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Schwerstes Grubenunglück in der Geschichte der Slowakei - Bergleute fordern vollständige Aufklärung der Ursachen

Schwerstes Grubenunglück in der Geschichte der Slowakei - Bergleute fordern vollständige Aufklärung der Ursachen

11.08.09 - In tiefer Trauer, Wut und Empörung stehen die Familien, Freunde und Kollegen vor den Toren des Bergwerks Handlova in der Nordwestslowakei. Ungefähr um 7.00 Uhr am Montag war ein Feuer in einem Schacht des Bergwerks ausgebrochen, zu dessen Bekämpfung mehrere Bergleute und die Grubenwehr in mehr als 300 Meter Tiefe abstiegen. Etwa zwei Stunden später kam es in einem aufgelassenen Nebenschacht zu einer Explosion Sechs tödlich verunglückte Bergleute konnten bereits geborgen werden. Neun weiter entfernte Kumpel wurden verletzt. Für 14 Bergleute, die zur Brandbekämpfung eingesetzt waren und sich in unmittelbarer Nähe der Explosion befunden hatten, gibt es wahrscheinlich keine Überlebenschance.

Bürgerliche Medien und Werksleitung reden nun wieder von einem "Unglück" oder Unachtsamkeit der Bergleute. Die Bergwerksleitung widersprach früheren Darstellungen, dass Methangasreste explodiert sein könnten. Es wäre aber möglich, dass sich durch den vorherigen Brand Kohlenmonoxid ausgebreitet habe, das in Kombination mit anderen Gasen ebenfalls explosionsfähig sei, erklärte ein Sprecher der Firmenleitung dem TV-Nachrichtensender TA3.

Der Grubenbetreiber "Hornonitranske doly Prievidza" ist mit 4.100 Beschäftigten und 66 Prozent Marktanteil das größte Bergbauunternehmen der Slowakei. Im Jahr 2006 starben vier Bergleute bei einem Unglück in dem zu diesem Konzern gehörenden Bergwerk Novaky. Ein Jahr später kam in Handlova ein Grubenarbeiter ums Leben.

Nach der Restauration des Kapitalismus in allen ehemals sozialistischen Ländern sind diese Länder zum wahren Ausbeuterparadies für die internationalen und einheimischen Monopole geworden. Die Kumpel sind wieder zu "Sklaven der Tonnage" im weltweiten Konkurrenzkampf um die billigste Kohle geworden, wobei die RAG kräftig mitverdient und den weltweiten Konkurrenzkampf vorantreibt. In China kamen zwischen 1992 und 2002 offiziell 59.543 Kumpel ums Leben (die Dunkelziffer ist wegen Fälschungen und vieler illegalen Gruben besonders hoch). Man rechnet in China mit 32 Toten pro einer Million Tonnen geförderter Kohle. In der Ukraine waren im gleichen Zeitraum 3.700 Todesopfer offiziell zu beklagen.

Die Kohlegruben müssen auf Kosten der Profite auf den höchsten Sicherheitsstandard gebracht werden, alle ausstehenden Löhne bezahlt und der Lebensunterhalt der Familien abgesichert werden. Die eigentliche Ursache liegt im kapitalistischen Gesellschaftssystem selbst. Deswegen verbinden wir unsere Trauer mit dem Kampf um einen echten Sozialismus, soll der Tod all dieser Bergleute nicht umsonst gewesen sein.

"Unser tiefes Mitgefühl", so schreibt ein Korrespondent aus Marl für die Bergarbeiterbewegung "Kumpel für AUF", "gilt den Familienangehörigen der verunglückten Bergleute, die sofort nach dem Unglück zur Grube geeilt waren. Sie haben bis spät in die Nacht ausgeharrt, um Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen zu erhalten. (...) Um weitere Bergwerksunglücke zu vermeiden muss dieses Unglück restlos aufgeklärt werden und die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Glück Auf!"

Weitere Informationen über die Lage und den Kampf der Bergleute weltweit gibt es auf www.international-coal-miners.org