Betrieb und Gewerkschaft

Sindelfingen: "Wir haben gezeigt, dass wir kämpfen können!"

Sindelfingen (Korrespondenz), 11.12.09: In der sehr gut besuchten Betriebsversammlung gestern Vormittag wurde das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Daimler-Vorstand und der Betriebsratsspitze präsentiert. Tatsächlich musste der Vorstand aufgrund des entschlossenen Kampfes der Kollegen in einem sogenannten "Standortsicherungsvertrag" einige Zugeständnisse an die Belegschaft machen. Es wurde vereinbart, dass es bis zum Jahr 2020 keine "betriebsbedingten Kündigungen" in Sindelfingen geben darf.

Mit der Produktion des Sportwagens SL sollen ca. 1.000 Kollegen aus der C-Klasse beschäftigt werden. Vor allem soll durch sogenanntes "Insourcing" Arbeit in das Werk zurückgeholt werden (insgesamt laut Vereinbarung 850 Arbeitsplätze), die schon ausgelagert wurden. Außerdem soll z.B. eine "Task-Force" mit ca. 250 Leuten aufgebaut werden, die Produktions-Anläufe in allen Werken unterstützt. Auch soll ein "Kompetenzzentrum für Leichtbau" gegründet werden, das sich mit der Verarbeitung von neuen Werkstoffen beschäftigt.

Zugesichert wurde auch, dass die kommende Generation der S- und E-Klasse in Sindelfingen gebaut werde. Außerdem wurde vereinbart, dass schrittweise, ca. ab 2012 alle Auszubildenden unbefristet übernommen werden und die Regelung "80 Prozent unbefristet, 20 Prozent befristet" abgeschafft wird. Ab 2012 erst, weil bis dahin die Ausbildungszahlen um ca. 20 bis30 Prozent gesenkt werden, was schon in einer Vereinbarung im Frühjahr diesen Jahres beschlossen wurde.

Dieser Vertrag ist ein fauler Kompromiss, durch Insourcing und die C-Klasse-Verlagerung werden in der Region Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet - auch hat der Vertrag eine Öffnungsklausel. Insgesamt ist damit auch klar, dass der schleichende Abbau von Arbeitsplätzen, den wir im Werk seit ca. 20 Jahren erleben, weiter gehen wird. Betriebsratsspitze und Vorstand einigten sich auch, dass weiter an der Verschärfung der Ausbeutung ("Effizienzsteigerung") im Werk gearbeitet wird.

Personalvorstand Wilfried Porth versuchte, die Kollegen auf den globalen Konkurrenzkampf einzustellen: "Unsere Gegner sitzen in Ingolstadt und München." Das wurde von einem Kollegen entschieden zurückgewiesen, denn unser Gegner ist der Vorstand, also Herr Porth selber!

In der anschließenden Diskussion wurde in ausnahmslos allen Beiträgen vor allem der Stolz der Kollegen deutlich: "Ich bin stolz, dass wir gezeigt haben, dass wir kämpfen können wie unsere Väter, Mütter und Großeltern. Nicht nur die ganze Region, nein die ganze Republik hat auf uns geschaut. Und ich bin stolz auf diese Belegschaft", sagte ein Kollege. Viele Redner forderten auch auf, gerade jetzt Mitglied in der IG Metall zu werden, und es wurde klar, das wir Gewerkschaften als echte Kampforganisationen brauchen. Ein Kollege sagte: "Als der Vorstand die Verlagerung der C-Klasse verkündete, ahnte er wohl nicht, welchen Hurrikan er damit unter der Belegschaft auslösen wird."