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Frankreich: Regierung "verschiebt" Bildungsreform

Paris (Korrespondenz), 16.12.08: Bei den Bildern zur Rebellion vor allem der Jugend in Griechenland denkt man natürlich gleich an 2005, als in ganz Frankreich Jugendliche auf die Straße gingen und Auto brannten, ebenfalls ausgelöst durch den Tod zweier Jugendlicher, an dem die Polizei Schuld war.

Dazu zwei Informationen: Heute morgen hörte ich im Radio ein Interview einer Griechin, die meinte, die Jugend habe ein Problem im Land aufgezeigt und es müsse und werde sich jetzt was ändern. Das gleich wurde bei uns vor vier Jahren gesagt. Sarkozy holte sogar Repräsentanten aus den Pariser Vorstädten, aus Vereinigungen, in sein Parlament.

Aber - nichts hat sich geändert! Die Lage der Jugend ist schlimmer als je zuvor, abgesehen von ein paar Vorzeigeprojekten. Wenn sich wirklich etwas verändern soll, ist ein harter Kampf nötig, von Jung und Alt, mit klaren Forderungen und wirksam. Das geht nur organisiert und im Vertrauen auf die eigene Kraft.

Hier bei uns geht derzeit ebenfalls die Jugend auf die Straße gegen eine Schulreform, von der sich die Masse der Schüler nichts Gutes verspricht. Schulen wurden blockiert und wöchentlich wird demonstriert. Auch viele Eltern meldeten Widerspruch an. Von einem auf den anderen Tag hat der Bildungsminister gestern die Reform - beabsichtigt für Herbst 2009 - um ein Jahr verschoben: "Es sei mehr Zeit zum Erklären nötig."

Viele Schüler und Lehrerkollegen überzeugt, dass dem Minister die ganze Entwicklung zu heiß wurde: "Daran ist auch Griechenland Schuld!" Wir brauchen noch viel mehr Solidarität dieser Art über Ländergrenzen hinweg.