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Verkommt die Nahrungsmittelproduktion zur modernen Form der Müllentsorgung?

Verkommt die Nahrungsmittelproduktion zur modernen Form der Müllentsorgung?

09.12.08 - Wieder ein Fleischskandal und das zur Weihnachtszeit, wo sich viele auf den Festtagsbraten gefreut haben. Die irische Regierung hat alle Schweinefleisch-Produkte - Fleisch, Wurst, Schinken, aber zum Beispiel auch Tiefkühl-Pizza - mit Herstellungsdatum ab dem 1. September 2008 zurückgerufen. Bereits in mindestens 21 Ländern wurde mit Dioxin verseuchtes Schweinefleisch aus Irland entdeckt.

In Proben von neun irischen Schweinefarmen wurden Dioxinspuren gefunden, die den zulässigen Grenzwert um das bis zu 200-fache übersteigen. Das irische Landwirtschaftsministerium überprüft derzeit mehr als 40 Rinderfarmen, die womöglich mit dioxinverseuchtem Tierfutter beliefert wurden. Auslöser ist offenbar eine Beimengung von Industrieöl (Transformatorenöl) ins Tierfutter, das an irische Landwirtschaftsbetriebe geliefert wurde.

Dennoch hat die Bundesregierung nichts Eiligeres zu tun, als offiziell schon "Entwarnung" zu geben. Laut einem Sprecher des Verbraucherministeriums bestehe "keine Gefährdung". Andrea Gerards vom nordrhein-westfälischen Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz sieht ebenfalls "derzeit keinen Anlass für eine Verbraucherwarnung". "Erst müssen wir klären, wohin das Fleisch gegangen ist", so Gerards. Ein wahrhaft "beruhigende" Perspektive!

Während die meisten bürgerlichen Politiker die jetzigen Enthüllungen als Beleg für das Funktionieren der EU-Kontrollen werten, prangert der grüne EU-Abgeordnete Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf den "Risikofaktor Mischfuttermittel-Industrie" an: "Die Entsorgung von Müll über Futter ist eine ungeheure Schweinerei und stellt eine ernste Bedrohung der Gesundheit von Mensch und Tier dar."

Er erinnert an den Dioxin-Skandal 1999 in Belgien, als in belgischen Agrarbetrieben verseuchtes Tierfutter unter anderem an Hühner, Schweine und Rinder verfüttert wurde. Das Dioxin gelangte über die Eier auch in viele andere Lebensmittel. Damals war dem Tierfutter Altöl aus der Industrie beigemengt worden. Eine billige und skrupellose Entsorgung von Industrieabfällen über die Tiernahrung. Offenbar spekulieren die betreffenden Konzerne darauf, dass die Abfälle in entsprechend geringer Konzentration bei den Kontrollen nicht auffallen.

Graefe zu Baringdorf klagt die Mischfutterindustrie an, bei den derzeitigen Verhandlungen in Brüssel über die Etikettierung von Mischfutter erneut zu versuchen, "volle Transparenz zu verhindern". Das Tückische am Supergift Dioxin ist zudem, dass es sich im Körper über lange Zeiträume anreichert und keineswegs nur über Nahrungsmittel, sondern auch über die Atemluft oder das Trinkwasser in den menschlichen Stoffwechsel gelangt.

Der neue Fleischskandal wirft ein Schlaglicht darauf, dass solche Zustände keineswegs auf Länder wie China beschränkt sind, sondern globale Dimension haben. Unter dem Diktat der mit dem Bank- und Industriekapital verschmolzenen Agrarmonopole wird die gesamte Ernährungsgrundlage der Menschheit zum Spielball ihres Profit- und Machtstrebens. In dem Buch "Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'" werden diese Zusammenhänge in einem eigenen Kapitel untersucht. Als entscheidende Schlussfolgerung heißt es dort:

"Mit dem ungeheuren Fortschritt der Produktivität in der Landwirtschaft sind alle materiellen Voraussetzungen gereift, dass kein Mensch auf der Welt mehr hungern müsste. Um das zu verwirklichen, ist es allerdings notwendig, die Drangsalierung der Welt durch eine Handvoll internationaler Monopole zu beenden, das imperialistische Weltsystem zu überwinden und den Sozialismus zu erkämpfen." (S. 78/79)