Politik

"Gegen den Willen der Bevölkerung halten Sie das nicht durch!" - 10.000 Gegner von "Stuttgart 21" demonstrieren

"Gegen den Willen der Bevölkerung halten Sie das nicht durch!" - 10.000 Gegner von "Stuttgart 21" demonstrieren
Alt und Jung gemeinsam gegen Stuttgart 21

30.01.10 - Es hatte große Symbolkraft: Als ein Arm des Sternmarsches der "Stuttgart21"-Gegner am Freitagabend gegen 18.45 Uhr in die Schillerstraße einbog, lag das hell erleuchtete historische Bahnhofsgebäude vor ihnen. Und in der dunklen Nacht leuchtete ein Stern: Es war der Mercedesstern, der sich in stoischer Gelassenheit auf dem Dach des Bahnhofes dreht. Deutlicher kann es nicht ausgedrückt werden: In der Autostadt Stuttgart wacht die Autoindustrie über das Wohl und Wehe des Schienenverkehrs!

10.000 Menschen aus Stuttgart und der Region sind dem Aufruf gefolgt, Bahnchef Grube ihren Protest gegen das "Stuttgart 21"-Projekt zu zeigen. "Stuttgart 21" - oder kurz S21 - das ist der Umbau des Kopfbahnhofs in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs in einen so genannten Tunnelbahnhof. In zehn- bis fünfzehnjähriger Umbauzeit soll der jetzt ebenerdige Bahnhof unter die Erde verlegt und die 16 Gleise auf acht reduziert werden. Umfassende Landschaftsveränderungen wären die Folge. Mit seiner Ausrichtung auf die profitableren Hochgeschwindigkeitszüge würde der Tunnelbahnhof einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Belieferung Stuttgarts mit Waren per Güterzug für die Zukunft verhindern. Ein landschafts- und umweltpolitisches Fiasko!

Wer andern eine Grube gräbt ...Bahnchef Grube will am Dienstag den Baubeginn starten. Als er am Freitag zu einer Diskussionsveranstaltung nach Stuttgart kam, erschien er kurz auf der Rednerbühne der Demonstration. Großspurig verkündete er, dass er sich der Kritik stellen wolle und er suche den Dialog mit den Gegnern. "Nennen Sie mir gute Argumente!" forderte er die Demonstranten heraus. Ein ohrenbetäubender Lärm war die Antwort. Der Wille der Bevölkerung ist für diesen Monopolvertreter kein Argument! Der Redner der S21-Gegner rief ihm deshalb nach: "Herr Grube, 15 Jahre Bauzeit im Herzen von Stuttgart gegen den Willen der Bevölkerung – das halten Sie nicht durch!"

Verbissen ließ sich Grube heute in den Zeitungen zitieren: "Bei Stuttgart 21 gibt es kein Zurück." Doch der aktive Widerstand der Bevölkerung hat schon andere Projekte verhindert, die in der Bauphase waren: zahlreiche Müllverbrennungsanlagen, das Atomkraftwerk Whyl, die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf oder den Transrapid in München.

Die Diskussionen drehten sich deshalb immer wieder darum: Ist das Ganze schon gelaufen und der Protest nur noch symbolisch – oder besteht die Möglichkeit, S21 zu verhindern? Die Stuttgarter Stadtzeitung "tatsach", die vom Kreis Stuttgart der MLPD herausgegeben wird, verbreitete die Losung "Das Volk sind wir! Stuttgart 21 verhindern – aktiver Widerstand!"

Ein wesentlicher Faktor für den aktiven Widerstand wird sein, die Automobilarbeiter in diesen Kampf einzubeziehen. Sie stehen direkt unter dem Feuer der Ausbeutungsoffensive der Automobilmonopole. Mit Kurzarbeit und Arbeitsplatzabbau bekommen sie die Folgen der Krise zu spüren. Ihre Kinder sitzen in herunter gekommenen Schulen. Schließungen kommunaler Einrichtungen und Gebührenerhöhungen belasten ihre Haushaltskassen. Diese Angriffe und S21 sind nur zwei Seiten derselben Medaille.

Die MLPD Stuttgart hat eine Broschüre herausgegeben: "Nein zu Stuttgart 21 – Aktiver Widerstand". Sie kann bei der Kreisleitung der MLPD Stuttgart, Bruckwiesenweg 10, 70327 Stuttgart bestellt werden.

E-Mail: stuttgart@mlpd.de