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Gesammelte Berichte zum 25./26.04.2011

rf-news dokumentiert hier alle Berichte dieser Woche in alphabetischer Reihenfolge der Orte. Den KorrespondentInnen vielen Dank.

Bochum
Die Bochumer Montagsdemo gedachte der Opfer der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren und fand deshalb am Dienstag statt. Da der Verfasser der Montagsdemoberichte auf dieser Website aus beruflichen Gründen nicht anwesend sein konnte, gibt es dieses Mal nur eine Kurzfassung über den Demoablauf.

Am 25.4.2011 sind es genau 25 Jahre her, als sich der größte Atomunfall in der Geschichte der Kernkraft ereignete. Durch ein unsinniges Experminent der Techniker des AKW`S Tschernobil explodierte der Reaktor 4 und riss den ganzen Schutzmantel der Reaktoreinheit weg. Dadurch wurde eine nicht abschätzbare Radioaktivität freigesetzt. Viele Menschen in der Nähe des Kernkraftwerkes starben sofort, Millionen waren sowohl in der damaligen Sowjetunion und sogar in Europa von der radioaktiven Strahlung betroffen.

Viele Redebeiträge gab es zu diesem Thema. Eine Rednerin berichtete über die Stiftung Bochum - Donjep "Ein Projekt der Gesellschaft für Freundschaft mit Donjep" ist der Betrieb eines Kinderkrankenhauses. Dort werden die Kinder, die an den Spätfolgen des Atomunfalls von Tschernobyl leiden (Leukämie usw) behandelt, denn auch nach einem Vierteljahrhundert ist die Gefahr atomarer Strahlung nicht gebannt. Nach wie vor erkranken immer noch viele an den Folgen der Strahlung".

Auch äußerten sich mehrere zu der jetzigen Katastrophe im AKW Fukushima. "Die japanische Regierung versucht immer noch, die Gefahren aus dem Atomunfall herunterzuspielen, obwohl inzwischen die höchste Warnstufe (Warnstufe 7) gilt. Zwar soll die Sperrzone auf dem Pazifik auf 120 km von der Küste Japans erweitert werden, davon weiß die Meeresflora- und fauna jedoch nichts", meinte ein Redner. "Strahlenbelastete Fische findet man auch außerhalb der Sperrzone".

Viele Demonstranten verurteilten die Bundesregierung, weil sie beim Ausstieg aus der Kernkraft auf Zeit spielt. Anstatt eine sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke in Deutschland zu beschließen, wird die Kernkraft noch als "Brückentechnologie" bis zu der Entwicklung und dem Einsatz von erneuerbaren Energien angesehen. Auch ist es ein Märchen, der Atomstrom sei billig." Die Strompreise sind z.Zt. günstig, weil die Atomkonzerne vom Staat gefördert werden", lautete eine Wortmeldung.

Weiterhin wurde über die Großdemonstration in Gronau am Montag berichtet. Zahlreiche Protestler forderten die sofortige Stillegung der Urananreicherungsanlage in Gronau.

Die nächste Montagsdemo findet wieder am Montag, 2.5.2011, statt. Die Auftaktkundgebung ist erneut auf dem Kurt-Schumacher-Platz im Bereich der Einmündung Huestr um 18.00 Uhr. Durch die Ereignisse in Fukushima ist die Hartz IV - Problematik in den Hintergrund getreten. Deshalb lautet das Schwerpunktthema am kommenden Montag: Zivildienst bald auch für Hartz IV - Empfänger?

