Betrieb und Gewerkschaft

Bad Neustadt: "Nicht mit uns!"

Aschaffenburg (Korrespondenz), 26.02.10: So gut wie die gesamte Belegschaft der zwei Siemens-Werke in Bad Neustadt traf sich heute vor dem Tor des Bosch-Siemens-Hausgerätewerkes, um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu fordern. Der Demonstrationszug von dem Hauptwerk wurde schon von der dortigen Belegschaft erwartet. Anlass waren die für heute anberaumten Gespräche der Geschäftsführung mit den Betriebsräten, denen die Schließungspläne begründet werden sollten.

Die Stimmung der KollegInnen war ein Gemisch aus verhaltener Wut, Hoffnung und Nachdenklichkeit. In Gesprächen wurde die Bereitschaft deutlich, dass viele für ihre Arbeitsplätze auch offensiv kämpfen wollen: "Das lassen wir nicht mit uns machen! Wir sind nicht das letzte Mal hier, und wir können auch anders!" Es überwog aber noch die Stimmung, "mal sehen, was aus den Gesprächen raus kommt".

Die IG-Metall-Vertreter versicherten, keinen Kündigungen zuzustimmen. Immer, wenn kämpferische Töne angeschlagen wurden, gab es Beifall. Eindrücklich wurde durch das Hochhalten von 840 gelben Nummern vor Augen geführt, was die geplante Entlassung dieser Zahl von KollegInnen bedeuten würde. Betroffen sind darüber hinaus auch die Familienangehörigen, der Bäcker um die Ecke usw. Zugleich orientierten die Redner der IG-Metall auf einen "tragfähigen Kompromiss" und verteidigten die "soziale Marktwirtschaft".

Sobald ich beim Verkauf der "Roten Fahne" mit Kollegen ins Gespräch kam, entwickelten sich die Auseinandersetzungen meist darum, dass die Arbeitsplätze nur auf Kosten der Profite und im gemeinsamen Kampf im ganzen Konzern zu erhalten seien. Die Profitmacherei bestimmt die Vernunft der Bosse. "In allen Siemens-Werken müsste ein Generalstreik stattfinden", meinte einer daraufhin.

Ein Kollege kannte schon die Internet-Seiten der MLPD und von "rf-news" und fand sie gut. Er meinte: "Es wird Zeit sich für den Sozialismus zu engagieren und dafür organisiert zu kämpfen." Am Ende der Kundgebung begleiteten alle Kollegen die Delegation der IG Metall durch das BSH-Werk zum Ort der Gespräche, um den Siemens-Bossen ihre Bereitschaft zum Kampf um jeden Arbeitsplatz zu demonstrieren.