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München: Protest von Infineon-Kollegen

München: Protest von Infineon-Kollegen
Demonstration von Qimonda-Beschäftigten in Dresden am 4.2.2009

12.02.09 - Von einem "massiven Markteinbruch" sprach heute Infineon-Vorstandsmitglied Peter Bauer bei der Hauptversammlung des Chip-Herstellers in München. Im Konzern stehen derzeit 3.000 der ehemals 30.000 Stellen auf der Abschussliste. Weitere Kündigungen sind laut Bauer nicht auszuschließen. In Regensburg arbeiten bereits 2.200 Beschäftigte kurz und in Dresden 1.800.

Jetzt sollen weitere 4.800 Beschäftigte bis zu sechs Monate in Kurzarbeit geschickt werden. In Warstein sollen alle 800 Beschäftigten, in München 4.000 betroffen sein. Damit müssen fast 9.000 der rund 9.900 Beschäftigten des Konzerns in Deutschland kurzarbeiten. Ein Korrespondent aus München berichtet über eine Protestversammlung von Infineon-Kollegen heute morgen:

"Knapp 200 Kolleginnen und  Kollegen von Infineon nahmen in dichtem Schneetreiben an der einstündigen Protestkundgebung der IG Metall vor der Infineon-Hauptversammlung in München teil. Etwa die Hälfte war mit zwei Bussen aus Regensburg gekommen, aus Dresden gab es Grußadressen von den Vertrauenskörperleitungen von Infineon und Qimonda. Infineon hat Ende letzen Jahres den Ausstieg aus der Tarifbindung erklärt und will die Lohnerhöhung der letzten Tarifrunde nicht zahlen. Am Dienstag waren die Verhandlungen der IG Metall mit Infineon um den Erhalt des Tarifvertrags ergebnislos abgebrochen worden.

Die IG Metall-Ortsverwaltung stellte dies in den Mittelpunkt des Protests und hatte bei der Infineon-Tochter Qimonda und anderen Siemens-Betrieben (der Infineon-Konzern ist aus der Speichersparte von Siemens hervorgegangen - Anm. der Red.) nicht zur Teilnahme aufgerufen. Ein gemeinsamer konzernweiter Kampf gegen die geplante Vernichtung von Arbeitsplätzen wird so unterlaufen. So war von Qimonda leider keine Delegation da. Bei einigen wurde auch Enttäuschung laut, dass nicht mehr Kolleginnen und Kollegen gekommen waren, andere waren dagegen stolz, dass trotz Schneetreiben die Kundgebung diszipliniert durchgeführt wurde." 

Der Infineon/Qimonda-Konzernverbund ist durch die Weltwirtschaftskrise schwer angeschlagen. Die Nachfrage nach Speicherchips aus der Automobil- und Handyindustrie ist drastisch gesunken. Mit 1,3 Milliarden Euro wurden die Speicherproduktion von Siemens, Infineon und Qimonda in den letzten Jahren staatlich subventioniert, die Kapazitäten ständig erweitert und der internationale Konkurrenzkampf angeheizt. Jetzt führen die weltweiten Überkapazitäten zu einem rigorosen Preisverfall. Nun sollen sowohl bei Qimonda als auch bei Infineon massiv Arbeitsplätze vernichtet werden. Für Qimonda wurde im Januar Insolvenz angemeldet, um den lukrativen Kern des Konzerns zu erhalten und den Rest stillzulegen. 

Unser Korrespondent berichtet: "Bei einzelnen Kollegen stieß die Broschüre der MLPD 'Banken und Konzerne sollen die Krisenlasten selbst bezahlen!' auf Interesse.'Gemeinsamer Kampf um die Arbeitsplätze auf Kosten der Profite - im Prinzip ist das schon richtig'. Gleichzeitig ist aber ein Ringen um Klarheit bei den Kollegen, 'ob das jetzt geht'. Auch dass der Kapitalismus die Probleme für die Massen nicht lösen kann, sahen einige. Es gibt aber viel Unklarheit und Skepsis, ob der Sozialismus funktionieren kann. Trotzdem war die Offenheit für die Auseinandersetzung um diese Fragen spürbar."