Betrieb und Gewerkschaft

Daimler Sindelfingen: Viele kritische Redebeiträge zur Betriebsversammlung

Daimler Sindelfingen: Viele kritische Redebeiträge zur Betriebsversammlung
Warnstreik bei Daimler in Sindel- fingen am 17.6.08

Sindelfingen (Korrespondenz), 11.12.08: Diese Betriebsversammlung war so voll, dass man nicht mal mehr einen Stehplatz bekam, viele Kollegen verfolgten von außen, wo sie in der Kälte ausharrten. Wie schon länger vermutet, kündigte der Betriebsratsvorsitzende Erich Klemm eine Kurzarbeitswelle für das erste Quartal 2009 an und es ist nicht ausgeschlossen, dass es damit weitergeht. Der Werkleiter setze noch eins drauf und rechnete der Belegschaft vor, dass mit den bisher vielen Minusstunden - momentan 173 im Durchschnitt - 150 Millionen Euro "vorgehalten" würden.

Wer jetzt meinte, die Kollegen hätte dies eingeschüchtert, sah sich getäuscht: in 13 Redebeiträgen wurde die Werkleitung sehr kritisch angegangen. Mehrfach kam die Forderung an die Werkleitung, die Bandgeschwindigkeit zu verlangsamen, wenn schon weniger Autos gebaut werden, anstatt an den Tagen, wo noch gearbeitet wird, die Kollegen bis aufs Äußerste auszupressen.

Empört war fast die ganze Versammlung über die Tatsache, dass die Angebote zur Frühpensionierung zurückgehalten werden, weil das Management zuerst die Kollegen wegschicken will, die eine Abfindung nehmen. Das kommt der Firma nämlich billiger! Dagegen wird immer mehr Geld investiert für Rationalisierungsfirmen, um unsere Ausbeutung zu steigern. Um dagegen in die Offensive zu kommen, ist die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich die richtige Richtung. Dafür gab es Beifall.

Viele Kollegen fordern, dass nun endlich ernst gemacht wird mit der Entwicklung eines Null-Emissions-Motors. Diskutiert wurde auf der Betriebsversammlung auch, dass der Fehler im ganzen System liegt und es deshalb notwendig ist, sich Gedanken über einen Neuanlauf zum echten Sozialismus zu machen.