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Millionen bei den Rosenmontagsumzügen - vom "Haifisch mit Zähnen" bis zum "Har(t)zer Käse"

Millionen bei den Rosenmontagsumzügen - vom "Haifisch mit Zähnen" bis zum "Har(t)zer Käse"
Haifischjäger zeigten in Gelsenkirchen dem "Haifisch" der Banken und Konzerne "knallrot die Zähne"

16.02.10 - Trotz teilweise klirrender Kälte waren am gestrigen Rosenmontag wieder Millionen Karnevalisten auf den Straßen unterwegs. Nicht nur in den traditionellen Hochburgen wie Mainz, Köln oder Düsseldorf, auch im Saarland, Thüringen, Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern. In Münster waren 85.000 beim Rosenmontagsumzug, im niederrheinischen Bocholt 100.000, in Gelsenkirchen im Zentrum des Ruhrgebiets rund 80.000 und im saarländischen Burbach 120.000. Die Jecken nahmen auf zahlreichen Motivwagen insbesondere die Regierungspolitik und den unfreiwilligen Berliner Oberkarnevalisten Guido Westerwelle aufs Korn.

Das reichte von der "närrischen" Debatte über die "Umbenennung von Hartz IV" über die Milliardengeschenke an die Banken bis zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs als Folge krimineller Einsparung bzw. Diebstahls von Beton und Stahl beim U-Bahn-Bau. Auf einem Kölner Motivwagen brachte Kanzlerin Merkel als Lehrerin Erstklässlern am "Einschuldungstag" bei, wie man Rekordschulden machte. Auf einem anderen Wagen drückte ein Elefant das Stadtarchiv platt, während die "drei Affen" (Stadt, KVB und Gutachter) weder etwas sehen, riechen noch hören konnten. Durch den Kakao gezogen wurden aber auch "Größen" der internationalen Politik wie Barack "Yes we can" Obama oder der selbstverliebte Mädchenverführer Silvio Berlusconi,

Vielerorts reihten sich auch die Montagsdemonstranten mit phantasievollen Auftritten in den Zug ein oder stellten das offene Mikrofon unter ein karnevalistisches Motto. In Gelsenkirchen gemeinsam mit dem überparteilichen Karneval SaarbrückenKommunalwahlbündnis "AUF Gelsenkirchen" und einem Motivwagen, der die Banken und Konzerne als "Haifisch mit Zähnen" auf die Schippe nahm, der die Geldscheine der "Steuerzahler" frisst. Und in Saarbrücken forderten als "Har(t)zer Käse" verkleidete Jecken die Bundesregierung auf, den selbigen endlich zu entsorgen.

Karneval DuisburgIn Duisburg beteiligten sich REBELL, ROTFÜCHSE und MLPD bereits am Sonntag gemeinsam am Kinderkarneval und trugen unter anderem die Forderung "Kein Kürzen bei den Kurzen!". Die Teilnahme der ROTFÜCHSE an Karnevalsumzügen ist an vielen Orte mittlerweile schon zum Standard geworden. Solche Auftritte stießen überall auf zustimmendes Gejohle und Gelächter.

Allerdings nicht nur. Bei manchen bürokratischen Veranstaltern und Stadtspitzen führt die Teilnahme von Kräften der kämpferischen Opposition an den offiziellen Karnevalsveranstaltungen zum Verlust jeglichen Humors. So wurde in Karlsruhe sogar den Rotfüchsen die teilnahme am Faschingsumzug verweigert (siehe "rf-news"-Bericht) und auch an anderen Orten gab es Behinderungen mit der Begründung, "zu viel Politik" gehöre nicht auf den Karneval. Dabei ist sein Ursprung höchst politisch. Ein Korrespondent aus Düsseldorf berichtet in diesem Sinne vom närrischen Treiben auf der "Kö" in Reimform:

Karneval Düsseldorf"Der Korrespondent, gerade nüchtern,
schreibt euch diese Zeilen schüchtern.
Die Stimmung war ein Riesenknall,
auf dem Düsseldorfer Straßenkarneval!

'Hartz IV – weg we can' hieß unser Wagen,
mit Proviant gar vollgeladen.
Die Montagsdemo, man sieht es schon,
lässt keinen hungrig und durstig davon!

Und viele Fotografen schärften die Linse,
schossen unser Motto und unser Gegrinse!
Die Narren, die habens im Gespür,
dass die in Berlin sind noch viel närrischer als wir!"