Betrieb und Gewerkschaft

Gebäudereiniger der HGF vor Gericht: "Die waren organisiert"

Frankfurt/Main (Korrespondenz), 18.12.09: Der Kampf der Gebäudereiniger für Wiedereinstellung hatte in Frankfurt viel Solidarität erfahren. Mit über 40 Personen war der Saal des Arbeitsgerichts am 15. Dezember voll besetzt. Geklagt hatten die Kollegen gegen die fristlose Kündigung, die sie alle erhalten hatte, nachdem ein Kollege rausgeworfen wurde, weil er ausstehende Löhne und Wintergeld gefordert hatte (siehe "rf-news"-Bericht).

Viel Raum erhielt die Rechtsanwältin der HGF, um ihre Geschichte von den Vorgängen zu erzählen. Die Darstellung war so, dass die Kollegen zu langsam gearbeitet und Überstunden zu unrecht aufgeschrieben hätten. Alles starker Tobak, der so nicht durchging. Dann kam das stärkte Geschütz der Unternehmerseite: "Die waren organisiert!" Es hätten sich Zeitungen gemeldet bei der HGF, auch vom kurdischen Verein wären Leute gekommen. Die Arbeiter hätten sich im Büro der marxistisch-leninistischen Partei getroffen und von dort an den Chef Faxe geschickt mit eigenen Forderungen.

In der Tat schwere Anwürfe! Wenn die Gebäudereiniger daran gehen, sich zu organisieren, ist das für die Kapitalistenlogik schon ein Grund, die Arbeiter rauszuwerfen. Erst recht, wenn sie eine linke Einstellung haben oder von Marxisten-Leninisten Unterstützung anfordern? Der Unternehmer erhielt die passende Antwort: "Was soll das, ihr seid im Unternehmerverband organisiert und lasst euch einen Anwalt stellen und wenn wir uns bei unseren Leuten Hilfe holen, soll das nicht gehen?"

Der Unternehmer war bereit finanziellen Ausgleich zu leisten, aber keinen wieder einzustellen. Und so wurden individuelle Abfindungen vorgeschlagen, restliche Überstunden gezahlt und das ausstehende Urlaubsgeld. Die meisten sahen dazu keine Alternative, da sie nicht sechs Monate bis zum Prozess warten konnten, um wieder arbeiten zu können. Das Arbeitslosengeld reicht bei den Niedriglöhnen nicht, um über die Runden zu kommen. Obendrein droht ohne deutschen Pass ohne feste Arbeitsstelle die Abschiebung. Die meisten hatten eine neue Arbeitsstelle angenommen und waren froh, überhaupt eine gefunden zu haben.

Dennoch war der Schritt, gemeinsam gegen die Kündigungen anzutreten, in die Öffentlichkeit zu gehen und die unhaltbaren Zustände in der Gebäudereinigung öffentlich anzuprangern, eine sehr mutige Entscheidung, die breit Unterstützung bekam. Die Kollegen haben sich der Willkür nicht gebeugt und bewiesen, dass die Gebäudereiniger organisiert eine nicht zu unterschätzende Kraft bilden.