Betrieb und Gewerkschaft

"Die Rhön steht auf - Siemensianer wehren sich"

Nürnberg (Korrespondenz), 11.02.10: Zur IG-Metall-Protestkundgebung gegen den geplanten Abbau von 850 Stellen bei Siemens in Bad Neustadt/Saale gingen gestern am Mittwoch 8.000 auf die Straße. Das Motto war: "Die Röhn steht auf! SIEMENSianer wehren sich!" Die Stimmung schwankte zwischen Wut, Verzweiflung und Angst.

Die massive Arbeitsplatzvernichtung bedroht die ganze Region. Deshalb waren diesmal auch alle dabei, vor allem viele Schüler und Auszubildende, einige Arztpraxen hatten geschlossen und auch einige Geschäfte. Das griechische Cafe schenkte kostenlos Kaffee aus, um seine Solidarität zu zeigen.

Selbstgemalte Schilder wie "Schlimmer noch als Gier und Geiz -  Schluß damit – Siemens bleibt hier!" und "Eine Region steht auf – ohne Arbeit keine Zukunft!" prägten das Bild. Es waren Kollegen aus verschiedenen umliegenden Betrieben gekommen, von SKF, KUFI aus Schweinfurt, und Kollegen von Daimler aus Sindelfingen, die mit besonderem Applaus begrüßt wurden.

Alle Redner wie der 2. IG-Metall-Bevollmächtigte und Betriebsratsvorsitzende Ohmert, eine Jugendvertreterin von Siemens, diverse Politiker und Vertreter der Kirchen, klagten die Siemens-Verantwortlichen an, die in München  und Nürnberg sitzen. Siemens soll die Verlagerungspläne ins tschechische Mohelnice wieder zurücknehmen. Ohmert kritisierte den CSU-Ministerpräsidenten von Bayern, Horst Seehofer, weil er Verständnis für die Entscheidung von Siemens geäußert hat. Das wurde mit heftigen Buhrufen quittiert.

Von den meisten offiziellen Rednern kamen viele Worthülsen der Solidarität und wurde viel von Zuversicht geschwafelt. Das erzeugte  Unmut unter den betroffenen Zuhörern: "Schuld ist doch die Politik, sie ebnen doch den Weg für den Ausverkauf der Arbeitsplätze, diese ganzen Reden sind doch scheinheilig!" Viele Jugendliche, die die anwesende "Rote Fahne"-Verkäuferin befragte, schätzen ihre Zukunft nicht rosig ein: "Ich mache ein dreimonatiges Praktikum bei Siemens, was danach ist, weiß ich noch nicht. Es sind fast 50 Prozent der Kollegen, die da entlassen werden, da sind die Folgen noch gar nicht absehbar. Der Kapitalismus fährt doch gegen die Wand, da muss sich grundlegend in der Gesellschaft was ändern!" Die meisten Jugend brachten zum Ausdruck, dass sie nicht tatenlos zusehen wollen.