Umwelt

"Grüne Woche" - weltgrößte Schau der Agrar- und Ernährungsindustrie - weltweit hungern eine Milliarde Menschen

18.01.10 - Zum 75. Mal findet zur Zeit in Berlin die "Grüne Woche" statt. Sie ist mit 400.000 Besuchern die weltgrößte Schau der Agrar- und Ernährungsindustrie. Vor der Messe hat ein Agrarministergipfel mit Teilnehmern aus 50 Ländern stattgefunden. Auf einem Kongress am Rande der "Grünen Woche" machte die Agrarindustrie deutlich, wie sie das Welternährungproblem für die Erzielung von Maximalprofit nutzen will. Stefan Marcinowski, Vorstandsmitglied des Chemiekonzerns BASF, forderte eine "zweite grüne Revolution" zur Steigerung der  Produktivität in der Landwirtschaft durch Dünger, Pestizide, Mechanisierung, Züchtung und vor allem durch gentechnisch verändertes Saatgut. In den nächsten drei Jahren will BASF die erste trockentolerante genmodifizierte Maispflanze, die gemeinsam mit Monsanto entwickelt wurde, in den USA auf den Markt bringen. Das sei der große Zukunftsmarkt.

Über den vom Agrargipfel geforderten Ausbau des Klimaschutzes in der Landwirtschaft wurden keine konkreten Vereinbarungen getroffen. Der Tenor ist jedoch, die Klein- und Mittelbauern dafür verantwortlich zu machen statt die Lebensmittel- und Agrarindustrie in die Pflicht zu nehmen und wirksame Maßnahmen auf Kosten ihrer Profite durchzusetzen. So verkündete Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: "Um im Jahr 2050 alle Menschen auf unserem Planeten mit Lebensmitteln zu versorgen, muss das verfügbare Angebot an Lebensmitteln um 70 Prozent gesteigert werden. Andererseits müssen wir aber auch alles daran setzen, die Klimabelastungen zu begrenzen. Die Landwirte sind Verursacher und Leidtragende auf der anderen Seite zugleich."

Es ist doch absurd, dass angeblich eine Steigerung der Lebensmittelproduktion nur durch die weitere Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen möglich sei. Die UN-Organisation FAO errechnete, dass angesichts der heute weltweit produzierten Nahrungsmittel jeder Mensch täglich 2.800 Kilokalorien verbrauchen könnte - eine Menge, die nur hart arbeitende Menschen benötigen. Tatsächlich jedoch stieg die Zahl der Hungernden allein im letzten Jahr um weitere 105 Millionen auf 1,02 Milliarden.

Schätzungen gehen davon aus, dass mit etwa 350 Milliarden US-Dollar der Hunger hätte beseitigt werden können, es wären lediglich 0,6 Prozent des verbrannten Kapitals aus der Weltwirtschafts- und Finanzkrise gewesen. Mit Nahrungsmittelexporten zu Dumpingpreisen unter anderem aus der EU wurden weltweit regionale Märkte in den Entwicklungsländern zerstört und diese von Nahrungsmittelimporten abhängig gemacht. Daher kommt das eigentlich Hungerproblem. Agrarflächen werden von Konzernen oder imperialistischen Staaten aufgekauft, um dort Energiepflanzen anzubauen. Palmölplantagen in den Tropen zerstören mehr und mehr den Regenwald. Diese Energiepflanzen-Produktion, mit denen wieder BASF und Co. Maximalprofite machen, werden dann als "Klimaschutz" verkauft.

Die EU-Agrarpolitik im Bereich der Milchwirtschaft zeigt, dass mit Klimaschutz nicht etwa gemeint ist, die bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten. Die Milchquote soll nach wie vor ab 2015 abgeschafft werden, was den Ruin für Tausende Klein- und Mittelbauern in der EU bedeuten würde. Dagegen wehrt sich der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter. Seiner Tagung am 23. Januar wünschen wir viel Erfolg.

Die MLPD unterstützt den Kampf der kleinen und mittleren Bauern unter anderem mit der Forderung nach höheren Erzeugerpreisen für Klein- und Mittelbauern auf Kosten der Profite von Handels- und Lebensmittelmonopolen!