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UNO-Bericht: Hunger gewachsen, obwohl die Welt reicher wurde

11.12.08 - Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hat am Dienstag ihren Welthungerbericht veröffentlicht. Danach ist im Jahr 2008 die Zahl der an Hunger leidenden Menschen in der Welt auf 963 Millionen gestiegen. Das sind im Vergleich zum letzten Jahr 40 Millionen Hungernde mehr, gegenüber 2006 sogar 115 Millionen mehr. Zwar konzentrieren sich die Hungernden nach wie vor auf Länder wie Indien, Bangladesch, Pakistan, Kongo und Äthiopien. Ihre Zahl nimmt aber überall auf der Welt zu - auch in den imperialistischen Ländern Westeuropas und den USA.

"Der Hunger ist gewachsen, während die Welt reicher wurde und während der letzten zehn Jahre mehr Nahrungsmittel produziert hat als je zuvor", prangert FAO-Generaldirektor Hafez Ghanem diesen Widersinn an. Erst im Juni 2008 verkündeten alle 190 Teilnehmerstaaten der FAO im Schlussdokument ihres "Ernährungsgipfels" in Rom großspurig, "den Hunger auszurotten und Nahrungsmittel für alle zu sichern". Mehrere ähnliche Beschlüsse hat es bereits seit 1974 gegeben. Aber die Lage hat sich weiter verschlimmert.

Das hat seine Ursache vor allem darin, dass eine Handvoll internationaler Nahrungsmittel- und Agrarmonopole, die mit dem Finanzkapital verschmolzen sind, die Ernährungsgrundlage der Menschheit heute zum Spielball ihrer Maximalprofite machen. Dazu wurden die vom Imperialismus abhängigen Länder durch knebelnde Kreditverträge erpresst, ihren Markt für subventionierte Billigimporte von Lebensmitteln der Agrarmonopole zu öffnen, ihre Landwirtschaft auf Produktion für den Export umzustellen und die einheimischen Bauern durch Abgaben und Zölle zu ruinieren.

Inzwischen sind viele neokolonial abhängige Länder fast vollkommen auf Importe aus den imperialistischen Ländern angewiesen. So konnten die Agrarmonopole eine weltweite Kontrolle über die Landwirtschaft erobern und ihre Monopolpreise durchsetzen. Vor allem seit 2006 sind die Nahrungsmittelpreise weltweit stark angestiegen. Weizen kostet heute im Durchschnitt doppelt soviel wie 2003, Mais dreimal soviel. Der Preis für Reis hat sich sogar vervierfacht.

Die Kapitalspekulation frisst sich dabei immer tiefer in alle Bereiche des unmittelbaren Lebens der Menschen hinein. Auf der Grundlage so genannter "Future-Geschäfte", bei denen sich zwei Vertragspartner verpflichten, zu einem bestimmten Termin Nahrungsmittel zu einem fest vereinbarten Preis zu verkaufen, wuchs eine Blase der Spekulation. Solche Spekulationen haben die Preise zusätzlich in die Höhe getrieben. Auch die verschwenderische Flächennutzung für Biosprit sowie die Folgen der begonnenen Klimakatastrophe tragen dazu bei, die Lebensmittel für immer mehr Menschen unbezahlbar zu machen.

Die wütenden Massenproteste und Hungeraufstände dagegen im Frühjahr dieses Jahres in mehreren Ländern - von Bangladesch über Ägypten bis Haiti - waren ein massenhaftes Aufbegehren gegen diese Entwicklung. Mit dem ungeheuren Fortschritt der Produktivität in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion sind alle materiellen Voraussetzungen gereift, dass kein Mensch auf der Welt mehr hungern müsste. Damit dies tatsächlich allen Menschen zugute kommt, muss die Drangsalierung der Welt durch eine Handvoll internationaler Monopole beendet und der Sozialismus erkämpft werden.

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