Betrieb und Gewerkschaft

Mayer & Cie Albstadt: Von Insolvenz Betroffene setzen sich zur Wehr

Albstadt (Korrespondenz), 30.11.09: Am Freitag, 27. November, protestierten etwa 40 Kundgebungsteilnehmer mit einem zweistündigen Proteststand auf dem Wochenmarkt in Tailfingen gegen die Geschehnisse beim Tailfinger Rundstrickmaschinenhersteller Mayer & Cie. Am 29. September, also zwei Tage nach den Bundestagswahlen, war durch Mayer & Cie die Einleitung der Plan-Insolvenz bekannt gegeben worden. Bereits seit April 2009 waren 67 Kolleginnen und Kollegen in "Null-Kurzarbeit" (!) geschickt worden. Am vergangenen Dienstag wurde auf einer Belegschaftsversammlung durch Insolvenzverwalter Wolfgang Bilgery verkündet, dass weitere 232 Arbeitsplätze gestrichen werden. 

Die Geschäftsleitung hatte eigens für die Belegschaftsversammlung ein Aufgebot an Arbeitsamt-Mitarbeitern, Rotem Kreuz usw. aufgefahren und unterdrückte jegliche kritischen Beiträge, mit Ausnahme eines kurzen Beitrags des IG-Metall-Sekretärs W. Wadehn, der wenigstens ablehnte, dass die verbliebenen Mitarbeiter künftig 40 Stunden arbeiten sowie auf Weihnachtsgeld verzichten sollen. Ein Kollege erlitt noch während der Versammlung einen Herzinfarkt und verstarb in der folgenden Nacht im Krankenhaus!

Mit der Kundgebung am Freitag setzten die Kollegen ein Signal. Ein Signal gegen das menschenverachtende Vorgehen, gegen die Logik, dass Lohnverzicht irgend etwas retten könne. Mehrere Kollegen ergriffen am offenen Mikrofon das Wort und machten auf ihre Situation aufmerksam. Arnulf Rauch, Betriebsrat bei Mayer & Cie, warnte davor, durch Unterschrift zum Eintritt in eine "Beschäftigungs und Qualifizierungs-Einheit" auf den Kampf um Arbeitsplätze und Rechte zu verzichten.

Auch Georg Faigle von der IG-Metall, Dieter Klauth, Betriebsrat beim Druckzentrum Neckaralb, Christiane Kasprik, Gemeinderätin vom kommunalen Wahlbündnis ZUG, und Bernhard Schmidt, den alle Kollegen als "Rote fahne"-Verkäufer und Verteiler der Kollegenzeitung "Tacheles" kennen, erklärten am offenen Mikrofon ihre Solidarität. Ebenso ehemalige Kollegen und weitere Passanten im persönlichen Gespräch.

Für den verstorbenen Kollegen wurde eine Schweigeminute durchgeführt und Geld für die Unterstützung der Familie gesammelt. Für die Kollegen war diese selbständig organisierte Kundgebung sehr wichtig, weil durch so ein gemeinsames, solidarisches Vorgehen das Einzelkämpfertum ein Stück überwunden wurde.