International

Lateinamerikanische Länder kritisieren US-Besatzung von Haiti

22.01.10 - Mehrere Regierungen und Politiker lateinamerikanischer Länder kritisieren die Entsendung der US-amerikanischen Kampftruppen. So warnte der bolivianische Vizepräsident Alvaro García Linera davor, dass die US-Militärpräsenz schnell zu einer "permanenten Besatzung" werden könne. Am Dienstag hatte der Politiker in Port-au-Prince eine Sendung humanitärer Hilfe begleitet. "Wir sind über diese US-amerikanische Militärintervention besorgt, weil dort Truppen sind, die keine Hilfsaktionen ausführen, die keine Leben retten, keinen Schutt beseitigen, keine Leichen bestatten", so García Linera. Ähnliche Kritik kam aus Venezuela und Nicaragua.

Vor dem Erdbeben hatten die USA 60 Armeeangehörige in Haiti stationiert, inzwischen ist ihre Zahl auf mehr als 7.000 angewachsen. US-Generalstabschef Mike Mullen gibt die Zahl der mobilisierten Soldaten mit "9.000 bis 10.000" an. Es wurden unter anderem Kriegsschiffe, Flugzeugträger und eine Fregatte entsandt. 2.000 Mitglieder des Marine-Corps sind auch darin ausgebildet, gegen Unruhen vorzugehen.

Die internationale Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" beklagt die Behinderung ihrer Arbeit in Haiti: "Dreimal musste etwa ein Flug mit wichtigen Materialien zum Aufbau unseres mobilen Krankenhauses wieder umkehren, obwohl er eine Landeerlaubnis in Port-au-Prince hatte. Erst wurde die Größe des Flugzeugs bemängelt und wir mussten in die Dominkanische Republik fliegen, um Teile der Lieferung dort auszuladen. Trotzdem wurde uns aus unbekannten Gründen danach wieder die Landung in Haiti verweigert. Das zeigt, dass dort falsche Prioritäten gesetzt werden, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht richtig sein können, weil viele tausend Menschen dringend unsere Hilfe brauchen. Zudem sind viele unserer Materialien nicht angekommen, sodass unsere Ärzte und Schwestern unter schwierigen Bedingungen improvisieren müssen. Es kann kein Zustand sein, dass Amputationen mit normalen Sägen vom lokalen Markt durchgeführt werden müssen, weil die chirurgischen Instrumente fehlen. Und wir haben etwa nicht genug Schmerzmittel für Menschen vor und während einer Operation. Das darf und muss so nicht sein."

Artikel, Nachrichten, Bilder, Stimmen, Interviews zur Lage in Haiti nach der Erdbeben-Katastophe und zu den Hintergründen - in der aktuellen Print-Ausgabe der Roten Fahne, darunter:

  • Haiti: Ist das die "selbstlose Hilfe" der USA?
  • "Sie wollen Haiti unter ihre Vormundschaft stellen" - Interview mit Vertretern der "Neuen Kommunistischen Partei Haitis"
  • Auszug aus der Resolution des 13. Internationalen Seminars "Probleme der Revolution in Lateinamerika" (Quito, 17. Juli 2009)
  • Erdbebenvorhersage - Profitprinzip verhindert umfassende Nutzung
  • Haiti - eine stolze Geschichte des Freiheitskampfs

Für alle, die die Katastrophe und der Kampf der Menschen ums Überleben bewegt, die helfen wollen, die Argumente und Nachrichten brauchen (aus einem militärisch besetzten Land wird im Fernsehen schon gar nicht die Wahrheit berichtet):

Unentbehrlich - die neue "Rote Fahne" 3/2010