Jugend

Opel-Chef Reilly will Belegschaften spalten - Bochumer Opel-Azubis schreiben ihren Kollegen in Antwerpen

Opel-Chef Reilly will Belegschaften spalten - Bochumer Opel-Azubis schreiben ihren Kollegen in Antwerpen
Opelaner aus Antwerpen beim Solidaritätstag am 26. Januar

10.02.10 - Mit insgesamt 2,7 Milliarden Euro Staatshilfe will GM/Opel europaweit 8.300 der noch bestehenden rund 48.000 Arbeitsplätze vernichten. Das gab Opel-Chef Nick Reilly gestern in Rüsselsheim bekannt. Die Arbeitsplatzvernichtungspläne treffen alle europäischen Werke. In Antwerpen sollen 2.400 Beschäftigte entlassen und das ganze Werk geschlossen werden. Fast genau so viele Arbeitsplätze, nämlich 1.800, will die GM-Spitze im Bochumer Werk vernichten - das wäre dort jeder dritte Arbeitsplatz.

Gleichzeitig versucht das Opel-Management, die Belegschaften weiter zu spalten, um einen gemeinsamen konzernweiten Kampf zu verhindern. So wird vor allem gegenüber den deutschen Belegschaften darauf orientiert, dass offene Massenentlassungen vermieden werden sollten und der Arbeitsplatzabbau "sozialverträglich" über Altersteilzeitverträge usw. erfolgen soll. Angesichts dessen vertraten der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel und Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Dienstag, es hätte "schlimmer kommen können". Hauptsache, in Bochum wäre damit eine Werksschließung vom Tisch.

Ob die Arbeitsplätze durch Werksschließung oder durch Altersteilzeit vernichtet werden, macht jedoch keinen grundsätzlichen Unterschied. So oder so führt das zu einem weiteren sozialen Kahlschlag in den betroffenen Regionen und fehlen die Arbeitsplätze vor allem künftigen Generationen.

Umso wichtiger ist das Signal, das von einem Brief ausgeht, den 72 Auszubildende der Lehrwerkstatt von Opel in Bochum gemeinsam verfasst und an die Kollegen im belgischen Antwerpen geschickt haben. Darin heißt es:

"Hallo liebe Antwerpener Kollegen und Kolleginnen,

wir aus der Lehrwerkstatt Opel Bochum haben gehört, dass eurer Werk geschlossen werden soll. Es tut uns für euch und eure Familien leid, dass Ihr arbeitslos werden sollt. Es ist sehr mutig von euch, dass ihr zu ersten Schritten gegriffen habt und die Tore blockiert. Wir finden euren Kampf gut und wollen euch sagen: gebt nicht auf!

Opel Bochum steht ja vor einer ähnlichen Situation, denn sicher ist unser Werk auch nicht, fast jeder zweite soll seinen Arbeitsplatz verlieren. Auch das dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Deshalb finden wir es sehr wichtig, dass wir zusammen halten.

Es ist richtig, dass ihr nicht den Mund haltet, sondern euch wehrt. Wir haben hier in Bochum die Erfahrung mit Nokia gemacht, die haben sich viel gefallen lassen und wurden trotzdem geschlossen. Es ist genau richtig, dass ihr GM zeigt, dass man mit euch nicht alles machen kann.

Wir hier in Bochum freuen uns nicht, dass eurer Werk geschlossen werden soll, wir wollen nicht auf eure Kosten Produktionsvolumen haben, ihr seid uns nicht egal und wir lassen euch nicht im Stich!

Besonders an die Jugendlichen in Antwerpen denken wir, wir Jugendlichen sind die ersten die unter der Krise leiden. Wo sollen sich die Jugendlichen bewerben, wenn überall die Arbeitsplätze abgebaut werden. Die ganze Region um Antwerpen ist ja betroffen.

Es ist unser gemeinsamer Kampf für unsere und eure Zukunft!

Für den Anfang würden wir einen europaweiten Aktionstag gut finden, um allen zu zeigen, wir sind solidarisch und halten auch über Ländergrenzen hinweg zusammen.

Für den Kampf um alle Arbeitsplätze wünschen wir euch viel Glück!!!

Liebe Grüße aus der Lehrwerkstatt Opel Bochum
(dieser Brief wird von 72 Azubis unterstützt)"