International

Betriebsversammlungen bei Opel in Antwerpen mit europäischer Beteiligung

26.01.10 - Bei den beiden Betriebsversammlungen im Antwerpener Opel-Werk in der Früh- und Spätschicht nahmen heute Abordnungen aus allen europäischen Werken, insgesamt rund 100 Kollegen, teil - zumeist jedoch in kleineren Delegationen. Sie machten deutlich, dass die Pläne von General Motors zur Werkschließung auf massiven Widerstand stoßen werden. Der Gedanke des europaweiten Zusammenschlusses findet unter den Belegschaften viel Anklang.

Dessen ungeachtet gibt sich der von General Motors eingesetzte neue Opel-Chef Nick Reilly forsch und erklärte heute gegenüber den Medien, der Plan zur Vernichtung von 8.300 Arbeitsplätzen sei grundsätzlich fertig. Er hoffe, ihn in drei Wochen "finalisieren" zu können. Kommenden Montag sei ein erster Termin mit den Betriebsräten angesetzt, denn diese müssten den mit den Entlassungen verbundenen Lohnsenkungen in Höhe von 265 Millionen Euro noch zustimmen. Reilly will außerdem "Staatshilfen" in Höhe von 2,7 Milliarden Euro für Investitionen in neue Modelle. In den nächsten zwei Jahren sollen 80 Prozent der Produktpalette von Opel ersetzt werden. Dabei soll der Ausbeutungsgrad in den Betrieben, die Produktion pro Beschäftigtem, gewaltig gesteigert werden.

Bochumer Opelaner gaben von der Rückfahrt aus Antwerpen einen ersten kurzen Telefonbericht: "Die Kollegen in Antwerpen blockieren weiter die Tore, produzieren aber. Es gab zwei getrennte Betriebsversammlungen für die Früh- und Spätschicht. Klaus Franz, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Opel, hielt eine kämpferische Rede, die Werksschließung müsse zurück genommen werden. Es gäbe keinen Cent für einen Restaurierungsplan, solange die Werksschließung aufrecht erhalten bleibe. Die Schließung sei Vertragsbruch. Er sprach sich aber auch gegen europaweite Aktionstage aus. Jetzt sei eine andere Taktik nötig, nämlich keine Verhandlungen und kein Verzicht auf Einkommen, solange die Werksschließung nicht vom Tisch ist. Die Kollegen in Antwerpen diskutieren, ob Streik richtig ist oder was zu tun ist. Es gibt auch noch Skepsis gegenüber einem Streik, weil befürchtet wird, alleine dazustehen und weil die produzierten Autos ihr Faustpfand seien. Diese Fragen müssen unter den Opelanern solidarisch geklärt werden."

In einem Artikel der gestern erschienenen Extra-Ausgabe der Kollegenzeitung für alle Opelwerke, "Der Blitz", heißt es dazu: "Die Schließung würde insgesamt 6.000 bis 7.000 Arbeitsplätze in der Region Antwerpen vernichten, weil es auch die Schließung von Automobilzulieferindustrie nach sich ziehen würde. Schon wurde die Schließung des dortigen Werks von Johnson-Controls bekannt gegeben. Das sind nicht nur verheerende Auswirkungen auf die Familien in Belgien. Das ist ein Kurswechsel der GM-Spitze in Europa! ...

Der Schließungsbeschluss betrifft die ganze europäische GM/Opel-Belegschaft! GM droht mit Erpressungspolitik: ohne Verzicht der Belegschaft auf 265 Millionen Euro pro Jahr wird auch Eisenach geschlossen. Aber Eisenach, Luton und mittelfristig Bochum stehen sowieso in ihren Schließungsplänen.

Antwerpen beweist auch, dass alle Verhandlungen über 'Standortsicherungsverträge', 'Zukunftsverträge' oder wie sie im jeweiligen Werk auch heißen, nichts gelten! Der Streik der Antwerpener in 2007 konnte nur abgewürgt werden, weil ihnen versprochen wurde, dass nach dem Astra zwei SUV-Modelle in Antwerpen produziert würden. Dafür wurde den Kollegen seit 2007 jedes Jahr 27 Millionen Euro Verzicht abgepresst. Und jetzt? Der Schließungsbeschluss. Diese und zukünftige Verträge und Versprechungen sind keinen Pfifferling wert.

Den Kampf um jeden Arbeitsplatz können wir nur im international gemeinsamen Kampf gewinnen mit rigoroser Arbeitszeitverkürzung auf Kosten der Profite! 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! Kein Verzicht auf Lohn und Arbeitsplätze! Damit werden wir auch unserer Verantwortung für die Zukunft der Jugend gerecht. ...

Keine Werksschließungen heißt Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz! Übernahme aller Azubis! Die GM-Pläne müssen vollständig vom Tisch!"

"rf-news" wird weiter berichten.