Braunschweig
Ca. 10-15 ständige und insgesamt mindestens 50 wechselnde zuhörende Passanten in Grüppchen auf der heutigen Widerstandsaktion in Braunschweig. Dazu hatte die Braunschweiger Montagsdemo anläßlich des weltweiten Widerstandstages kurzfrtistig aufgerufen. Unterstützt wurde die Aktion von der Schacht-Konrad AG, dem Frauenverband Courage und der MLPD. Das ist anläßlich der kurzfristigen Mobilisierung von zwei Tagen ein guter Erfolg und bei rechtzeitiger Mobilisierung hätten sicher noch viel meht Leute teilgenommen. Auch das offene Mikrofon wurde erfolgreich eingesetzt und auch ein paar Jugendliche die Anfangs mit faschistoiden und antikommunistischen Sprüchen provozierten, konnten später in die sachliche Diskussion einbezogen werden. Alle ständigen Teilnehmer waren am Schluß einig, dass die Aktion ein Erfolg war und bedauerten, daß die Aktion so kurzfristig angepackt wurde.

Noch eine wichtige Randbemerkung: Während die Stadt sonst immer die Benutzung elektroakustischer Schallverstärker bei unter 51 Teilnehmern strikt untersagt, bat sie diesmal darum bei deutlich unter 100 Teilnehmern, mit Rücksicht auf nicht an der Veranstaltung interessierte Personen, auf den Einsatz von Schallverstärkungsmitteln zu verzichten. Mit Rücksicht auf die Gesundheit von Millarden Menschen konnten die Veranstalter dieser Bitte leider nicht stattgeben.

Bruchsal
In Bruchsal führte die MLPD einen Infostand durch zum Thema: 25 Jahre Tschernobyl. Wir hatten eine ganze Reihe spannender Gespräche. Immer wieder die Frage: "Was kann man tun, die Politiker tun nichts. Es wird gemacht, was die Energiekonzerne sagen." Da in Philippsburg und Karlsruhe viele Aktionen laufen gegen Kernkraftwerke, war dies eine wichtige Information. Aber wichtig ist auch, selbst aktiv zu werden, sich mit anderen zusammen zu schließen oder sich zu organisieren. Auffallend war, dass viele Jugendliche nur wenig Wissen über Kernkraftwerke haben. Da war die neue Broschüre sehr hilfreich.

Essen
Die Essener Montagsdemonstration hatte die Initiative für eine Protestkundgebung und Demonstration aufgrund des Aufrufes der ICOR für den weltweiten Aktionstag für die sofortige Stilllegung aller AKWs ergriffen. Ein zu Beginn der Kundgebung erklingendes neues Lied anlässlich der Atomkatastrophe in Fukushima zog Passanten an. Ein Schwerpunkt in verschiedenen Beiträgen war die Aufklärung über die Folgen der Atomkatastrophe in Tschernobyl vor 25 Jahren, die allein bei den damaligen Aufräumarbeitern und in der unmittelbaren Umgebung schon über 100.000 Menschen das Leben kostete und heute auch nachweislich in Deutschland zu tausenden Krebserkrankungen, vor allem auch bei  Kindern führt. Eine Montagsdemonstrantin, die in der Forschung am Uniklinikum arbeitete, berichtete, dass auch bei ihr Radioaktivität festgestellt worden war. Ein junge Frau des Frauenverbandes Courage - damals 7 Jahre alt - bedankte sich ausdrücklich für die notwendige Aufklärung und vor allem den organisierten aktiven Widerstand zur sofortigen Stilllegung aller AKWs auf Kosten der Betreiber. Diese und eine Energiepolitik, die aus Profitgier buchstäblich über Leichen geht, unterstützt von den jeweiligen Regierungen, wurden ins Visier genommen. Auch mit der Demonstration zum RWE. „RWE-Chef Grossmann muss weg!“ war eine Forderung auf der Demonstration angesichts seiner menschenverachtenden Äußerung, er bleibe bei der Atomenergie und müsse an die Aktionäre denken. Der lebendigen und kämpferischen Demonstration mit Trommeln, Parolen, Liedern und Offenem Mikrofon schlossen sich immer wieder Menschen an, darunter auch Aktivisten von ausgestrahlt.de.

