Betrieb und Gewerkschaft

"Da bin ich nicht mehr friedlich!" - "Hafen zu! Hafen zu! Hafen zu!"

"Da bin ich nicht mehr friedlich!" - "Hafen zu! Hafen zu! Hafen zu!"
Demonstration der Hafenabeiter am 14. Januar in Bremen, Foto RF

16.01.10 - In einer Korrespondenz aus Bremen wird heute an "rf-news" berichtet:

"Am Donnerstag demonstrierten etwa 400 bis 500 Hafenarbeiter des GHB (ein dem Hafen angehöriger Leiharbeiterpool, den es seit 60 Jahren gibt) und der BLG Logistik aus Bremen und Bremerhaven vor dem GHB-Gebäude in Bremen. Bei der BLG-Autotec wurden die Löhne im Autoterminal auf neun Euro gedrückt - davon sind bereits 74 Kollegen des BLG betroffen, deren befristete Arbeitsverträge ausgelaufen waren und dann nur noch zum niedrigen Fahrertarif wieder eingestellt wurden. Damit sollte ebenso Druck auf den GHB gemacht werden, um auch diesen Kollegen nur noch 9 statt 13 bis 14 Euro zu zahlen.

Von den ursprünglich 2.800 Arbeitsplätzen beim GHB wurden bereits 1.000 vernichtet und mehr als 1.100 sind von Lohndumping betroffen. Die Verhandlungen zwischen dem Verband der Bremischen Seehäfen und Verdi endeten ohne Ergebnis. Die Stimmung unter den Hafenarbeitern war geprägt von Stolz, Angriffslust und Wut auf die Hafenkapitalisten, die Politiker und die rechte Gewerkschaftsführung, was sie mit Silvesterknallern auf der Straße und Schneebällen gegen Fensterscheiben unmissverständlich zum Ausdruck brachten. Ein Kollege bekam Beifall für seinen Zwischenruf: 'Wir sind Hafenarbeiter! Das ist Hafenarbeit und soll Hafenarbeit bleiben - das kann man nicht verhandeln!'

Die Erinnerung an den länderübergreifenden Kampf gegen das 'PortPackage' wurde wach und die Kollegen durchschauen, dass es ein billiger Versuch ist, sozusagen durch die Hintertür und mit der Methode der Spaltung diese Pläne doch noch umzusetzen. In ihrem Kampf stellen die Kollegen nicht nur Forderungen im Kampf um ihre Arbeitsplätze und Löhne, sondern nehmen bewusst auch die Politik ins Visier. (...)

Die MLPD unterstützt den Kampf den Hafenarbeiter und bot ihre Broschüre 'Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen' an, die auf Interesse stieß, wenn es um die Frage ging, dass man für einen erfolgreichen Kampf eine starke Organisation und theoretische Klarheit braucht. Ebenso offen wurde auch über den echten Sozialismus als gesellschaftliche Alternative und darüber, wie man eine Restauration des Kapitalismus verhindern kann, diskutiert.

Im Herbst des letzten Jahres fand der zweite internationale Hafenarbeiter-Erfahrungsaustausch in Rotterdam statt, an dem Hafenarbeiter aus Rotterdam, Amsterdam, Bremerhaven/Bremen, Hamburg und Lübeck teilnahmen. Dort wurden richtungsweisende internationale Forderungen aufgestellt:

'Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz mit Löhnen, von denen man in Würde leben kann! Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - Flächentarifverträge nach dem Prinzip ein Betrieb ein Vertrag! Ablehnung bzw. Rücknahme von Verschlechterungen!

Umwandlung aller befristeten Arbeitsverträge, Zeitarbeitsverträge und Leiharbeit in Festanstellungen. Abschaffung der Unständigen Arbeit und 'Rote Karten' - nie wieder Tagelöhnerei!

Wir kämpfen um eine bessere Zukunft für unsere Familien und besonders die Jugend und wenden uns darum bewusst an die Jugend. Freunde des Kampfs der Hafenarbeiter sind uns herzlich willkommen. Wir sind bereit, uns mit anderen Belegschaften auf der Grundlage des gemeinsamen Kampfes zusammenzuschließen.

Wir fordern und setzen uns für Gewerkschaften ein, die demokratisch und kämpferisch die Interessen der Arbeitnehmer vertreten.

Wir sind weltanschaulich offen, weil der Gedanke nach einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung jenseits des Kapitalismus unseren tagtäglichen Kampf belebt und eine Perspektive gibt.'

Der dritte Erfahrungsaustausch soll in diesem Herbst in Bremerhaven stattfinden."