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Selbständiger Streik bei Daimler in Sindelfingen fortgesetzt

03.12.09 - 16.30 Uhr: Nachdem gestern die Frühschicht der Montage-Bereiche C-, S- und E-Klasse bei Daimler in Sindelfingen die Arbeit niederlegte (siehe "rf-news"-Bericht), setzten auch die Spät- und die Nachtschicht den selbständigen Streik fort. Er richtet sich gegen die absehbare Vernichtung von rund 3.000 Arbeitsplätzen durch die Verlagerung der C-Klasse-Produktion in verschiedene andere Werke. Ein Artikel in der heute erschienenen Extra-Ausgabe der konzernweiten Kollegenzeitung "Die Stoßstange" schildert, wie der Streik am Dienstag begonnen hatte, nachdem es bereits am Tag zuvor eine von der IG Metall organisierte Protestkundgebung mit 15.000 Teilnehmern gegeben hatte (siehe "rf-news"-Bericht):

"Heute um 9.30 Uhr gab es die Mitteilung vom Vorstand, dass die zukünftige C-Klasse nicht mehr in Sindelfingen produziert wird, es aber zu keinen Entlassungen kommen wird. Um 5 nach 10 hatten alle Meistereien die Vorgabe, uns in Gruppen zu informieren. Wir hörten uns das an ... und dann marschierten wir. 60 Leute marschierten lauthals zum Betriebsratsbüro. Auf dem Weg zum Betriebsratsbüro wuchs die Menge schnell auf ca. 300 Kollegen an. Der Betriebsrat versuchte, uns zu besänftigen. Die Kollegen meinten: 'Wir sind C-Klasse, und wir gehen jetzt zu Bau 38 zu den Kollegen und zeigen denen unsere Solidarität.'

Also marschierten wir zum Bau 38, C-Klasse. Von dort zurück kamen wir jetzt mit 3.000 Kollegen. Nach kurzer Beratung marschierten wir aus der Halle Richtung Bau 1 zum Personalbau. Auf dem Weg schwenkten wir unsere IG-Metall-Fahnen und pfiffen - und das mitten auf der Straße! Vor Bau 1 positionierten wir uns und riefen nach dem Werkleiter. Ob sich dieser vor Angst in die Hose machte oder gar nicht vor Ort war, wussten wir nicht. Wir waren jetzt bestimmt 6.000. 'Wir bleiben hier' oder 'eins, zwei drei und vier, für Arbeitsplätze kämpfen wir', 'keine Produktion' riefen wir."

Auch dem herbei geeilten zweite IG-Metall-Bevollmächtigten, Uwe Meinhardt, gelang es nicht, die Streikenden zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Sie informierten die Kollegen der Spätschicht, die ebenfalls den Streik fortführten und zum großen Teil nach Hause gingen. Auch die Nachtschicht hat weiter gestreikt. Die Betriebsratsspitze zog eilig die für nächste Woche geplanten Kundgebungen vor, die dann heute um 9 Uhr und um 16 Uhr in Sindelfingen sowie um 11 Uhr in Mettingen und Untertürkheim stattfanden.

Es herrschte eine aufgeheizte Stimmung. Viele Kollegen der C- und E-Klasse war heute morgen nicht einverstanden mit der Aufforderung des Betriebsratsvorsitzenden Erich Klemm, wieder an die Arbeit zu gehen. Sie wollen nicht weiter für den Konkurrenzkampf von Daimler mit den anderen Automobilmonopolen in der Weltwirtschaftskrise "bluten". Eine erhebliche Zahl von Kollegen marschierte erneut zum Bau 1 (Personal, Werksleitung). Damit stand die Produktion in der C- und E-Klasse wieder weitgehend.