Mehrere Arbeiter und Gewerkschafter aus Betrieben wiesen nach, dass es heute schon möglich ist, zu 100% auf  erneuerbare Energien umzustellen und dass die Arbeiter eine besondere Verantwortung für die Durchsetzung der Forderung zur Stilllegung der AKWs und für eine wirkliche Wende in der Energie- und Umweltpolitik haben. „Um richtig politischen Druck zu machen, sind Streiks aus den Betrieben nötig. Dazu brauchen wir ein allseitiges, vollständiges, politisches Streikrecht,“ forderte ein Metallarbeiter. Ein Kollege von Evonik betonte die Notwendigkeit einer wirklichen Kreislaufwirtschaft und dass diese nur im Kampf gegen die internationalen Energiemonopole durchzusetzen sei. Auch über die Perspektive einer Gesellschaft, die durch ihre Produktionsweise die Einheit von Mensch und Natur wieder herstellt statt die Lebensgrundlagen der Menschheit zu zerstören, wurde diskutiert. Ein Sprecher der MLPD forderte auf, sich über die Perspektive einer sozialistischen Gesellschaft auseinanderzusetzen, in der die Bedürfnisse und nicht der Profit im Mittelpunkt stehen. Der Weg dahin erfordere auch einen internationalen Prozess der Koordinierung und Revolutionierung der Kämpfe der Arbeiter- und der Volksbewegung. Wir erleben bei den Aufständen im Mittelmeerraum mit welcher Härte die Herrschenden dem begegnen.

Dass Ausdauer und Härte auch im Kampf für das gemeinsame Ziel der sofortigen Stilllegung aller AKWs erforderlich sind, zeigte sich auch am skandalösen Vorgehen der Polizei während der Demonstration. Dem Anmelder der Demonstration - gleichzeitig Moderator der Essener Montagsdemonstration, Roland Meister, wurde von begleitenden Polizisten eine Strafanzeige angekündigt, weil – bei angemeldeter Demonstrationsroute – natürlich die Demonstration auf der Strasse – und nicht dem Bürgersteig – stattfand. Alle Teilnehmer der Aktion bekundeten Roland ihre uneingeschränkte Solidarität. „Auf, ihr Völker –in jedem Land, nehmt den Verbrechern die Welt aus der Hand!“ sangen bei der Abschlusskundgebung alle mit.

Esslingen
Am heutigen Dienstag versammelten sich gut 40 interessierte Teilnehmer zur 305. Montagsdemo in Esslingen. Die heutige Kundgebung war allein dem 25. Jahrestag der atomaren Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl gewidmet.

Im Einleitungsbeitrag wie in der anschließenden Diskussion wurden sowohl die Entwicklung als auch die Folgen dieser Katastrophe dargestellt und Schlussfolgerungen gezogen. Es ging nicht nur um die Menschen, die vom Unglück unmittelbar betroffen waren und sind und durcxh die empfangene Strahlendosis starben oder unheilbar erkrankten. Es ging um die Kinder und Jugendlichen, die mit strahlenbedingten Entwicklungsschäden und –störungen leben müssen, es ging um die Generationen, die noch tausende von Jahren die bereits bestehenden Anlagen und Abfälle verwahren müssen.

Gegenüber diesen Zeiträumen erscheint die gesamte Periode, in der es geschriebene Menschheitsgeschichte gibt, also etwa seit den Sumerern, nur als eine kurze Episode. In Anbetracht dieser Hinterlassenschaften aus nur einer Menschheitsgeneration erscheint jeder Versuch, diese Technologie weiterzuführen und gar Rechte auf den weiteren Betrieb solcher Anlagen nur im Interesse der Profite für einige wenige Energiemonopole einzuklagen als zynisch gegenüber den Opfern der Katastrophen wie in Tschernobyl oder Fukushima und als Verbrechen gegenüber unseren Nachfahren.

Es ist ein zutiefst undemokratisches Verhalten, das das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise, das verbrecherische Wesen der Erzeugung von Profit in seltener Deutlichkeit zeigt. Darum wurde immer wieder gefordert: Nehmt ihnen die Welt aus der Hand, sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit auf Kosten der Betreiber, die bisher schmutzige Milliarden aus diesem Geschäft einsteckten. Auch die teilnehmenden Rotfüchse sagten, dass sie mit anderen Kindern gemeinsam für eine bessere Welt ohne Atomstrom sind.

