Betrieb und Gewerkschaft

Opel: Wenn Manager betteln gehen...

Bochum (Korrespondenz), 06.04.09: Als die IG Metall bei Opel Bochum eine Abstimmung über die tarifliche Auszahlung der Lohnerhöhung ausrichtete, musste deutlich gemacht werden: die Lohnerhöhung gegen die Arbeitsplätze aus zuspielen, das ist Erpressung! Deswegen haben wir uns fix ein paar Hüte gebastelt und sind in feine Jacketts geschlüpft. Los ging's dann vor's Tor mit Spendenbüchse und Wasserpistole: "Komm schon, gib uns armen Managern doch was ab. Alles, was wir wollen, sind 1,2 Milliarden... ."

Kaum ein Kollege konnte kommentarlos an uns vorbei. Die meisten hatten ein dickes Grinsen auf den Backen. Das machte vor allem den "Managern" so viel Spaß, dass manche gar nicht aufhören wollten. Einige Kollegen rissen lachend die Hände hoch, als die Wasserpistole auf sie gerichtet wurde: "Überfall! - Her mit dem Lohn, oder wir nehmen Dir den Arbeitsplatz weg!"

Unser "Rote Fahne"-Verkäufer stand kurz dahinter und rief den Kollegen zu: "Aktuelle Rote Fahne: Opelaner lassen sich nicht erpressen!" Das war für die meisten Kollegen anscheinend selbstverständlich: Die Spendenbüchsen der Manager blieben ziemlich leer. "Keinen Cent dafür...", war offensichtlich keine Einzelmeinung. "Ihr habt doch genug. Und wer gibt mir was?"

Natürlich gab es auch wenige, denen angesichts des Ernstes ihrer Lage nicht zum Lachen war. Andere wieder meinten, das sei genau richtig, was wir machen. Leider war es aber schon dunkel, als wir die Aktion gestartet haben, so dass die Kostüme auch nicht ganz ihre Wirkung entfalten konnten. Es  gab zwar keine längeren Diskussionen und auch der Verkauf der "Roten Fahne" wurde bei der Aktion selbst nicht gesteigert. Trotzdem war es ein Erfolg.

Unsere Aktion wurde bei manchen Gruppen unter den Opelanern zum Gesprächsthema. Viele Kollegen kamen nicht darum herum, mal reagieren und Position beziehen zu müssen - und wenn es nur ein Grinsen war. Die Fronten sind nun klarer geworden und die Lacher waren auf unserer Seite. Das wird sicherlich auch in Erinnerung bleiben.