Umwelt

Wärmstes Jahrzehnt - nur aktiver Widerstand kann die Umwelt vor der Profitgier retten

23.12.09 - Während sich die EU-Umweltminister gestern in Brüssel um Schadensbegrenzung nach dem gescheiterten Weltklimagipfel von Kopenhagen bemühten, veröffentlichte der Deutsche Wetterdienst (DWD) neue Zahlen, aus denen hervorgeht, dass das Klima in Deutschland sprunghaft wärmer wird. Das zu Ende gehende Jahrzehnt war mit einer Durchschnittstemperatur von 9,5 Grad das wärmste seit mindestens 130 Jahren. Sämtliche Jahre des vergangenen Jahrzehnts waren wärmer als das langjährige Mittel. Mit jeweils 9,9 Grad Celsius im Jahresmittel waren 2000 und 2007 sogar die wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen überhaupt. Rekorde verzeichneten aber auch die Niederschlagsmengen.

Das unterstreicht die Verantwortungslosigkeit der in Kopenhagen versammelten Vertreter der führenden imperialistischen und kapitalistischen Länder, die dem Feilschen um Konkurrenzvorteile jede noch so minimale Vereinbarung zur Reduzierung der klimaschädlichen Gase geopfert haben. Dass Bundeskanzlerin Merkel dazu nichts Besseres einfiel, als die Kritiker zu ermahnen, man dürfe den Gipfel "nicht nur schlecht reden" und müsse vielmehr auf ihm "aufbauen", zeigt ihre Kaltschnäuzigkeit angesichts der drohenden Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschheit. Aber auch, wie sie peinlich darum bemüht ist, ihre neue Regierungspleite zu übertünchen, nachdem sie in Kopenhagen vergeblich versucht hatte, als "Klimakanzlerin" zu punkten.

Vor allem in den neokolonial abhängigen Ländern bzw. den Küsten- und Inselregionen der Welt nimmt diese schon jetzt dramatische Ausmaße an. Die 15.000 Bewohner der pazifischen Inselgruppe Tuvalu haben angesichts ihrer Lage knapp über bzw. sogar unter dem Meeresspiegel schon jetzt mit regelmäßigen Überschwemmungen zu kämpfen, bei denen sich das Meer immer weiter ins Land frisst. Tuvalu gehört zur "Alliance of Small Island States" (AOSIS), deren Mitglieder bereits absehen können, dass sie in wenigen Jahrzehnten vom Meer verschluckt werden, wenn dem Übergang zur Klimakatastrophe nicht Einhalt geboten wird. Tuvalus Präsident gehörte in Kopenhagen zu den schärfsten Kritikern der imperialistischen Umweltpolitik.

Bangladesh, Burma und Honduras waren in den vergangenen Jahre am stärksten von Wetterkatastrophen betroffen, gefolgt von Vietnam, Nicaragua, Haiti, Indien, der Dominikanischen Republik und den Philippinen. Hunderttausende wurden in Bangladesch und Burma in den letzten Jahren bereits Opfer verheerender Wirbelstürme und Überschwemmungen. Auch in Afrika nehmen Überschwemmungskatastrophen und gleichzeitig Dürreperioden zu. Zurecht warnte der sudanesische Delegierte in Kopenhagen vor Millionen Toten in Afrika in den nächsten Jahren.

Die EU-Umweltminister hatten auf ihrer gestrigen Konferenz nichts Besseres zu tun, als mit dem Finger auf alle möglichen anderen Staaten zu zeigen, die angeblich für das Scheitern von Kopenhagen verantwortlich sind. Es reiche nicht aus, dass "Europa den anderen nur mit Argumenten begegnet", meinte scheinheilig der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Als ob die Reden der EU-Vertreter sich von denen anderer imperialistischer Länder wesentlich unterschieden hätten. Kanzlerin Merkel lehnte höchstpersönlich vor dem Gipfel weitere Zugeständnisse ab, nachdem BDI-Chef Hans-Peter Keitel vor Konkurrenznachteilen gewarnt hatte, wenn "unerreichbare Reduzierungsziele" festgelegt würden.

Tatsächlich waren die EU-Länder zusammen mit den USA und China maßgeblich verantwortlich für das Desaster der Konferenz. In seinem neuen Interview mit der "Roten Fahne" kommt der Vorsitzende der MLPD, Stefan Engel, zu dem Schluss: "Das Spektakel von Kopenhagen demonstriert das offene Scheitern des imperialistischen Ökologismus. Dieser imperialistische Ökologismus versucht das Umweltproblem als Plattform für den imperialistischen Konkurrenz- und Machtkampf zu nutzen. ... Die heuchlerische Floskel von der Vereinbarkeit von Umweltschutz und Wirtschaft entpuppt sich als schnöde Unterwerfung der Rettung der Umwelt unter die Profitinteressen der Monopole." (vollständiger Interview-Text)

Die Rettung der Umwelt vor der Profitgier kann nur durch eine internationale Widerstandsfront erfolgen. Auch dafür war Kopenhagen in mehrfacher Hinsicht ein Signal. Dafür stehen die über 200.000 Demonstranten aus aller Welt, die sich dort die Hände reichten. Aber auch das mutige und engagierte Auftreten neokolonial abhängiger Länder gegen die imperialistischen Länder und insbesondere die USA. Und schließlich der zunehmend internationalistische Geist vieler Umweltaktivisten.