Der internationale Kampf für eine solche Welt ohne Atomstrom, dafür mit erneuerbaren Energien und der Aufruf, diesen Tag international zu begehen und so ein Zeichen zu setzen, wurde in verschiedenen Beiträgen gut dargestellt.

Eingerahmt wurde die Kundgebung von Liedern, die den Wunsch der Menschen nach einem besseren Leben und den gemeinsamen Kampf dafür in den Mittelpunkt rückten. Mit diesen Liedern und Sprechchören zogen wir durch die Bahnhofstraße zum Bahnhof zu einer kurzen Kundgebung, bevor die Versammlung am Schelztor aufgelöst wurde.

Frankfurt/M.
An allen Zielbetrieben wurde der 1. Mai- Aufruf verteilt, an Interessierte auch die Broschüre. Bei OPEL in Rüsselsheim war es nach einer Woche Produktions-Stillstand der erste Arbeitstag. Im Betrieb gab es sehr lebendige Diskussionen über die Stillegung der AKW's. Breite Zustimmung gab es dafür, weltweit für die Stillegung zu sorgen. Einige Koll., VL und BR waren dem Aufruf der VKL zur Demo nach Biblis gefolgt. Aber für eine  Aktion im oder am Betrieb reichte die erzielte Einheit heute noch nicht aus.

Die Kundgebung in FFM an der Hauptwache von 17.00 - 18.30 Uhr hatte einige Dutzend feste Teilnehmerinnen und Teilnehmer  und etliche Zuhörer und auch junge Redner am offenen Mikrofon. Das Wetter war kühler als gestern und feucht. Mit Fahnen und Sandwiches und TeilnehmerInnen vertreten waren COURAGE-FFM, REBELL, MLPD. Aber viele andere Kräfte, die gestern aktiv waren, fehlten leider. Um 18.00 Uhr fanden mehrere Mahngottesdienste in Frankfurt statt.

Leipzig
Mehrere Hundert (ca. 400) demonstrierten vom Augustusplatz um den Ring. Es war ein breites Bündnis von aktiven Kräften der Basis, Studenten, Schüler, Familien mit Kinder, Wissenschaftler, Angestellte, Arbeiter, sowie die Pfarrer der Thomaskirche und der ehem. Pfarrer Führer, Montagsdmostranten ... Fahnen von Organisationen wie den Jusos, Grüne, Linke, MLPD, IGM.

Haupttenor war die sofortige Abschaltung aller AKWs, sowie auch der notwendige weltweite Widerstand. In mehren Redebeiträgen wurde die Profitgier angeprangert, die Rolle der Konzerne wie Siemens aufgezeigt und dass sich der Kampf dagegen richten muss. Auch das berechtigte Mißtrauen gegen die herrschende Politik, die nichts aus Tschernobyl gelernt habt.

Eindrücklich wurden die Erfahrungen mit Tschernobyl aufgezeigt und dass eine Energieversorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist. Große Einmütigkeit in den Redebeiträgen war, dass die Konzerne jeden Tag Millionen verdienen wenn die AKS weiterlaufen und der Betrug aufgezeigt, dass eine Abschaltung zur Verteuerung führe. Solidarische Diskussionen gab es, ob das Problem der Mensch an sich ist oder eine andere Gesellschaftsordnung wie der echte Sozialismus möglich ist. Dass es nicht mit der Enteignung der Konzerne getan ist ...

Es wurde für die sachsenweite Demo am 28.5. in Dresden aufgerufen. Die Montagsdemo wird weiter jeden Montag das zu ihrem Thema machen und jeder kann sich am offenen Mikrofon beteiligen. Auch in den Gewerkschaften muss das noch mehr zum Thema werden. Es gab ein gutes Kulturprogramm mit einer Band aus Halle, eine Trommlergruppe, ebenfalls wurde für Verpflegung gesorgt. Sowie zum Abschluss noch der Film "Die Wolke" gezeigt.

