Betrieb und Gewerkschaft

Betriebsversammlungen bei Daimler in Sindelfingen: Kollegen "stehen auf" gegen den Vorstandsbeschluss

Betriebsversammlungen bei Daimler in Sindelfingen: Kollegen "stehen auf" gegen den Vorstandsbeschluss
Demonstration der Daimler-Kollegen durch Sindelfingen am 4. Dezember

Sindelfingen (Korrespondenz), 07.12.09: Auf der heute Vormittag abgehaltenen ersten von drei Betriebsversammlungen (es folgten noch Spät- und Nachtschicht) im Daimler-Werk Sindelfingen erteilte die große Mehrheit der 10.000 anwesenden Kolleginnen und Kollegen dem Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche eine klare Abfuhr. Er konnte seine Rede erst nach einem großen Pfeifkonzert und Buh-Rufen beginnen. Auch während seines Vortrags, in dem er die Verlagerung der C-Klasse verteidigte, zugleich aber versprach, die Arbeitsplätze zu erhalten, kam es immer wieder zu Pfeifkonzerten, Gelächter und Zwischenrufen. Und danach wurde er von der Masse der Kollegen massiv ausgebuht.

Danach gab es noch ca. 16 meist kämpferische Redebeiträge von Betriebsräten, IGM-Vertrauensleuten und Kollegen. Während die meisten Betriebsräte aber auch auf gute Verhandlungen und Rückkehr des Vorstands zur Vernunft appellierten, sprachen sich kämpferische Kollegen klar dafür aus, dass der Vorstandsbeschluss vom Tisch soll und der Kampf um jeden Arbeitsplatz geführt werden muss. Vor den Toren war eine neue Extra-Ausgabe der Kollegenzeitung "Die Stoßstange" verteilt worden.

Ein Redner forderte alle Kollegen auf aufzustehen, die für den Erhalt der C-Klasse sind. Etwa zwei Drittel der noch Anwesenden erhob sich. Auch wurde dem Vorstand gesagt, dass nicht die Belegschaft "außer Rand und Band" ist, sondern der Vorstand und das kapitalistische System. Dafür gab es sehr viel Beifall. Auch die Forderung nach Bezahlung der Streikzeit und dem Ausschluss von Maßregelungen erhielt großen Applaus.

Es gab auch schöpferische Ideen über die weitere Zukunft von Zetsche: er könne doch in Neuseeland Manager einer Schafherde werden, er könne aber auch auf den Mond fliegen und dort so viele "footprints" setzen wie er für wichtig findet oder: "Wenn sie uns nicht mehr wollen, dann gehen sie doch!"

Der Betriebsratsvorsitzende Klemm erklärte, dass er kurz vor Weihnachten nicht mehr in einen Kampf mit einem solch ungewissen Ausgang gehen will. Er wollte deshalb ein Mandat der Versammlung für Verhandlungen über einen Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis 2020. Dafür erhielt er nur Beifall von den vorderen Reihen. Bis Schichtende der Frühschicht fand keine Produktion mehr statt.

Die Betriebsversammlung der Spätschicht lief ähnlich ab. Auch hier brachte die große Mehrheit der Anwesenden ihre klare Ablehnung der Vorstandspläne zum Ausdruck. Anschließend gingen die Kollegen allerdings wieder zur Arbeit.