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An ihren Händen klebt Blut - Die Deutsche Bank im Faschismus

(Artikel aus "Rote Fahne" 47/09)

Die Deutsche Bank gehörte zu den wesentlichen Finanziers und Haupt-Profiteuren der faschistischen Hitlerdiktatur und des II. Weltkrieges. Das weist der „OMGUS-Untersuchungsbericht“ (Office of Military Government for Germany, United States) der „Finanzkommission der US-Militärregierung in Deutschland“ von 1946/47 auf über 400 Seiten nach.

Die Deutsche Bank, so heißt es dort, „benutzte ihre gewaltige Macht in der deutschen Wirtschaft, um bei der Durchführung der verbrecherischen Politik des Nazi-Regimes auf wirtschaftlichem Gebiet mitzuwirken“. Die Bank, die während des II. Weltkrieges zur größten in Europa aufstieg, hat „das Reich mit riesigen Fonds für Wiederaufrüstungszwecke“ versorgt. Sie hat „mit großer Aggressivität“ ihre Macht auf die von Deutschland annektierten Gebiete ausgedehnt und von der „Arisierung“ jüdischen Besitzes profitiert. „Es wird empfohlen“, so heißt es im Vorwort, „dass die Deutsche Bank liquidiert wird“. Die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank sollten „angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden, die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden“.

Einer dieser Verantwortlichen war Hermann Josef Abs. Am 1. Januar 1938 wurde er in den Vorstand der Deutschen Bank berufen. Abs verfügte über weitreichende Erfahrung mit Auslandsgeschäften und genoss das Vertrauen der Nazi-Führer, denen er auch finanzielle Mittel zufließen ließ. So erhielt SS-Chef Himmler jährlich 70.000 Reichsmark von der Deutschen Bank. Vielleicht als Dank für die guten Geschäfte mit den Konzentrationslagern.

Die Deutsche Bank hat sich mit vollem Wissen ihres Vorstandes an der Finanzierung des Konzentrationslagers Auschwitz beteiligt. Sie vergab u.a. Kredite für den Bau des Buna-Werks der IG Farbenindustrie AG, in deren Aufsichtsrat Abs ebenfalls Mitglied war, und für Baustellen der Waffen-SS in Auschwitz. Durch seinen Aufsichtsratsposten bei den IG Farben zog Abs auch Profite aus der Produktion des Gases Zyklon B, das von einer Tochterfirma der IG Farben hergestellt wurde und mit dem Millionen Menschen in den Konzentrationslagern umgebracht wurden. Ferner vergab die Deutsche Bank – und in seiner dortigen Funktion auch Hermann Josef Abs – Kredite an Firmen, die in Auschwitz die Krematorien, Rampen und Baracken bauten. Dabei verdiente die Bank, und mit ihr auch ihre Vorstandsmitglieder, nicht nur an den Krediten, sondern auch an der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und dem Verkauf des zu handelsüblichen Goldbarren umgeschmolzenen Zahngoldes von Millionen ermordeter Menschen.

Abs hatte enge Kontakte zum Reichswirtschaftsministerium, saß selbst im Beirat der Reichsbank und gehörte verschiedenen Ausschüssen der Reichswirtschaftskammer an. Bei der „Arisierung“ jüdischer Unternehmen im In- und Ausland hatte Abs maßgeblich seine Finger im Spiel. Es war ein risikoloses Geschäft. Juden wurden gezwungen, ihr Unternehmen zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes zu verkaufen. Den Käufern, häufig leitenden Angestellten, gab die Bank die erforderlichen Kredite. Die Bank verdiente zum einen an dem Darlehen, zum anderen gewann sie die nun „arisierte Firma“ als neuen Kunden.

Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank übten durch Aufsichtsratsposten Kontrollfunktionen in Firmen der Rüstungsproduktion aus wie bei Bosch, Siemens, Krupp, Mannesmann, Daimler Benz und BMW. Abs selbst hatte Aufsichtsratsposten u. a. bei den IG Farbenindustrie AG und der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken AG. Alle diese Firmen beschäftigten Zehntausende Zwangsarbeiter. Misshandelt und unterernährt, überlebten viele diese Arbeit nicht.

Von 1939 bis 1944 steigerte die Deutsche Bank ihr Geschäftsvolumen um 171 Prozent. Kaum war die faschistische deutsche Wehrmacht in Österreich einmarschiert, reiste Bankier Abs mit einer Schar seiner leitenden Angestellten nach Wien, um sich die Kontrolle über den „Creditanstalt-Bankverein“ zu sichern. Nach Bildung des Protektorats Böhmen und Mähren übernahm die Deutsche Bank die Böhmische Union-Bank. Nach dem Überfall auf Polen entstanden Deutsche-Bank-Filialen in Gotenhafen, Bielitz, Teschen, Posen, Lodz und Krakau. Auf diese Weise breitete sich die Deutsche Bank in ganz Europa aus.

Abs und die anderen führenden Bankiers wurden nach 1945 nie zur Rechenschaft gezogen. Nach Gründung der Bundesrepublik wurde Abs wieder Vorstand bei der Deutschen Bank und stellvertretender Vorsitzender der „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW). Obwohl seine verbrecherische Rolle im Zusammenspiel mit den Hitlerfaschisten historisch belegt ist, wurde Abs am 14. Oktober 2001 in Bonn zum 100. Geburtstag durch Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann öffentlich geehrt.