Lübeck
Wir haben auch in Lübeck einen Infotisch zum Widerstandstag 26.4. gemacht. MLPDLerinnen und Montagsdemonstranten waren beteiligt. Wir haben in einer Stunde 17 Broschüren zum internationalen Widerstand für die Stilllegung aller Atomkraftwerken weitergegeben und dafür 9,73 € Spenden erhalten. Die Menschen waren aufgeschlossen, einige mit uns einer Meinung, dass sofort und weltweit Schluss sein muss mit den Atomkraftwerken, einzelne waren reserviert, weil wir Marxisten/Leninisten sind.

Lüdenscheid
Anläßlich des 25. Jahrestags der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl fuhren am heutigen Montag knapp 40 Atomkraftgegner aus Lüdenscheid zur Großdemonstration nach Gronau. Bei bestem Wetter demonstrierten die Lüdenscheider gemeinsam mit 10.000 aus ganz NRW vom Gronauer Bahnhof zu Deutschlands einziger Urananreicherungsanlage. Zeitgleich fanden an elf weiteren Atomstandorten im gesamten Bundesgebiet Demonstrationen, Kundgebungen und Kraftwerksumzingelungen mit insgesamt über 120.000 Teilnehmern statt. Damit kann dieser erste Aktionstag, trotz der Urlaubszeit, als voller Erfolg gewertet werden.

Das Bündnis "Lüdenscheid gegen Atomkraft" ruft für den kommenden Montag, 02. Mai, erneut zur Montagskundgebung auf dem Sternplatz auf. Beginn ist wie gewohnt um 18.00 Uhr. Alle Interessenten sind außerdem herzlich eingeladen, den Informationsstand des Bündnisses bei der DGB-Kundgebung am 1. Mai auf dem Rathausplatz zu besuchen.

Recklinghausen
Am Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl gedachten die Teilnehmer der Opfer der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima nicht ohne dabei deutlich zu machen, dass nicht der „Atomausstieg“ das Gebot der Stunde ist, sondern dass es vielmehr darauf ankommt, alle Kernkraftwerke sofort auf Kosten der Betreiber abzuschalten.

Wir brauchen uns mittlerweile nicht mehr mit den sogenannten Argumenten der Atomlobby und der Betreiber zu befassen, wenn es ihnen darum geht, mit allen Kräften diese Technologie zu verteidigen. Sie sind schlicht und ergreifend durchsetzt mit Halbwahrheiten und Lügen und – was die Sache viel schlimmer macht – mit einer Skrupellosigkeit, die vielen den Atem stocken lässt. Da werden in vollem Bewusstsein Millionen von Menschenleben aufs Spiel gesetzt, um den eigenen Profit zu sichern, man geht dafür sprichwörtlich über Leichen.

Wenn der sogenannte Experte der UNO – Hans Blix – behauptet, die Menschheit könne ohne Probleme regelmäßige Super-GAU’s verkraften, dann spricht aus so einer Aussage eine verbrecherische Gesinnung, die ihresgleichen sucht. Aber so ist es eben mit dem Kapitalismus: Die Gewinne müssen fließen – koste es was es wolle. Haftung bei Schäden? Fehlanzeige! Ganze Landstriche in der Ukraine und Japan sind für tausende von Jahren unbewohnbar. In Japan werden die entwurzelten Menschen, die alles verloren haben, mit jämmerlichen 8.000 Euro abgespeist. Geradezu lächerlich ist die Haftungsquote von 0.0005 %, die sich die deutschen Betreiber der Kernkraftwerke in die Genehmigungen für den Betrieb haben schreiben lassen – so ist es eben, wenn Monopole die Politik diktieren: Die Gewinne streichen sich die Monopole ein, die Schäden werden sozialisiert! Nehmen wir diesen Umweltverbrechern das Heft des Handels aus der Hand!

