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Selbständiger Streik bei Daimler in Bremen

Selbständiger Streik bei Daimler in Bremen

22.01.10 - Heute fand in Bremen ein selbständiger Streik statt. Die Kollegen des Südwerkes, wo vor allem der SL und der SLK gefertigt werden, marschierten zum Nordwerk und trafen dort mit den Kollegen der C-Klassen- und CLK-Produktion zusammen. Um 12.30 Uhr wälzte sich dann ein Strom von mindestens 2.000 Kollegen zum Tor 8 hinaus. Der Demozug ging einmal um das halbe Werk. Nach etwa einer Stunde fand dann vor Tor 1 eine Abschlusskundgebung statt. Wie es weiter geht, ist noch nicht entschieden. Ein Korrespondent aus Bremen berichtet:

"Im Radio war gegenüber der Öffentlichkeit berichtet worden, den Kollegen ginge es darum, die gleiche Betriebsvereinbarung wie in Sindelfingen zu erzielen, die betriebsbedingte Kündigungen bis 2020 ausschließt. So sieht das auch ein großer Teil des Betriebsrates. Vielen Kollegen geht das aber nicht weit genug: Nicht nur, dass solche Betriebsvereinbarungen jede Menge Schlupflöcher lassen, wonach unter dem Vorwand einer unvorhergesehenen ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung davon abgewichen werden kann und eben doch Kollegen entlassen werden können.

Streik Daimler Bremen 22.1.10 2Doch auch ohne betriebsbedingte Kündigungen wurde die Belegschaft ständig verringert. In Bremen waren das rund 6.000 Kollegen in den letzten zehn Jahren. Die Kollegen wissen oder ahnen auch, dass wenn erst die Montage des SL weg ist - sie soll laut Beschluss des Daimler-Vorstandes nach Sindelfingen - bald die ganze SL-Produktion und damit Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet sind.

Das Ringen darum, machen wir 'nur' einen Warnstreik zur Begleitung der Verhandlungen um einen Beschäftigungssicherungsvertrag oder streiken wir selbstständig bis das Ziel 'Der SL bleibt in Bremen' erreicht ist, ist noch nicht entschieden. In den letzten Wochen war eine zunehmende Kampfbereitschaft immer spürbarer. Dazu beigetragen hat auch die Erkenntnis, dass die Krise nicht so spurlos vorbeigehen wird, wie es im letzten Herbst seitens der Regierung und der Konzernleitung suggeriert worden war. Des weiteren hatte die ständige Zunahme der Arbeitshetze und der Freitod mehrerer Beschäftigter in offensichtlichem Zusammenhang damit, für Unruhe gesorgt.

Streik Daimler Bremen 22.1.10 3Der erfolgreiche Kampf gegen die Abmahnung eines Vertrauensmannes, der diesen Zusammenhang auf einer Betriebsversammlung angesprochen hatte und dafür abgemahnt worden war, stärkte die kämpferische Strömung ("rf-news" hatte berichtet). Die Kollegen haben die Erfahrung noch frisch in Erinnerung, dass ein Solidaritätskreis mit breiter Öffentlichkeitsarbeit die Konzernleitung dazu brachte, entgegen ihrer eindeutigen Anordnung 'Abmahnungen werden nicht zurückgenommen' diese unter dem Eindruck unserer Kampfentschlossenheit eben doch zurückzunehmen.

Bremen 22.1.2010Von der MLPD wurde ein Flugblatt verteilt mit der Überschrift 'SL muss bleiben! Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz!' und zu einer Veranstaltung am nächsten Tag eingeladen. Die MLPD Bremen stellte für die Kollegen auch eine Lautsprecheranlage mit 'offenem Mikrofon' zur Verfügung. In einem Grußwort beglückwünschte sie die Kollegen zu ihrem Streik. Weiter wurde darin vom Streik in Antwerpen berichtet, dass die Kollegen in Sindelfingen im Dezember auch nicht lange gefackelt haben und daran erinnert, dass der siebentägige selbstständige Streik bei Opel Bochum 2004 die Werksschließung verhinderte."

Veranstaltung der MLPD: Automobilarbeiter kämpfen International!

  • Samstag, 23. Januar 2010 um 19.30 Uhr
  • in der Gaststätte "Kleggs", Hastedter Heerstraße 495 in Bremen

Über die weitere Entwicklung in Bremen werden wir berichten.