Jugend

Zehntausende beim Gedenken an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

Zehntausende beim Gedenken an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

10.01.10 - Eiseskälte und Schneetreiben hielt zahlreiche Menschen auch dieses Jahr nicht davon ab, sich an der größten Manifestation für den Sozialismus in Europa zu beteiligen. Bis zu 15 Stunden Anfahrt nahmen beispielsweise Teilnehmer aus Stuttgart auf sich. Insgesamt waren zum Gedenken an die ermordeten Revolutionäre Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sowie den Führer der russischen Oktoberrevolution, W.I. Lenin, mehrere Zehntausend nach Berlin gekommen. Um die 10.000 Teilnehmer, vor allem Jugendliche, hatte die Demonstration, die um 10 Uhr am Frankfurter Tor startete.

Dabei waren Mitglieder und Anhänger der MLPD und des Jugendverbands REBELL, der Linkspartei, der DKP und der SDAJ, der SAV, verschiedener Migrantenorganisationen, der VVN und anderer antifaschistischer Bündnisse, Montagsdemonstranten aus vielen Orten, Mitglieder des Frauenverbands Courage, von "Solidarität International", Gewerkschafter und auch internationale Teilnehmer aus den verschiedensten Ländern.

LLL 2010 FronttransparentEin breites Bündnis prägte die Demonstration, politisch stand im Mittelpunkt besonders das gemeinsame Anliegen gegen den imperialistischen Krieg in Afghanistan und der Protest dagegen, dass im Rahmen der sogenannten "Terrorismus"-Bekämpfung verstärkt gegen linke Kräfte vorgegangen wird.

Die Berliner Straßen-Rockband "Nümmes" und ihr "LLL-Rap" ("Karl, Rosa, Wladimir – für unsere Zukunft kämpfen wir") sowie Einlagen der Trommler-Gruppe des Jugendverbands REBELL wärmten die Demonstranten im einem gemeinsamen Block von MLPD, REBELL und mehreren Migrantenorganisationen schon mal auf. 

Die kämpferische Demonstration durch das verschneite Berlin verfolgten viele Menschen an den Fenstern und auf der Straße mit Sympathie. Immer wieder blieben Passanten stehen, klatschten Beifall und stimmten in revolutionäre Lieder ein.

LLL 2010 KranzniederlegungAls der Demonstrationszug an der "Gedenkstätte der Sozialisten" ankam, traf er dort mit den Menschen zusammen, die schon seit dem Vormittag Kränze und Blumen an den Gräbern der ermordeten Revolutionäre nieder gelegt hatten. Auch jetzt noch strömten Tausende zur Gedenkstätte. Stefan Engel, der Vorsitzende der MLPD, legte dort zusammen mit Vertretern internationaler revolutionärer Organisationen, des REBELL und der Kinderorganisation ROTFÜCHSE ebenfalls einen Kranz nieder.

Anschließend eröffnete Andrew Schlüter, der Vorsitzende des Landesverbands Nord-Ost der MLPD, die Kundgebung auf dem Friedhofsvorplatz. Er begrüßte vor allem die internationalen Teilnehmer, die teilweise selbst zu Wort kamen. Grüße überbrachte ein Besucher aus Venezuela auch im Namen von Gästen aus Nepal, Südafrika, Russland und der Ukraine. Es sprachen Vertreter aus Norwegen und aus Italien. Aber auch ein Jugendlicher der BIR-KAR-Jugend, ein Vertrauensmann von Opel Bochum sowie ein Sprecher der Berliner Montagsdemo. Außerdem gab es schwungvolle Musik der Hamburger Band "Pepperoni" sowie eines Kölner Liedermachers, zu deren Rhythmen man sich noch mal richtig warm tanzen konnte.

LLL 2010 KundgebungJulia Scheller vom Jugendverband REBELL erinnerte daran, dass das vergangene Jahr ein Jahr der Schüler- und Studentenproteste und der auflodernden Rebellion der Jugend war. Damit es nicht bei auf- und abschwellenden einzelnen Protesten bleibt, müsse sich die Jugend aber dauerhaft organisieren. Das könne man vor allem von den drei großen Revolutionären lernen. Dieter Ilius vom Zentralkomitee der MLPD führte aus: „Während heute alle materiellen Voraussetzungen vorhanden sind, dass kein Mensch auf der Welt hungern oder in Slums leben müsste, zeigt die gegenwärtige Weltwirtschafts- und Finanzkrise die ganze Fäulnis des kapitalistischen Weltsystems. Besonders die Jugend ist davon betroffen. Sie ist jedoch auch die lebendigste und aktivste Kraft, um die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Rebellion ist gerechtfertigt!“

Dieter Ilius prangerte die Kontenkündigung gegenüber der MLPD und ihrem Vorsitzenden Stefan Engel an und forderte zur Solidarität auf, was in vielen Gesprächen auf positive Resonanz stieß. 

Am Ende der Kundgebung nahm die Berliner Polizei einen Teilnehmer der "Freien Deutschen Jugend" (FDJ) fest, mit der Begründung, seine Organisationsfahne sei "verboten". Zurecht wurde eine spontane  Solidaritätskundgebung für die Freilassung des Verhafteten organisiert.

Am Vortag fand am Nachmittag eine Stadtrallye von MLPD mit dem REBELL auf den Spuren des Kapp-Putsches von 1920 statt. Am selben Abend gab es dann ein begeisterndes internationales Kulturfest mit circa 300 Teilnehmern von MLPD, REBELL, internationalen Delegationen und  Migrantenorganisationen, die sich auf die Ehrung der Revolutionäre und die heutige Demonstration einstimmten.