Rostock
Die Rostocker Montagskundgebung, MLPD und REBELL organisierten eine anziehende Kundgebung zum Tschernobyl-Tag. Zahlreiche Wort- und kämpferische Musikbeiträge von Nümmes zogen das Interesse von ca. 100 Interessierten auf sich.

Waren sich die meisten Kundgebungsteilnehmer einig darin, dass die AKWs sofort und auf Kosten der Betreiber abgeschaltet werden müssen, waren manche Passanten doch skeptisch, ob das geht. Die Kundgebungsredner griffen die bürgerliche Meinungsmache an: die Verharmlosung von Tschernobyl und Fukushima, das schmutzige Spiel der Energiekonzerne und Siemens als Profiteur beim Bau der AKWs, die Umweltkrise als Bestandteil der Krise des imperialistischen Systems und zu den Erfolgen der sozialistischen Umweltpolitik im China Mao Tsetungs. Viele Jugendliche zeigten sich interessiert am Kampf gegen die Umweltzerstörung und zwölf von ihnen trugen sich in die Liste der rebellischen Widerstandsgruppe gegen Atomtod und Klimakatastrophe ein.

Saarbrücken
Die heutige Montags- bzw. Dienstagsdemo stand unter dem Schwerpunkt „Atomkraft“ anlässlich des 25. Jahrestages der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26.April 1986. Nach einer sehr interessanten Einleitung über die Ereignisse bzw. die Informationspolitik damals wurde still der damaligen (und auch heutigen) Opfer von derartigen Nuklearunfällen gedacht, besonders auch in Anbetracht der Vorkommnisse in Fukushima vor 6 Wochen.

Die Katastrophe von Japan führt uns allen wieder einmal vor Augen, wie unbeherrschbar diese Technologie ist. Kritisiert wurde vor allem das Herunterspielen der Gefahr von offizieller Seite, auch und gerade hier in Deutschland. Weiterhin wurde klargestellt, dass ein Ausstieg aus Atomstrom keineswegs teurer wird, sondern es einzig und allein darum geht, dass die Energiekonzerne ihre aberwitzigen Gewinne nicht mehr halten könnten (Zum Vergleich: Selbst Josef Ackermann nennt 25% Gewinn schon sehr viel, die Energiekonzernehaben regelmäßig 40% und mehr.) Auch die Lüge der Atomkonzerne,dass die Menschen zwar vom Ausstieg aus der Atomkraft reden, gleichzeitig aber die nötige Infrastruktur mittels Bürgerinitiativen blockieren und man deswegen beim Atomstrom bleiben müsse, damit die Lichter nicht ausgehen, wurde mit einem allgemeinen „Frechheit“ der etwa 25 Teilnehmer kommentiert.

Nach kurzem Gedenken stellten einige Teilnehmer ihre ganz persönliche Erinnerung an die Zeit um die Katastrophe von Tschernobyl dar. Einige erzählten, dass sie an diesem Tag ihre kleinen Kinder draußen spielen ließen, damit diese den schönen Tag genießen konnten. Und dass die Eltern erst Tage später erfuhren, dass da eine radioaktive Wolke über Deutschland hergezogen ist. Allgemein wurde die Informationspolitik damals kritisiert, weil man mehrere Tage nichts gewusst hat, und man erst Informationen über die Geschehnisse bekam, als es eigentlich für Vorsichtsmaßnahmen schon zu spät war. Und noch einmal kam auch Kritik an der Informationspolitik, Fukushima betreffend, auf.

