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"Wenn ich die furchtbaren Bilder sehe ..."

19.01.10 - "rf-news" dokumentiert ein Statement eines Ingenieurs aus Oberhausen zur Erdbebenkatastrophe von Haiti:

"Wenn ich die furchtbaren Bilder sehe, erinnere ich mich an den 17. August 1999. Damals leistete ich meinen Militärdienst in der Türkei, als nachts gegen 0.30 Uhr das schwerste Erdbeben seit 100 Jahren im Umkreis von Istanbul war. Alleine in der 15-Millionen-Metropole Istanbul wurden über 130.000 Häuser zerstört, ganze Stadtteile waren unpassierbar, offiziell kamen alleine in Istanbul 17.000 Menschen ums Leben.

Ich war bei den Bergungsarbeiten dabei und werde die furchtbaren Bilder nie vergessen können. Die Zahlen wurden gefälscht, weil in der Bevölkerung eine ungeheure Wut herrschte auf die Baufirmen, die ohne entsprechende Statik mit Billigbaustoffen Häuser bauten, die wie Streichhölzer zerbrachen. Es waren aber mindestens 45.000 Opfer, alleine in Istanbul.

Was ich jedoch überhaupt nicht nachvollziehen kann, wieso auf Haiti sich die Hilfe für die Bevölkerung so verzögert. Auch bei uns in Istanbul war die Infrastruktur zerstört, aber die Versorgung mit Wasser und medizinischer Hilfeleistung wurde dennoch sofort angepackt. Das türkische Militär war in keinster Weise auf so eine Katastrophe vorbereitet, aber mit Hubschraubern wurden die unpassierbaren Strecken überwunden. Wir haben Mittel und Wege gefunden, die Verletzten zu versorgen, auch mit Unterstützung anderer Länder.

Ich habe den Eindruck, dass den USA mehr Sorge bereitet, wie sie das Volk auf Haiti unterdrücken können, als ihnen zu helfen. Die unermessliche Armut ist eine Folge der Ausplünderung dieses Landes, vor allem durch die USA. Und nicht - wie es am Sonntag in der Sondersendung mit Anne Will in der ARD behauptet wurde - durch die Probleme zwischen Mulatten und Schwarzen zu erklären. Im Fernsehen kommen jetzt immer mehr Berichte über Plünderungen und bewaffnete Banden.

Natürlich wird es so etwas geben. Aber die Reaktion in der Bevölkerung ist absolut verständlich, ihnen bleibt doch nichts anderes übrig als mit der Waffe in der Hand Lebensmittel zu besorgen."