Betrieb und Gewerkschaft

Uli Schirmer gegen Porsche: Es geht um die Verteidigung eines Grundrechts

Stuttgart (Korrespondenz), 25.01.10: Immer wieder um den Begriff der Loyalität ging es am 20. Januar bei der Verhandlung über die Klage von Uli Schirmer gegen Porsche auf Wiedereinstellung vor dem Landesarbeitsgericht Stuttgart. Dabei wurde rasch klar, was die Konzernleitung von Porsche, allen voran Personalchef Pfeffer Uli Schirmer, ihm als so genannte "Illoyalität" vorwirft: Seine "Vergehen" bestehen darin, dass er öffentlich in Artikeln, die zum Teil schon Jahre zurück liegen, die Ausbeutung und Jagd auf Kranke bei Porsche angegriffen hatte. Äußerungen, in denen selbst das Bundesarbeitsgericht keine Verletzung arbeitsvertraglicher Verpflichtungen erkennen konnte, sondern nur die Wahrnehmung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung.

Trotzdem hat Porsche nun schon die siebte Kündigung gegen Uli Schirmer wegen seiner angeblich fehlenden Loyalität Porsche gegenüber ausgesprochen. Sowohl der Richter als auch der offensiv auftretende Uli Schirmer und sein Rechtsanwalt waren sich bei der Verhandlung mit den 38 anwesenden Zuhörern einig, dass es hier letztlich um die Verteidigung eines Grundrechts geht.

Die anschließende Gesprächsrunde machte die überragende Bedeutung der Solidarität mit Uli Schirmer deutlich, die dieses Mal über Ländergrenzen bis nach Frankreich ging, sah aber auch die Notwendigkeit der Stärkung des Solidaritätskreises und überlegte sich, wie die praktische Solidarität aus dem Betrieb heraus organisiert werden kann. Ein Redebeitrag forderte darüber hinaus auf, ein Gesellschaftssystem zu bekämpfen, in dem die Konzernführung von Porsche 16 Milliarden Euro in den Sand setzen darf und damit Arbeitsplätze gefährdet, andererseits einen Kollegen mit "Kettenkündigungen" überzieht, weil der sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt.

Der Verkündungstermin für das Urteil ist am 10. Februar um 9 Uhr beim Landesarbeitsgericht Stuttgart, Börsenstraße, Saal 4. Kommt zahlreich!