Politik

Schöne Bescherung bei der Deutschen Bahn ...

Schöne Bescherung bei der Deutschen Bahn ...

24.12.09 - Anstatt Weihnachten bei der Familie oder im Urlaub zu sein, verbringen viele Menschen die Zeit mit Warten auf die Bahn. Ausgerechnet im Weihnachtsverkehr fällt bis zum Sonntag jeder zweite ICE von Berlin über Leipzig nach München aus. Verspätungen, stundenlanges Warten und übervolle Züge sind die Folgen für Tausende Reisender. Zur Begründung hieß es, die Züge müssten wegen des Winterwetters besonders intensiv gewartet werden. "Alle reden vom Wetter. Wir nicht." Mit diesem Slogan stellte die Bundesbahn in den 1960er-Jahren ihre Vorzüge gegenüber anderen Verkehrsmitteln heraus. 30 Weihnachten später ist die Deutsche Bahn in Erklärungsnot.

Ein Bahnsprecher erklärte, die Fahrzeuge der neuen "Neigetechnik-Baureihe" (ICE T)seien nicht so gebaut, dass sie diesen sibirischen Temperaturen standhalten. Die Wasser- und Abwasserleitungen der Züge seien für Minustemperaturen von 15 bis 20 Grad nicht ausgelegt. Der Pulverschnee würde außerdem durch die Lüftungsgitter flutschen und die elektrischen Bauteile in Mitleidenschaft ziehen. Da fragen sich nicht nur die Kunden und Beschäftigten der Bahn, warum eben diese ICE-Züge nach Russland verkauft werden, wenn sie "sibirische Temperaturen" nicht aushalten. Macht das staatlich kontrollierte Unternehmen "Deutsche Bahn" hier Testreihen auf dem Rücken der Beschäftigten und der Reisenden?

ICE-T-Hersteller Siemens behauptet zwar, dass die Kälte-Technik der Züge dieser neuen Neigetechnik-Baureihe ausgereift sei. Sie könnten bis minus 50 Grad sicher fahren. Es ist natürlich möglich, dass Siemens, um im internationalen Konkurrenzkampf nicht den Anschluss zu verlieren, eine unausgereifte Technik auf den Markt brachte. Aktuelle Meldungen aus Russland über erhebliche Mängel an den neuen ICE-Zügen bestätigen dies.

Vergleichbar mit der A-Klasse von Daimler, die seinerzeit als "Elchmobil" in die Schlagzeilen kam, weil sie bei Ausweichmanövern ins Schleudern kam und nur mit nachträglich entwickelter aufwendiger Fahrwerks-Elektronik sicheres Fahren erlaubte. Ein DB-Sprecher in Berlin erklärte, dass es bei den 67 Zügen der ICE-T-Reihe vor allem deshalb zu Ausfällen komme, weil deren Achsen nach neuen Vorgaben des Eisenbahnbundesamts viel häufiger kontrolliert werden müssen als früher.

Seit Jahren wird die Sicherheit der Züge durch Verlängerung der Wartungsintervalle und Arbeitsplatzvernichtung bei Fachpersonal in den Werkstätten weit heruntergefahren. Allein in den letzten fünf Jahren wurden bei der Bahn weit über 13.000 Arbeitsplätze vernichtet, Mitte Dezember wurde ein geplanter Abbau von weiteren 14.000 Arbeitsplätzen bekannt. Schon 1998 war nach der Katastrophe bei Eschede (Niedersachsen) nicht mehr zu verheimlichen, dass Arbeitsplatzvernichtung und Arbeitshetze in den Wartungsbetrieben den Unfall mit verursacht hatte. Bei einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde ist am ICE Wilhelm Conrad Röntgen auf der Fahrt von München nach Hamburg ein Radreifen gerissen. Der ICE entgleiste und raste gegen eine Straßenbrücke, die durch die Wucht des Aufpralls einstürzt und Teile des Zuges unter sich begrub. Es gab über 100 Tote.

Erst als es in Köln Mitte 2008 fast zu einem ähnlichen Unfall gekommen wäre, wurde der Takt der Überprüfung der Radsätze verkürzt. Wurde sie bis dahin nur alle 300.000 Kilometer vorgenommen, sollen nun vorübergehend alle 60.000 Kilometer Kontrollen gemacht werden. Dennoch behauptet die Bahn, es gäbe keine Probleme mit der Sicherheit. Man habe aber bei den betroffenen Wagen der ICE3-Züge die Belastung der Mittelachsen reduziert, indem Toiletten verschlossen und Wagen ohne Frisch- und Abwasser eingesetzt werden.

Doch die Sicherheit der ICE-Züge ist bereits so mangelhaft, dass sie Anfang 2010 in ein "RESET"-Programm zur Generalreparatur in die Betriebswerke aufgenommen werden müssen. Dafür müssen die Eisenbahner Überstunden und Urlaubssperren hinnehmen. Danach soll aber wieder mit den lebensgefährlich verlängerten Wartungsintervallen gefahren werden.

Die Deutsche Bahn will den Profit in den nächsten zwei Jahren noch um weitere zwei Milliarden Euro steigern. Dazu wird die Ausbeutung der Belegschaft weiter massiv verschärft. Der Deutschen Bahn sitzt die französiche Konkurrenz SNCF im Nacken, die in rund zwei Jahren auch Fernverbindungen mit Intercity-Standard innerhalb Deutschlands anbieten will. In diesem kapitalistischen Konkurrenzkampf wird auf die Sicherheit der Fahrgäste und auf die Belastungen der Beschäftigten immer weniger Rücksicht genommen. Der Weihnachtsbescherung bei der Deutschen Bahn werden mit Sicherheit noch weitere Überraschungen folgen.