Umwelt

Sehenden Auges in den Atommüll-GAU?

15.01.10 - Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) will den Atommüll aus dem Salzbergwerk Asse herausholen: "Nach jetzigem Erkenntnisstand … erscheint die vollständige Rückholung als die bevorzugte Variante für die Stilllegung von Asse", sagte er der "Braunschweiger Zeitung". Ein Gutachten des Bundesamtes für Strahlenschutz empfiehlt die Endlagerung im Schacht Konrad bei Salzgitter. "Hier wird der Teufel mit Beelzebub ausgetrieben", kommentiert Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg in einem Gespräch mit "rf-news". "In Asse herrscht eine katastrophale Situation - aber die Krux ist: Auch die Grube Konrad ist überhaupt nicht sicher!"

Seit 1967 wurde in dem ehemaligen Salzbergwerk Asse Atommüll eingelagert, 126.000 Fässer mit mindestens 28 Kilogramm hoch giftigem und stark strahlendem Plutonium sowie über 100 Tonnen Uran. Bis heute gibt es keine genauen Informationen, was da wirklich alles vor sich hinrostet. Seit Jahren säuft das Bergwerk ab, täglich kommen mindestens 12 Kubikmeter Salzlauge hinzu, - davon sind viele Fässer schon verrottet.

"Ein weltweit einmaliges Debakel", schreibt der "Kölner Stadtanzeiger" heute. Erst gestern hatte Forschungsministerin Annette Schavan vor dem Asse-Untersuchungsausschuss in Hannover noch wörtlich erklärt, "dass man ein ausgedientes Bergwerk nicht zur Einlagerung von Atommüll nutzen kann", - und heute soll genau das Gegenteil gelten?

Rücksichtslos werden im Interesse der Milliarden-Profite der Energie-Monopole die Atomkraftwerke weiter betrieben - sehenden Auges und ohne jede Verantwortung für die Zukunft wird die Atommüll-Katastrophe immer größer! Selbst die Stilllegung von Schrott-Reaktoren wie Neckarwestheim I, das nach dem geltenden Atomgesetz im Frühjahr abgeschaltet werden müsste, steht offenbar wieder in Frage.

Bundeskanzlerin Merkel bekräftigte: "Wir werden die Verlängerung der Laufzeiten (der Atomkraftwerke) umsetzen" ("Handelsblatt", 14.1.10). Dazu will die Reigerung ein "energiepolitisches Gesamtkonzept" erarbeiten, Umweltminister Röttgen führt darüber bereits Gespräche - nicht etwa mit der betroffenen Bevölkerung, sondern mit den Energiekonzernen. (Wie tödlich diese Politik enden kann, darüber gibt der Bericht eines Tschernobyl-Rettungsarbeiters in der aktuellen "Roten Fahne" Auskunft - er ist der letzte Überlebende aus seiner Rettungs-Gruppe.)

Nicht nur, dass mit dem rücksichtslosen Verschieben des Atommülls Leben und Gesundheit der Bevölkerung massiv gefährdet werden: "Die Zeche zahlen die armen Steuerzahler und Stromverbraucher, eine mehr als bittere Pille", sagt Wolfgang Ehmke gegenüber "rf-news". Denn "weit über eine Milliarde haben die Konzerne in Zeche Konrad schon reingesteckt - ist in unserem Strompreis enthalten. Und der Transport von Asse nach Konrad wird weitere schätzungsweise vier Milliarden Euro kosten - das zahlt der Steuerzahler." Auf diese Politik gibt es nur eine Antwort: Den Widerstand verstärken zur sofortigen Abschaltung aller Atomkraftwerke auf Kosten der Betreiber! 

Morgen, Samstag, findet um 15 Uhr bei der IG Metall in Hannover eine bundesweite Beratung von Atomkraftgegnern statt; denn viele Belegschaften aus der Umgebung der Bergwerke haben sich der Stilllegungsforderung angeschlossen. Am 24./25. April sind Protest-Aktionen zum Jahrestag von Tschernobyl geplant.