Betrieb und Gewerkschaft

"Der Hafen war dicht - und das war erst der Anfang"

"Der Hafen war dicht - und das war erst der Anfang"

Bremen (Korrespondenz), 04.02.10: Über 500 Hafenarbeiter waren am Dienstag zur Verdi-Kundgebung nach Bremen gekommen. Im Gebäude des Gesamthafenbetriebs (GHB) fand die zweite Runde der Tarifverhandlungen statt. Der Protest richtete sich gegen die Hafenkapitalisten, die das bereits begonnene Lohndumping gegenüber dem GHB durch Veränderung der Tarifverträge auf alle Hafenarbeiter ausdehnen wollen. Massiver Lohnraub soll durchgedrückt werden mit der Einführung von Billiglohngruppen und durch eine "arbeitsabhängige Entlohnung", die zwischen Tätigkeiten auf der "See- oder Landseite" im Hafen unterscheidet.

Trotz eisiger Kälte und spiegelglatten Straßen waren noch mehr Kollegen zur Kundgebung gekommen als zwei Wochen zuvor. Dieses Mal beteiligten sich auch deutlich mehr Hafenarbeiter der BLG, HHLA, Eurogate, NTB – einige waren sogar aus Hamburg angereist.

Massive Kritik bekam auch die rechte Gewerkschaftsführung zu spüren. Nicht nur dafür, dass Nicht-Verdi-Mitgliedern die Mitfahrt in den Gewerkschaftsbussen aus Bremerhaven verweigert wurde. Dafür mussten sie sich offiziell entschuldigen. Die Kritik richtete sich besonders gegen die Bereitschaft zu faulen Kompromissen. Die Verdi-Verhandlungsführer hatten einen Spielraum von bis zu 15 Prozent Lohnabbau zugesagt, wenn eine "Beschäftigungsgarantie in der verheerenden Krise" zugesichert wird.

Nachdem die Buhrufe und der Schneeballhagel verhallt waren, meldeten sich Kollegen am Mikrofon. Einer fragte: "Wo sind denn die Gewinne geblieben, die wir erarbeitet haben? Mit diesem Geld haben sich die Unternehmer in Sankt Petersburg und in Italien eingekauft, um noch mehr Kohle zu machen." Den meisten Beifall bekam ein Hafenarbeiter, der von der Blockade des Auto-Terminals am 27. Januar in Bremerhaven berichtete: "Wir müssen die Verantwortlichen in den Chefetagen richtig treffen. Letzten Mittwoch war der Hafen dicht. Mit 60 Mann haben wir blockiert – da ging kein Auto mehr runter vom Schiff. Sowas müssen wir natürlich selbst organisieren." Lebhafte Diskussionen gab es denn auch beim Verkaufseinsatz mit der Broschüre "Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen".