Politik

Initiative Kirche von unten fordert unabhängige Untersuchung sexueller Gewalt in der Katholischen Kirche

19.02.10 - An die 120 Opfer haben sich inzwischen mutig gemeldet, alles Schülerinnen und Schüler in den deutschen Jesuitenschulen. Sie sind von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt gezeichnet. Sie sind traumatisiert, auch wenn sie inzwischen 70 Jahre alt und ihre Peiniger teilweise schon verstorben sind. Auch in Irland ist jetzt tausendfache sexuelle Gewalt an Kindern offenbar geworden. Tausende Heimkinder wurden von Kirchenleuten geschlagen, kahl geschoren, mit Feuer oder Wasser gequält und vergewaltigt.

Die meisten Opfer waren als Waisen oder Sozialfälle per Gerichtsbeschluss in die Heime eingewiesen worden. 2.500 Opfer haben in Irland vor einer Untersuchungskommission ausgesagt. Ihre Anklage richtet sich zum einen gegen die katholische Kirche, die die Gewalt* lange vertuscht und die Täter gedeckt hat, etwa, in dem diese schlicht in andere Heime versetzt wurden.

Wenn jetzt Papst Benedikt XVI sich auf die Suche nach "Strategien" begibt, "um jede Wiederholung zu verhindern", dann wäre es angebracht, er erinnerte sich daran, dass das Zölibat (Ehelosigkeit) erst durch die katholischen Kirchenoberen 306 n.u.Z. auf der Synode von Elvira und auf der Synode von 1022 n.u.Z. bekräftigt wurde. Materieller Kern des Zölibats ist, dass im Todesfall nichts vererbt werden konnte und die katholische Kirche bis heute deswegen nach wie vor der größte Grundbesitzer auf der Welt ist. Dieses Zölibat richtet sich gegen die menschliche Natur und zwingt die Betroffenen zu einem widernatürlichen Leben.

Empörend, dass der katholische Bischof Mixa die „sexuelle Revolution“ für „zumindest mitschuldig an diesem abscheulichen Verbrechen“ erklärt hat! Dazu Bernd Hans Göhrig, der Bundesgeschäftsführer des "Ökumenischen Netzwerks Initiative Kirche von unten“ gegenüber rf-news: „Aus meiner Sicht der Dinge ist das ein Taschenspielertrick nach der Methode 'haltet den Dieb'. Er verwechselt Äpfel mit Birnen. Denn gerade die 68er Generation hat ja aufgeklärt, dass die erfüllte Sexualität nichts mit Gewalt zu tun hat, im Gegenteil. Das eigentliche Ziel von Mixa ist wohl, die Konservativen in der katholischen Kirche zu beruhigen und ihnen mitzuteilen: Wir bleiben auf Linie.“
Die Initiative (www.ikvu.de) fordert die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission analog der "Murphy-Kommission" in Irland: „Nur unter Wahrung von Standards wie Unabhängigkeit, respektvollem Umgang mit den Betroffenen, Schutz der Privatsphäre etc. ist ein angemessener Umgang mit dieser hochsensiblen Problematik möglich ...“

Die Verfolgung dieser Straftaten kann nicht der katholischen Kirche mit ihrem Papst Benedikt XVI überlassen bleiben, denn die Kirche schützt die Täter vor Strafverfolgung und entzieht sie auch notwendigen Therapien. Die Kirche ist kein gesetzfreier Raum. Vereitelung der Bestrafung, Vertuschung und Verharmlosungen müssen ebenfalls bestraft werden, werden diesen Sexualverbrechern doch ansonsten täglich neue „frische Opfer“ zugeführt.

* Wir verwenden bewusst nicht den Begriff des "sexuellen Missbrauchs", da er nahelegen könnte, sein Gegenstück, der "sexuelle Gebrauch", sei akzeptabel - rf.news.