Betrieb und Gewerkschaft

Erster Erfolg der Belegschaftsproteste für Urlaubsgeld

18.07.09 - Die Betriebsrätin von Opel Bochum, Annegret Gärtner-Leymann, informiert in einem aktuellen Leserbrief die Presse:


Nach der breiten Medienberichterstattung über die Proteste der vergangenen Woche versammelten sich in dieser Woche erneut über 100 Opelaner zu Pausenversammlungen. Im Mittelpunkt stand erneut die Forderung nach der Auszahlung des Urlaubsgeldes. Das Urteil des Bochumer Arbeitsgerichtes, das die einstweilige Verfügung des Betriebsrates ablehnte, wurde kritisiert: "Warum darf der Betriebsrat unser Geld abgeben, aber nicht für seine Auszahlung klagen?" und "Unsereiner könnte sich so einen Vertragsbruch niemals leisten, aber die bekommen es noch gerichtlich abgesegnet".

Die Unterordnung der bürgerlichen Gerichte unter die Interessen der Konzerne wurde auch als Systemfrage aufgeworfen und deutlich gemacht, dass angesichts dessen die Frage steht, wie es überhaupt weitergehen soll. Jedenfalls bestätigte sich die Notwendigkeit der Pausenversammlungen, um mit weiteren Protesten den Druck weiter zu erhöhen.

Dies verzeichnet nun erste Erfolge. In einem Brief wendete sich der Personaldirektor des Bochumer Werkes gestern an den Betriebsrat: "Um das leidige Thema 'Urlaubsgeld 2009' für unsere Mitarbeiter noch vor dem wohlverdienten Urlaub zu regeln und um möglichst eine weitere Eskalation vor dem Arbeitsgericht unter permanenter Begleitung von Presse, Funk und Fernsehen zu vermeiden", bot er an, für 15 Tage Urlaubsgeld an die Belegschaft auszuzahlen. Das Urlaubsgeld der weiteren 15 Tage Tarifurlaub müsse dann allerdings "verschoben" werden.

Das stieß einerseits auf Empörung, da der Personaldirektor genau weiß, dass der Belegschaft alle 30 Tage bezahlt zustehen. Zugleich sahen viele Kollegen das "Angebot" auch als ersten Erfolg der Proteste und Anzeichen des Einknickens der Geschäftsleitung. Nach ersten Meinungsabfragen besteht die Belegschaft weiterhin auf den ihr zustehenden 30 Tagen Urlaubsentgelt und sieht das Einlenken eher als Aufforderung, mit den Protesten weiterzumachen.

Am kommenden Mittwoch werden erneut und letztmalig vor den beginnenden Werksferien Pausenversammlungen stattfinden, und dort wird sicher auch über das Geschäftsleitungsangebot beraten werden.