Betrieb und Gewerkschaft

Betriebsversammlung bei Daimler Bremen: Nachdenkliche Stimmung zur Kurzarbeit

Bremen (Korrespondenz), 16.01.09: Auf der Betriebsversammlung am 14. Januar wurden die Kollegen über die anstehende Kurzarbeit informiert. Es waren so viele Kollegen wie selten bei der Versammlung, viele mussten stehen. Fast alle blieben bis zum Ende der Diskussion.

Der Betriebsratvorsitzende warb für Kurzarbeit und den reformistischen Sieben-Punkte-Krisenplan des IGM-Vorstands. Er forderte auch Insourcing. Das bedeutet aber, den Kollegen in anderen Firmen ihren Arbeitsplatz zu vernichten und ist Spaltung, wie ein Kollege in der Diskussion richtig kritisiert. Daraufhin machte der Betriebsratsvorsitzende in der Schlussrede einen Rückzieher und redete nur noch vom Zurückholen einzelner Jobs für Kollegen mit Einsatzbeschränkung. Der Werkleiter wähnte sich auf einer Verkaufsveranstaltung und warb für die tollen neuen Modelle aus Bremen.

Es gab sechs kämpferische Diskussionsbeiträge, die auch mit Applaus bedacht wurden. Zwei Kollegen riefen dazu auf, den Kapitalismus zu beerdigen bzw. die internationale Revolution vorzubereiten. Andere Kollegen forderten, die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich durchzusetzen als "Krisenprogramm" der Arbeiterbewegung und sie riefen dazu auf, sich an der Vorbereitung des Automobilarbeiterratschlags zu beteiligen.

Bei der Masse der Kollegen herrscht noch eine abwartende, nachdenkliche Stimmung vor, aber aus Angst vor langen Diskussionen im Kollegenkreis wurden alle nach der Versammlung, Stunden vor Feierabend, bei voller Bezahlung nach Hause geschickt.