Betrieb und Gewerkschaft

Erneut Streik bei Daimler in Bremen

Erneut Streik bei Daimler in Bremen
Demonstration der Daimler-Kollegen in Bremen

02.02.10 - Nachdem bereits am 22. Januar über 2.000 Kollegen bei Daimler in Bremen selbstständig gestreikt hatten, traten am 1. Februar ab 10 Uhr erneut 3.500 Kollegen in einen Streik. Dazu hatte dieses Mal, ausgehend von einer Vertrauensleute-Vollversammlung am vergangenen Freitag, die Vertrauenskörperleitung aufgerufen. Offiziell wurde dieser Streik als "Betriebsrats-Info" deklariert. Zeitgleich waren Verhandlungen in der Einigungsstelle, die wegen Verspätung der Geschäftsführung, die aus Stuttgart anreiste, erst Stunden später begannen. Ein Korrespondent aus Bremen berichtet:

"Wie auch beim letzten Mal verließ ein Demozug aus Tor 8 das Werk. Am Tor 1 gab es Auseinandersetzungen, jetzt wieder aufs Werksgelände zu marschieren oder weiter Richtung Tor 3, um die Straßenbahn zu blockieren. Die Polizei war bereits angerückt und hatte den Verkehr angehalten. Die Vertrauenskörperleitung leitete jedoch die Demo wieder aufs Werksgelände. Die Kollegen marschierten dann zum sogenannten "Krawattenbunker", wo die Einigungsstelle tagte.

Von Kollegen waren einzelne Schilder gemalt worden wie unter anderem 'SL muss bleiben' oder 'Keine Fremdvergabe der Fördertechnik'. Es wurden vorher sogar Rufe 'zum Flughafen' laut, um dort den Vorstand direkt in Empfang zu nehmen. Auch die Spätschicht hat die Arbeit niedergelegt und demonstriert. Laut Meldung von Betriebsräten von gestern Abend habe man sich in der Einigungsstelle soweit angenähert, dass heute keine Arbeitsniederlegungen stattfinden würden.

Das wirft die Frage auf, wer bei diesem Kampf eigentlich das Zepter in der Hand halten muss. Die Betriebsratsspitze orientiert vor allem auf eine 'eine ausreichende Beschäftigungssicherung, die weit über 2012 hinausgeht' und ist von der eigentlichen Forderung 'SL muss bleiben' bereits völlig abgewichen. Das wird auch unter den Kollegen diskutiert, die in ihrer Mehrheit davon ausgehen, dass solche Einigungen für den Erhalt der Arbeitsplätze in Wirklichkeit nichts wert sind

Bereits am 27. Januar titelte eine Extra-Ausgabe der Konzernzeitung 'Die Stoßstange - von und für Kollegen': 'Unser Streik war erst der Anfang!' und deckte den faulen Kompromiss der sogenannten 'Beschäftigungssicherung' wie in Sindelfingen auf: 'Nicht nur, dass sich der Betriebsrat darin verpflichtet, an der Rationalisierung - sprich der Steigerung der Arbeitshetze - mitzuwirken (…) Der Vertrag enthält auch die Klausel, dass von all dem abgewichen werden kann, wenn die wirtschaftliche Lage des Konzerns es erfordert.'

Doch die Kollegen haben die Schnauze voll davon, dass die Krisenlasten auf ihren Rücken und den ihrer Familien abgewälzt werden. Bereits 10 Prozent Lohnverlust wurde im letzten Jahr durchgedrückt und einige haben sich bereits verschuldet. Der Geist von 1996 wurde wieder wach gerufen, und man erinnerte sich daran, dass damals tagelang immer wieder gestreikt wurde, bis die Forderung für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durchgekämpft worden war.

Die Forderung 'SL muss bleiben' wirft auch die Frage auf, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass die Kapitalisten die Macht über die Produktionsmittel haben. In Diskussionen kommt deswegen immer häufiger die Frage nach einer gesellschaftlichen Alternative, dem echten Sozialismus auf.

Jetzt kommt es in den nächsten Tagen darauf an, die Erfahrungen gründlich auszuwerten, wie die Belegschaft das Heft selber in die Hand nimmt. Die MLPD als revolutionäre Arbeiterpartei muss für den Kampf um die Klasseninteressen der Arbeiter gestärkt werden.

Der SL muss in Bremen bleiben - Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz! Der Vorstandsbeschluss muss vom Tisch!

Für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich - und zwar ausgehend vom Lohn vor der 8,75-prozentigen Kürzung!"