Betrieb und Gewerkschaft

Spätschicht-Versammlung in Sindelfingen: Nur der Vorstand blieb sitzen!

Spätschicht-Versammlung in Sindelfingen: Nur der Vorstand blieb sitzen!
Kundgebung bei Daimler in Mettingen am 3. Dezember

Sindelfingen (Korrespondenz), 08.12.09: Der Ablauf der Betriebsversammlung während der Spätschicht gestern war ähnlich wie bei der Frühschicht (siehe "rf-news"-Bericht). Daimler-Chef Zetsche machte sehr weitgehende Zusicherungen, wie die, dass kein Arbeitsplatz durch die Verlagerung der C-Klasse verloren gehe, sogar 2.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen würden. Er versprach, die künftige Generation der S- und E-Klasse würden in Sindelfingen gebaut, der Dreh- und Angelpunkt für die "zweite Erfindung des Automobils" sei Sindelfingen.

Ein Teil der versprochenen Arbeitsplätzen soll durch "Insourcing" geschaffen werden, d.h. dass ausgelagerte Produktion wieder ins Werk geholt würde. Das bedeutet aber, dass die Arbeitsplätze bei den Zulieferern vernichtet werden. Zetsche wurde am Ende, wie schon in der Frühschicht, ausgepfiffen und ausgebuht. Der Betriebsratsvorsitzende Klemm kündigte "harte Verhandlungen" an, mit dem Ziel einer Arbeitsplatzgarantie bis 2020 und der unbefristeten Übernahme aller Azubis. Dafür erhielt er Beifall.

Mehrere kämpferische Redebeiträge hielten an der Forderung "Die C-Klasse muss bleiben" fest. Auf die Aufforderung, wer dafür sei, solle aufstehen, standen in der Spätschicht alle auf, außer dem Vorstand und den Betriebsratsvorsitzenden. Erich Klemm hatte sofortige Verhandlungen und weitere Betriebsversammlung noch in dieser Woche angekündigt.

Nach der Versammlung war die Stimmung gedämpft. Aber es ist noch keine Frage grundsätzlich gelöst! Viele Kollegen wollen die kommenden Verhandlungen und deren Ergebnisse abwarten. Verhandlungen ohne Kampf können aber nur zu einem faulen Kompromiss führen. Über die entscheidende Forderung "C-Klasse muss bleiben!" gibt es nichts zu verhandeln. Viele Kollegen sehen ihre Stärke zu wenig, dass ein Streik Daimler am Nerv trifft, vor allem in der E-Klasse, wo Samstagschichten vereinbart waren.

Am Montagabend, 7. Dezember, wurde in Sindelfingen der Solidaritätskreis "C muss bleiben" zur Unterstützung der kämpfenden Daimler-Kollegen gegründet, um die Unterstützung außerhalb des Werkes in der Region zu organisieren.

(Weitere E-Mail-Adresse für Solidaritätserklärungen: jordana.vogiatzi@igmetall.de)