Betrieb und Gewerkschaft

Automotive Lighting (AL) Reutlingen: Streik und Fahrt zum gemeinsamen Protest nach Mailand

Reutlingen (Korrespondenz), 02.02.10: Morgen streikt die Belegschaft von Automotive Lighting (AL) in Reutlingen und fährt nach Mailand. Sie demonstriert dort mit Beschäftigten von Magneti Marelli gemeinsam beim italienweiten Protesttag der Fiat-Belegschaft gegen Arbeitsplatzvernichtung und Werksschließungen. AL gehört als Tochter zum Automobilzulieferer Magneti Marelli, als Teil des Fiat-Konzerns. Die Aktion ist genau richtig: international und konzernweit kämpfen gegen die Neustrukturierung der Autokonzerne auf Kosten der Beschäftigten!

Letzte Woche haben  AL-Beschäftigte zwei Tage gegen die Verlagerung der Fertigung und die Vernichtung von 130 Arbeitsplätzen gestreikt und breite Solidarität aus der Region erfahren. AL mit 720 Beschäftigten in Reutlingen ist auf dem Boschgelände und war früher "Bosch-Scheinwerfer". Bei der vorausgegangen Urabstimmung haben  95,3 Prozent der IG-Metall-Mitglieder bei AL für Streik gestimmt. Nach Vorgabe des IG Metall-Vorstands war jedoch nicht die Forderung der Belegschaft "130 Arbeitsplätze in der Fertigung müssen erhalten bleiben" auf dem Stimmzettel, sondern die Forderung nach einem "Sozialtarifvertrag" mit einer hohen Abfindung.

Begründet wurde dies mit dem eingeschränkten Streikrecht. Dazu schreibt die Extra-Ausgabe der Kollegenzeitung für Boschler "Hochdruck & Zündstoff", die am ersten Streiktag verteilt wurde: "Sollen wir denn stillhalten und uns durch ein eingeschränktes Streikrecht fesseln lassen? Sollen wir uns von unserem Ziel, dem Erhalt aller Arbeitsplätze abbringen lassen? ... Die Vorstellung, mit hohen Abfindungen verhindern wir die Verlagerung, ordnet sich dem eingeschränkten Streikrecht unter. Wir wollen jedoch keine Abfindungen, sondern um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Dazu müssen wir selbständig streiken und uns das Recht auf Streik nehmen und erkämpfen."

Die Auseinandersetzung darüber ist im Moment vor allem davon geprägt, dass viele Kolleginnen und Kollegen noch darauf vertrauen, dass mit der Taktik der IGM-Spitze die Arbeitsplätze erhalten werden können.