Betrieb und Gewerkschaft

"Streik der Daimler-Kollegen: Den Übergang zur Arbeiteroffensive stärken!"

Stuttgart (Korrespondenz), 05.12.09 : Eine denkwürdige und kämpferische Veranstaltung mit ca. 100 Teilnehmern fand gestern im ABZ-Süd in Stuttgart statt. "Wir bluten nicht für den Konkurrenzkampf vom Daimler" steht in großen Lettern über der Bühne im ABZ-Süd. Mitten im Streik der Daimler-Arbeiter um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen die Verlagerung der C-Klasse hat die MLPD Baden-Württemberg zur Veranstaltung eingeladen, um die Hintergründe des selbständigen Streiks zu beleuchten und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Peter Borgwardt, Landesvorsitzender und Mitglied des ZK der MLPD kommt in seiner Rede gleich zur Sache. Er zitiert einen Leitartikel der Tagespresse, vor dem Bild kämpfender Daimler-Arbeiter: "Außer Kontrolle!" "Wer ist hier eigentlich außer Kontrolle geraten?" fragt er die Zuhörer."„Die Arbeiter oder der Kapitalismus?" Peter Borgwardt sagt den streikenden Daimler-Kollegen die volle Unterstützung der MLPD zu.

Die Verlagerung der C-Klasse geschieht aus Gründen der Weltmarktführung. Mit dem Kampf wird durch die Daimler-Arbeiter das stillschweigende Dulden der Politik von Regierung und Monopolen durchbrochen. Das ist ein wichtiges politisches Signal. "Wir sind in einer Phase der Neuorientierung der Massen und die lähmende Verunsicherung beginnt sich aufzulösen." Dass dies nicht nur die Arbeiterklasse betrifft, belegen die Schüler- und Studentenproteste und neue Erscheinungen wie Montagsdemos von Milchbauern und "Stuttgart 21"-Gegnern.

Er arbeitet drei Fragen heraus, die den Übergang zu einem unbefristeten, selbständigen Streik unterstützen sollen: WOFÜR wird gestreikt? Die Forderung der Kollegen "Der Beschluss muss vom Tisch!" ist vollkommen berechtigt. WIE wird gestreikt? Gibt es Regeln und Strukturen, die die breite Demokratie der Kolleginnen und Kollegen sichert? WER führt den Streik? Schaffen es die Kollegen, eine selbständige Streikführung zu etablieren?

Die anschließende Diskussion brachte in vielen kämpferischen Beiträgen den Willen der Anwesenden zum Ausdruck, den Streik zu unterstützen. Ein Kollege von "BIR KAR" versprach, den Streik in der Türkei bekannt zu machen. Mehrere Kollegen berichteten mitten aus dem Streik und vermittelten ein plastisches Bild. Eine Kollegin hob hervor, dass sich der Kampf schon im Laufe des letzten Jahres angebahnt hatte. "Mindestens vier Aktionen hat es gegen Arbeitshetze während der Kurzarbeit gegeben."

Die Redner gingen sehr kritisch auf die Rolle des Betriebsratsvorsitzenden Erich Klemm und des IG-Metall-Bevollmächtigten Uwe Meinhardt ein, die die Forderung "Der Beschluss die C-Klasse zu verlagern, muss vom Tisch!" verbiegen wollen zu einem Kampf um ein "schlüssiges Konzept für Ersatzarbeitsplätze" und vom Daimler-Vorstand einen "intelligenteren" Konkurrenzkampf fordern.

Peter Borgwardt fasste zusammen, dass es gerade die Unterordnung unter den Konkurrenzkampf ist, die Arbeitsplätze kostet und eine Abwärtsspirale der Lohn- und Lebensbedingungen der Menschen in Gang setzt. Er hob hervor, dass die MLPD den Kollegen ihr Know-how zur Verfügung stellt und dass jeder, der den Kampf der Daimler-Kollegen festigen und unterstützen will, in der MLPD gut aufgehoben ist.
Eine abschließende Spendensammlung für die MLPD ergab 269 Euro.