Politik

Privatuni Witten-Herdecke: Streichung von Landeszuschüssen soll Bildungskonzern den Weg ebnen

19.12.08 - Die Landesregierung von NRW streicht zusammen insgesamt 7,5 Millionen Euro Zuschüsse für Deutschlands älteste und größte  Privatuniversität in Witten/Herdecke. Dagegen protestierten bereits am Mittwoch 250 Studenten vor dem Landtag in Düsseldorf, die die Existenz der Uni gefährdet sehen. Als offizielle Begründung soll unter anderem ein fehlender Wirtschaftsplan 2009 der Hochschulleitung herhalten. Witten-Herdecke ist die älteste Privatuni in Deutschland, ihre Gründung wurde von den Spitzen der Monopole gefördert: Berthold Beitz (Krupp), Alfred Herrhaussen (Deutsche Bank) und Reinhold Mohn (Bertelsmann) gehörten dazu. Und es geht der NRW-Landesregierung auch tatsächlich nicht um das Ende dieser Uni.

 

Wo der Hase im Pfeffer liegt, macht der „dringende Rat“ des zuständigen NRW-Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP) deutlich. Er „empfiehlt“ der Uni eine „dauerhafte strategische Partnerschaft“ mit dem SRH-Konzern aus Heidelberg.  

Dieser Klinik- und Bildungskonzern mit 7.400 Mitarbeitern betreibt 31Unternehmen – private Hochschulen, Bildungszentren, Schulen und Krankenhäuser. 2005 erwirtschaftete er damit bereits einen Umsatz von knapp 500 Millionen Euro. Im letzten Jahr scheiterte sein Versuch, Hauptgesellschafter der Privatuniversität Witten-Herdecke zu werden, noch an der Ablehnung  durch Lehrende und Studenten. SRH-Vorstand Klaus Hekking erklärte hingegen forsch, dass die Uni „fachlich und unternehmerisch“ sehr in sein „Unternehmerportfolio“ passe. Angepeilt wird von ihm eine deutliche Steigerung der Studentenzahlen auf 2.000 bei gleichzeitiger Erhöhung der Studiengebühren, die derzeit bereits bis zu 750 Euro im Monat betragen. Außerdem sollen Arbeitsplätze abgebaut, Bereiche wie die Musiktherapie als nicht „überlebensfähig“ gestrichen werden.

 

Der SRH-Konzern ist nur eines von zahlreichen Monopolen, die aus der  Privatisierung des Bildungssektors sprudelnde Gewinne schlagen wollen. Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch bezifferte den damit verbundenen weltweiten Markt auf mehr als zwei Billionen Dollar. Das Buch „Götterdämmerung über der ‚neuen Weltordnung’“ von Stefan Engel kennzeichnet diese Entwicklung treffend: „Im Zentrum der Forderungen der Unternehmerverbände stehen die Privatisierung der Hochschulen und der Erwachsenenbildung, eine enge Durchdringung  von Schule/Hochschule und Industrie sowie die Internationalisierung der Bildungsmärkte.“ (Seite 317).

Gegen die zunehmenden Privatisierungstendenzen im Bildungssektor entwickelt sich jedoch zunehmend auch Widerstand. So beschloss der „freie zusammenschluss von studentinnenschaften“ auf seiner Mitgliederversammlung im Juli: „Der fzs verurteilt die stärker werdenden Privatisierungstendenzen im Bildungswesen, die sich nicht nur im Hochschul-, sondern bereits im Schulbereich zeigen. Er fordert den gebührenfreien Kinderkrippen-, Kindergarten-, Schul- und Hochschulbesuch für Alle!.“