Politik

Politischer Aschermittwoch in revolutionärer Tradition

18.02.10 - In vier Städten hatte die MLPD gestern Abend zum Politischen Aschermittwoch geladen – und alle Säle waren proppenvoll. 180 Gäste waren in Stuttgart dabei, 50 in Nürnberg, ca. 60 in München und über 400 waren in Gelsenkirchen gekommen. "Herzlich willkommen! Der politische Aschermittwoch entstand in Wirklichkeit im revolutionären Gewoge der Novemberrevolution 1918/19 in Bayern. Wir sind stolz darauf, diese revolutionäre Tradition wieder aufzugreifen!" So der MLPD-Vorsitzende Stefan Engel in seiner Rede, die wir hier vollständig dokumentieren. Gerade in Bayern waren die Besucher besonders begeistert, dass darauf verwiesen wurde, dass der politische Aschermittwoch keineswegs von der CSU erfunden wurde, "die an diesem Tag alljährlich ihren dümmlichen Budenzauber veranstaltet".

Überall gab es hervorragendes Essen – aber die Kultur beschränkte sich natürlich nicht darauf. Aus München berichtet eine Korrespondentin: "Wir hatten auch eine super bayerische Kultur in ihrer guten, politischen Form." So trat die Bank Hypo Alpe Adria auf als abgetakelte Fregatte. In Stuttgart gab es einen "Bananensong gegen Stuttgart 21" und der MLPD-Landesvorsitzende Peter Borgwardt brachte den Saal sofort zum Beben mit seiner Frage: "Was qualifiziert Stefan Mappus zum neuen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg? Er ist Hobbyflieger! Das war Günter Oettinger nicht, dafür konnte der Englisch!" Auch in Gelsenkirchen trat "Günter Oettinger" auf – mit einer englischen Rede, über die sich der ganze Saal freute...

Viel politischer Witz und Angriffslust gegen die bürgerliche Politik und die ganze Krisenhaftigkeit des Kapitalismus kennzeichnete die Aschermittwochsrede von Stefan Engel:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Genossinnen und Genossen,

offensichtlich gilt in den Köpfen vieler Menschen der politische Aschermittwoch als die kuriose Fortsetzung des Karnevals. Auch unsere Redakteure der "Roten Fahne" haben unseren politischen Aschermittwoch unpassend mit "Helau" und "Aalaf" angekündigt. Fälschlich wird der Aschermittwoch manchmal auch als Tradition etwa der CSU oder der anderen bürgerlichen Parteien angesehen, die an diesem Tag alljährlich ihren dümmlichen Budenzauber veranstalten. 

Erstmals lädt übrigens auch die Gelsenkirchener CDU zum politischen Aschermittwoch ein. Als "hochkarätigen Gast" hat sie ausgerechnet Oliver Wittke eingeladen, jenen Oberbürgermeister also, der einstmals vergeblich auszog, um zu verhindern, dass die MLPD die Horster Mitte kriegt. Er hat dann ebenfalls mit zweifelhaftem Erfolg noch veranlasst, dass die Horster Mitte im Grundbuch mit dem Bannstrahl des Verbots politischer Versammlungen versehen wurde. Und da wir nun mal an die freiheitlich-demokratische Grundordnung glauben, würde es uns niemals auch nur im Traum einfallen, Rechtsbruch zu begehen und hier eine politische Versammlung abzuhalten. Hier ist alles Kultur, wie es sich für einen Kultursaal der Horster Mitte gehört!

Heute will also Oliver Wittke versuchen, einen Teil der Freunde des politischen Aschermittwochs von der Horster Mitte in die Taubenstraße 108 umzuleiten. Böse Zungen behaupten, in diesen Minuten sei der 26. Veranstaltungsteilnehmer vom Stadtverordneten Heinberg mit dem Rollstuhl aus dem nahe liegenden Altersheim in den Bülser Hof verbracht worden. Der Ärmste!

Wir dagegen freuen uns über ein volles Haus! Trotz Grundbucheintrag trotz unpassender Ankündigung aus eigenem Hause und trotz der hochkarätigen Konkurrenzveranstaltung! Herzlich willkommen!

Der politische Aschermittwoch entstand in Wirklichkeit im revolutionären Gewoge der Novemberrevolution 1918/19 in Bayern. Wir sind stolz darauf, diese revolutionäre Tradition wieder aufzugreifen!

Nun hatte ich heute schon eine Aschermittwochs-Veranstaltung. Es ging um den zweiten Prozesstermin zur Kündigung meiner privaten Konten durch die Commerzbank vor einem Jahr ...

(hier der vollständige Text der Rede)

(hier die ganze Rede zum Herunterladen im pdf-Format)