Betrieb und Gewerkschaft

Kommunistisches Manifest "zu heiß" für Daimler-Bosse

Düsseldorf (Korrespondenz) 24.12.08: Am 16. Dezember hat im Daimler-Werk Düsseldorf die letzte Betriebsversammlung des Jahres stattgefunden. Sie war noch nie so proppenvoll besucht! Nachdem das ganze Jahr Samstags gearbeitet wurde, kam im Oktober die Vier-Tage-Woche. Weiter wurden daraufhin die 700 befristeten Kollegen systematisch durch Abfindungsangebote und Druck rausgedrängt, denen vorher noch der Vertrag bis Oktober 2008 verlängert wurde. 

Diese ganze aufgeladene Situation war auch der Grund, warum so viele Kollegen wie noch nie anwesend waren. Sie wurden aber jäh enttäuscht. Die Belegschaft wurde informiert, dass es ab Februar bis April Kurzarbeit geben wird und im Sommer drei Wochen Betriebsferien festgelegt wurden. Mehr nicht!

Es wurde deutlich, dass der Daimler- Vorstand sich über die Produktionszahlen nächstes Jahr selbst unsicher ist, wie lange die Kurzarbeit angesetzt wird, ob der Lohn nach dem April auch aufgestockt wird usw. Die Erklärung von Betriebsrat und Geschäftsleitung, das keine "Personalanpassungen", d.h. Entlassungen zu erwarten sind, klang mehr wie ein hohles Versprechen, das nichts wert ist.  

Die Redner auf der Betriebsversammlung äußerten ihren Unmut zu verschiedenen Punkten: Das Tarifverhandlungsergebnis wurde kritisiert und auch, dass die Krisenlasten auf dem Rücken der Kollegen ausgetragen werden sollen. Am meisten Applaus erhielt die Frage eines Kollegen: "Wie kann es sein, dass den Banken weltweit 5,2 Billionen US-Dollar in den Arsch geschoben werden, aber uns immer gesagt wird, es gibt kein Geld, wir sollen bis 67 Arbeiten, wir müssen die Steuern erhöhen?"

Damit sprach er den Unmut der Belegschaft über die ganze allgemeine Wirtschaftsentwicklung aus.  Da die Geschäftsleitung immer so tut, als würden Krisen vom Himmel fallen und nicht gesetzmäßig im Kapitalismus seien, schenkte er ihr eine Ausgabe des Kommunistischen Manifests, um sich Durchblick zu verschaffen. Dazu erwiderte diese nur: „Das können wir nicht annehmen, denn daran verbrennen wir uns die Finger..." , was großes Gelächter in der Belegschaft auslöste.