hartz-IV-Betroffenen, sozusagen im Vorgriff auf griechische Verhältnisse: “Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher sei noch nie weit gekommen im Leben.” Wir stehen voll hinter den Protesten der griechischen Bevölkerung, wenn sie fordern, die Krisenlasten sollen die Verursacher tragen und nicht die kleinen Leute.
Der Schlusschor mit den Rufparolen der Montagsdemo beschloss die 271. Kundgebung.
