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Die Sindelfinger Daimler-Belegschaft kämpft weiter um jeden Arbeitsplatz

03.12.09 - 19 Uhr: Nach dem selbständigen Streik der Sindelfinger Frühschicht am Mittwoch ("rf-news" berichtete) hat ebenso die Spät- und die Nachtschicht gegen die Verlagerung der C-Klasse ab 2014 gestreikt. Das ganze Werk stand still! In einer Korrespondenz wird berichtet, wie es heute weiter ging:

"Heute morgen fand vor der Hauptkantine eine Protestveranstaltung der Frühschicht statt. Über 6.000 Kollegen trafen sich um 9.00 Uhr. 'C bleibt hier!' und weitere Parolen wurden gerufen. Es wurden viele selbstgemalte Schilder mitgebracht: 'C-Klasse rein! Vorstand raus!', 'Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz' und 'Konzernweit kämpfen' wurde gefordert.

Die Stimmung war gespannt unter den Kollegen. Sie wollten wissen, was der Betriebsratsvorsitzende Klemm und der Werkleiter Haller sagen wollen. Großer Jubel und Begeisterung brach aus, als berichtet wurde, dass die Kollegen des JIT-Werks (Böblingen-Hulb) über die öffentliche Straße zum Werk Sindelfingen marschiert sind, anstatt wie sonst bereitgestellte Busse zu benutzen. Mit dieser Aktion wurde eine wichtige Verkehrsader in Böblingen/Sindelfingen zeitweise lahm gelegt!

Bei der Protestversammlung sprach nach der Begrüßung vom Betriebsrat der Werkleiter Haller. Er verteidigte den Vorstandsbeschluss und behauptete, dass durch diesen Verlagerungsbeschluss keine Arbeitsplätze gefährdet werden würden. Obwohl er 'mit seinem Namen dafür steht', wurde er von den Kollegen ausgepfiffen, so dass er letztlich sichtlich genervt die Bühne verließ.

Der Betriebsratsvorsitzende Klemm orientierte auf Verhandlungen mit dem Vorstand, wie man die Arbeitsplätze in Sindelfingen halten könnte, auch wenn die C-Klasse weg wäre. Er sprach davon, dass wir in Sindelfingen auch etwas anderes produzieren könnten und dass es um die Sicherung der Arbeitsplätze geht. Die Kollegen waren aber damit  nicht einverstanden und riefen: 'C muss bleiben!' Ein Kollege meinte: 'Der will die Situation nur wieder entschärfen.'

Richtig Protest gab es von den Kollegen, als Klemm sagte: 'Wir dürfen nicht kopflos kämpfen, sondern unter der Führung der IG Metall. Hier darf sich nicht jeder als kleiner Streikführer aufspielen.' Für diese offene Kritik an dem gestrigen selbständigen Streik erntete er ein Pfeifkonzert der Belegschaft. Klemm und auch der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Lümali haben die ganze Zeit versucht, die Kampfstimmung zu dämpfen und sie versprachen, spätestens Montag oder Mittwoch die Kollegen über die Verhandlungen mit dem Vorstand zu informieren. Kaum hatten sie zu Ende geredet, wurde laute Musik aufgedreht - das kam sehr schlecht bei den Kollegen an, weil sie nicht bei der Versammlung selbst reden durften.

Am Ende der Versammlung (9.30 Uhr) wurde vom Betriebsrat wieder aufgerufen, die Arbeit nach der Mittagspause wieder aufzunehmen. Die Belegschaft ging daraufhin wieder zurück in ihre Bereiche. Durch eine Initiative von kämpferischen Montage-Kollegen wurde in der übrigen freien Zeit ein Umzug durch alle großen Produktionshallen durchgeführt, weil man sich nicht 'so einfach abspeisen lassen' will.

Durch diesen Umzug kamen etwa 1.500 Kollegen zusammen und sie zogen wieder vor das Gebäude der Werksleitung, wo es eine spontane Kundgebung gab. Die Kollegen kritisierten den dort anwesenden Betriebsrat für die 'Abkühlung' durch die morgendliche Versammlung und sagten, dass sie über die weiteren Kampfschritte mit entscheiden wollen. Damit die Belegschaft die Initiative dauerhaft behält, braucht es eine klare Führung und Streikprinzipien, bei der alle weiteren Kampfschritte demokratisch beraten und beschlossen werden.

Auch aufgrund des Drucks und der Stimmung in der Belegschaft hat der Sindelfinger Betriebsrat beschlossen, dass morgen 10.00 Uhr eine Demonstration durch Sindelfingen (Sammelpunkt Tor 3, bis zum Sindelfinger Busbahnhof, Kundgebung ab 10.30 Uhr) und um 18.00 Uhr eine durch Böblingen (Sammelpunkt Haupttor, bis zum Böblinger Busbahnhof, Kundgebung ab 19.00 Uhr) stattfinden. Dieser Schritt ist richtig. Die Vernichtung Tausender Arbeitsplätze geht die ganze Bevölkerung an - wir brauchen die Solidarität!"