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Eberspächer-Kollegen: Enttäuschung, Zorn und viele grundsätzliche Fragen

11.04.09 - "rf-news" berichtete bereits vom mutigen Kampf der Eberspächer-Kollegen in Sindelfingen um ihre Arbeitsplätze. Mittlerweile wurde ein Sozialplan abgeschlossen. Er beinhaltet die Vernichtung der Arbeitsplätze, verbunden mit finanziellen Leistungen, die deutlich besser ausgefallen sind, als es ohne ihren viertägigen selbständigen Kampf mit Blockade der Fall gewesen wäre. Ein Korrespondent aus Sindelfingen schreibt dazu:

"Aber dass ihre Arbeitsplätze nun dennoch verloren sind und das Werk still gelegt werden soll, das hat alle getroffen und nicht wenige sind enttäuscht und immer noch zornig relativ rasch nach Hause gegangen. Ein Kollege meinte, 'zuerst hatten wir Brot, dann wollten wir eigentlich Brot und Rosen, jetzt haben wir nicht mal mehr Brot'. Wie richtig ihr eingeschlagener Weg war, zeigt die hektische Reaktion, die sofort den Metallarbeitgeberverband auf den Plan rief. Solche Kämpfe sollen nicht Schule machen.

In den Verhandlungen von Geschäftsleitung und Metallarbeitgeberverband einerseits und Betriebsrat und IG Metall andererseits stand immer die Stillegung des Werks im Vordergrund. Das zu verhindern war aber die Hauptforderung der Kollegen. Die Aufträge durch Daimler (dem im übrigen die Produktionshalle gehört, wofür Eberspächer eine horrende Miete zahlte) gingen drastisch zurück: -65 Prozent S-Klasse, -22 Prozent C-Klasse und Wegfall des Auftrags für die neue E-Klasse (es geht vor allem um Abgastechnik).

Der Anwalt von Südwestmetall wollte den Kollegen wegen ihrer Werksblockade mit der Polizei drohen, aber das hat die Arbeiter nicht zu sehr beeindruckt. Sie waren stolz darauf, mit einer solch kleinen Belegschaft (knapp über 50) so etwas hinbekommen zu haben. Die einmütige Stimmung war: 'Die sollten bluten für die Schweinerei' - das heißt für den Abbau von Produktionsmaschinen über das Wochenende durch die Geschäftsleitung unter völliger Irreführung der Kollegen auf einer Belegschafts-Versammlung letzte Woche. Das war das zweite Mal, dass ein Daimlerzulieferer hier im Kreis eine solche Nacht- und Nebel-Aktion versuchte, um den Widerstand der Belegschaft von vorneherein zu brechen.

Hinter der Überrumpelung steckt die 'Daimlerluft'! So sehen das auch viele Kollegen. Leider ist das Manöver mit Tricks, Betrug und mit Hilfe der Klassenzusammenarbeit durch rechte Gewerkschaftsführer doch noch aufgegangen. Die Arbeitsplätze sind weg. Aber so viele grundsätzliche Fragen, warum müssen wir der Arbeit immer hinterher laufen, warum diese Krise, daran ist der Kapitalismus schuld, was für ein System bräuchten wir stattdessen ... usw. sind aufgebrochen und suchen eine Antwort."