Dann wurde die Frage betrachtet: „Was hat eigentlich der Kampf gegen Atomkraft mit dem gegen Hartz IV zu tun?“
Und die vielen Beiträge sahen sehr wohl Gemeinsamkeiten, entgegen einiger Behauptungen, die bisweilen (auch von Organisatoren der Montagsspaziergänge gegen Atomkraft) in den Raum gestellt werden. Besonders hervorzuheben ist hier wohl die Parallele, dass sich einige wenige auf Kosten vieler bereichern, die einen, indem sie gefährlichen Atomstrom produzieren, den sie nur um höherer Gewinne willen herstellen, während alle anderen die immer höheren Energiepreise zahlen und im „worst case“ den grausamen Strahlentod sterben oder ganze Landstriche auf Zehntausende Jahre verseucht und damit unbewohnbar sind. Die Schäden sollen dann nicht etwa die Konzerne beseitigen, nein, DAS ist dann Sache der Allgemeinheit. die anderen, indem sie Menschen dazu zwingen können(und das, dank der Hartz-Gesetze, ganz legal), zu Niedrigstlöhnen zu arbeiten, von denen die Menschen nicht leben können. So lassen sich diese Unternehmer vom Staat/Steuerzahler über aufstockendes ALGII die Löhne subventionieren, damit die Gewinne für die Unternehmen noch mehr sprudeln.
In beiden Fällen werden Menschen zugunsten der Profite einiger weniger ausgebeutet und ins Elend gestürzt, mit tatkräftiger Unterstützung der (gekauften) Politik!

Schwäbisch Hall
In Schwäbisch Hall trafen sich heute 20 Personen, um ihren Protest gegen Atomkraftwerke auszudrücken. In mehreren Redebeiträgen kam zum Ausdruck, dass man jetzt alles daran setzen müsse, die Atomkraftwerke stillzulegen. Der geplante Bau von Atomkraftwerken auf der ganzen Welt wurde kritisiert. Z.B. will Siemens ein Atomkraftwerk in Brasilien bauen. Ein Redebeitrag wies darauf hin, dass man den ganzen Kapitalismus angreifen müsse, weil der aufgrund seines Strebens nach Maximalprofit immer wieder neue Sauereien hervorbringt.

Bekannte Mitglieder der Grünen und der Linken waren leider nicht da. Als Partei war nur die MLPD vertreten, außerdem waren Mitglieder von SI und viele Unorganisierte da. Schon vor drei Wochen hatten wir beschlosssen, dass der montägliche Schwabenstreich gegen Stuttgart 21 erweitert wird um den Protest gegen Atomkraft. "Also bis nächsten Montag!"

Stuttgart
Auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz stand die heutige Aktion unter internationalistischen Zeichen - als Teil einer sich entwickelnden weltweiten Widerstandfront, die heute in mehr als 100 Ländern gemeinsam demonstrierte. Die Massenmedien machten daraus Millionen, die lediglich der  Opfer von Tschernobyl gedachten, was auch ein Motiv vieler Menschen war, die dabei aber auch nicht stehen bleiben wollten.

Am offenen Mikrophon, das von immer wieder von neuen Passanten aufmerksam verfolgt wurde, betonten verschiedene Redner, dass es um die sofortige Stilllegung aller AKWs weltweit geht und auch der Bau neuer AKWs unter maßgeblicher Beteiligung von Konzernen wie Siemens entschieden bekämpft werden muss. Jeder Betrug mit irgendwelchen "Einstiegen in den Ausstieg"  ist auch gerade im Blick auf die neue Grüne-SPD Regierung in Baden-Württemberg entschieden abzulehnen.

Hennig Zierog von der "Kultur für den Frieden" zog die Verbindung zum Kampf gegen die Atomwaffen und die mörderische Uranindustrie. Peter Borgwardt von der MLPD schlug den Bogen zu anderen Umweltverbrechen, ohne die dieses imperialistische System gar nicht mehr exisitieren kann, das mit der Katastrophe von Fukushima selbst in Frage gestellt wird und beseitigt werden muss. Eine Sprecherin von KUSS -dem Stuttgarter Bündnis für Klima – und Umweltschutz machte deutlich, dass mit der Kreislaufwirtschaft auch ein fortschrittliches Konzept für ein Leben in Einheit von Mensch und Natur vorhanden ist.

Am Schluss  wurde  unterstrichen, dass all die vielfältigen Angriffe auf das Demonstrationsrecht gemeinsam zurückgeschlagen werden müssen. Nächsten Montag findet um 17 Uhr der nächste gemeinsame Tag des Protestes statt.

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