Betrieb und Gewerkschaft

Cockpit-Vorstandsmitglied zur Auseinandersetzung bei der Lufthansa

23.02.10 - Die Pilotenvereinigung Cockpit hat gestern Abend vor dem Arbeitsgericht Frankfurt einen Vergleich geschlossen: Der Streik wurde für zwei Wochen ausgesetzt, nachdem die Lufthansa sich zur Aufnahme von Verhandlungen bereit erklärt hat. Alexander Gerhard-Madjidi, Vorstandsmitglied von Cockpit, gegenüber "rf-news" dazu: "Wir haben mit dem gestrigen Urteil erreicht, dass die Unternehmensleitung der Lufthansa sich nun endlich ohne Vorbedingungen mit uns an einen Tisch setzen und nach konstruktiven Lösungen mit uns suchen muss. Ihr Versuch, uns auf der juristischen Seite anzugreifen, ist fehlgeschlagen und nun wird sie in den Verhandlungen Farbe bekennen müssen."

In einem Gespräch mit "rf-news" hatte er bereits vor dem Vergleich die Hintergründe der Auseinandersetzung beleuchtet: Bei der Lufthansa gibt es seit 1992 einen Konzerntarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen regelt. Lange Zeit wurde dieser Vertrag auch eingehalten. Mit der Ausgliederung der "Lufthansa Italia" wurde die Gültigkeit dieses Vertrags erstmals in Frage gestellt. Der Lufthansa-Vorstand argumentiert: "Deutsches Recht kann man nicht ins Ausland übertragen."

Aber es ist im Gegenteil so, dass die Lufthansa immer mehr in- und ausländische Tochtergesellschaften aufkauft oder ausgliedert, um sie dann in Deutschland einzusetzen und die Tarife kaputt zu machen. "Wir haben eine juristische Prüfung bis zur höchstrichterlichen Entscheidung angeboten, wenn bis dahin keine vollendeten Tatsachen geschaffen würden. Aber darauf lassen sie sich nicht ein, sie wissen wahrscheinlich, dass sie vor Gericht verlieren würden", so Alexander Gerhard-Madjidi. 

Dem Vorstand gehe es in erster Linie darum, die Macht der "Vereinigung Cockpit" und der Piloten zu brechen. Dazu werden immer neue Ausgründungen vorgenommen. "Es hat uns auch nicht überrascht, dass sie vor Gericht ziehen gegen den Streik. Wir sehen dem relaxed entgegen." Die Forderung nach einheitlichem Tarifrecht über Ländergrenzen hinweg geht alle Beschäftigten an.

"Wir fordern eine klare Geschäftsfeld-Abgrenzung, dass ausländische Tochterfirmen mit Billig-Tarifen nicht in Deutschland oder von Deutschland aus fliegen dürfen." Und: "Es muss endlich aufhören, dass die Unternehmer global agieren, aber die Gewerkschaften internationale Aktivitäten verboten bekommen. Es muss Schluss damit sein, dass immer mehr Arbeitsplätze zu billigen Firmen ins Ausland gehen. Das betrifft nicht nur die Piloten, sondern genauso die Flugbegleiter und das Bodenpersonal. Es ist ein allgemeines gesellschaftliches Problem."